Leserbriefe

"Weg von der Kuschelpädagogik"

Der Artikel lässt eine stille Hoffnung aufkommen, dass sich die ausufernden Situationen an vielen Schulen doch noch verändern lassen. Ein Rektor macht vor, dass es geht. Weg von der Kuschelpädagogik, hin zum klaren Einfordern völlig selbstverständlicher Regeln. Weg vom "Man muss mal drüber reden", hin zum diskussionslosen Durchgreifen. Weg von antiautoritären Illusionen, hin zum Einhalten respektvollen Verhaltens anderen gegenüber. Im Grunde genommen alles Selbstverständlichkeiten, aber wohl leider aus der Mode gekommen.

Daniela Reil, per E-Mail

Vielen Dank für die Artikel "Berlins bester Lehrer" und "Der strenge Rektor und seine zehn Regeln für eine gute Schule" vom 1. Dezember. Beides positive Beispiele, die zeigen, dass man durch Willen, Motivation und Qualität selbst im Berliner Schulsystem hervorragende Ergebnisse erreichen kann. Endlich Beispiele, die anderen Schulen Vorbild sein müssten. Keine Artikel, die durch Problemdarstellung erlauben, die eigene Unfähigkeit zu rechtfertigen. Mehr positive Beispiele, bitte. Vielen Dank.

Wolfgang Fehr, per E-Mail

Eine zunehmende und für mich besorgniserregende Entwicklung in unserer Gesellschaft ist die wachsende Infantilisierung. Möglichst lang währende Jugend und ihre begleitenden Verhaltensweisen sind inzwischen sehr begehrt und werden allgemein als erstrebens- beziehungsweise erhaltenswert angesehen. Erlaubt ist, was Spaß macht, cool ist, lässig daherkommt, ohne auf Peinlichkeiten für sich selbst und andere Rücksicht zu nehmen. Leider geschieht das meist auf Kosten unserer Verantwortung. Eltern sind Kumpel, Freunde oder adoleszente Komplizen ihrer Kinder geworden. Aber ohne ein gesundes Maß an Autorität und Selbstdisziplin geht es leider nicht, sonst werden wir erst viel später oder vielleicht nie zu einem wirklichen Erwachsenen heranreifen, der bereit ist, die Realität und die daraus entstehenden Problemlösungen anzupacken. Das werden die Lehrer alleine und überhaupt unser marodes, totgespartes Bildungssystem nicht packen können. Wir alle sind gefragt als Gesellschaft. Echte und reife Erwachsene sind gute Vorbilder. Wir brauchen sie dringend für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Leider leben wir nicht nur in einer Leistungsgesellschaft, sondern vielmehr in einem Belohnungssystem, wie in der Schule, wo gute Leistungen und oft daher angepasstes Verhalten honoriert werden.

Daniel di Primio, Potsdam

Der Sargnagel für die Europäische Union

Zum Artikel: "Deutschlandtrend: Große Furcht vor schärferer Euro-Krise" vom 2. Dezember

Die Forderungen von Kanzlerin Angela Merkel, die Maastricht-Verträge zu ändern, zeigen, dass sie keinen Durchblick mehr in der Krise hat. Eine Änderung der Verträge würde in einigen Staaten Volksabstimmungen erforderlich machen. Bei der derzeit berechtigten Europa-Skepsis braucht man kein Hellseher zu sein, um zu wissen, das wäre der Sargnagel für die Europäische Union.

S. Gode, Wilhelmstadt

Zweifel an der richtigen Diagnose bestehen

Zum Artikel: ",Paranoide Schizophrenie' und 'Größenwahn' - Psychiater halten Anders Breivik für nicht zurechnungsfähig" vom 30. November

Als alter Psychiater mit 35-jähriger klinischer Erfahrung sowohl in der Behandlung als auch der psychotherapeutischen Begleitung schizophrener Patienten bezweifle ich, dass Breivik an einer paranoiden Schizophrenie leidet. Wie heißt es so schön in der Medizin: Die häufigste Diagnose ist die Fehldiagnose. Eine schwere narzisstische Persönlichkeitsstörung halte ich eher für gegeben.

Zumindest für die Regierung Norwegens mag das Gutachten angenehm sein.

Michael von Drach, per E-Mail

Man sorgt sich um den guten Ruf des Ortes

Zum Artikel: "Wie der Kampf gegen rechts eine Stadt spaltet" vom 1. Dezember

Es ist nicht zu fassen. Da engagieren sich Bürger gegen die Neonazis, zeigen also Zivilcourage - die ja immer wieder gewünscht wird -, und da schießt die Bürgermeisterin von Zossen quer und mit ihr andere Bürger. Man sorgt sich um den guten Ruf des Ortes. Wenn die Bürgermeisterin und alle Einwohner sich geschlossen gegen diese Gruppierung stellen würden, wäre das sicherlich ein positives Signal für diesen Ort. Totschweigen beziehungsweise verdrängen stärkt nur die Machenschaften dieser Leute. Die Bürgermeisterin sollte stolz sein auf ihre Mitbürger, die nicht tatenlos zusehen, wie sich diese Gruppierungen breitmachen.

Sylvia Otte, per E-Mail