Leserbriefe

"Hoffen auf ein Wunder"

| Lesedauer: 5 Minuten

Im Gegensatz zu Bürgern und Unternehmen brauchen Regierungen für die Bewirtschaftung ihrer Länder kein Geld zu verdienen, sie ziehen es als Steuern ein und verteilen es lediglich, ohne je selbst wirtschaften zu müssen. Wenn Regierungen nun mehr als das von den Steuerzahlern Erwirtschaftete verteilen wollen, machen sie über Staatsanleihen Schulden und alsdann, um kommende Haushalte nicht durch Zinsen und Tilgungen belasten zu müssen, für diese Leistungen über neue Staatsanleihen immer höhere Schulden. In gleichem Maße wuchs den Kreditgebern Macht über die Staaten zu, deren Souveränität also teilprivatisiert wurde. Alle Regierungen vergangener Jahrzehnte haben derart unverantwortlich gewirkt und es den Kreditgebern zu diesem Zweck ermöglicht, ihre Forderungen nicht als ungesichert verbuchen zu müssen, weil diese sonst wegen Überschuldung hätten Konkurs melden müssen. Durch die maßlose Schuldenlast müssen nun neben den Staaten zugleich die Kreditgeber unterstützt werden, dies allerdings nicht durch die nicht zur Verantwortung zu ziehenden Regierenden, sondern allein durch uns machtlose Bürger, in deren Namen diese Schuldenberge ohne erkennbare Not aufgehäuft wurden.

Rolf H. Diederich, Alt-Tegel

Dafür, dass mehr als die Hälfte aller Europäer mit 60 oder früher in Rente geht - aber nicht in Deutschland - und dass fast alle Länder der EU maßlos ihre Haushalte verschuldet haben, und auch Deutschland zum großen Teil dank der EU, dafür ist natürlich dann auch Deutschland verantwortlich. Dass die französischen Banken mehr als schlampig gewirtschaftet haben, natürlich auch. Herr Juncker stellt sich täglich vor die Kameras und fordert Deutschland auf, dafür die Rechnung zu begleichen. Mir ist bis heute nicht bekannt, ob irgendeine Bank seines Landes Anleihen von Krisenländern der EU mit den Einlagen von Steuerhinterziehern anderer Länder aufgekauft hat. Medizinisch gesprochen ist der Euro schon länger Hirntod, nur einige Verwandte wollen es noch nicht wahrhaben und hoffen auf ein Wunder.

Thomas Haegg, per E-Mail

Angeblich merkt es kein Politiker, aber der Euro ist längst am Ende. Auch Geheimabsprachen werden nichts ändern können. Weder EZB-Aufkäufe noch die für Deutschland unseriösen Euro-Bonds können diese Währung retten. Am billigsten wäre die sofortige Rückführung in alle Landeswährungen, ansonsten wird die Bundeskanzlerin in die Geschichte eingehen als Politikerin, die das einst reiche Deutschland in die Armut geführt hat. Die EU wird und soll auch bleiben, denn die EU und die Euro-Zone sind zwei Paar Schuhe. Die Frage für den Steuerzahler kann nur noch lauten: Wer rettet uns vor dem Euro-Wahn?

Peter Stegemann, per E-Mail

Die Europäische Föderation oder die Vereinigten Staaten von Europa bejahe ich. Nach Jahrhunderten leidvoller Auseinandersetzungen ist das die einzig notwendige Konsequenz, aber doch nicht auf der Basis des derzeitigen Konglomerates der unterschiedlichen Auffassungen über Mögliches und Unmögliches, Disziplin, Ordnung in den Staatshaushalten und dem, was man sich durch Arbeit leisten kann und was nicht. Europa darf nicht als Selbstbedienungsladen oder Schlaraffenland betrachtet werden, dessen Zeche schon irgendjemand bezahlen wird. Euro-Bonds ja, doch nicht jetzt, sondern erst, nachdem ausgemistet und Ordnung geschaffen wurde.

H. Kunzelmann, per E-Mail

Eher an Erhalt eines artenreichen Friedwild-Bestandes denken

Zum Artikel: "Brandenburg will mit dem Wolf leben lernen" vom 27. November

Es ist hochriskant, wenn sich die Landesregierung anmaßt, das Land Brandenburg als "potenzielles Wolfserwartungsland" zu betrachten und die Ausweitung der Wolfspopulation zu Lasten der heimischen Schalenwild- und Viehbestände zu fördern. Allein die jetzt bestätigten 40 Wölfe entnehmen den Wald- und Feldrevieren jährlich etwa 3200 Wildtiere beziehungsweise Weidevieh, was sich auf einen volkswirtschaftlichen Schaden von etwa 47000 Kilogramm genusstaugliches Fleisch pro Jahr summiert. Hinzu kommen Schäden aus der wolfstypischen Hetzjagd, die zu den gehäuften Wildunfällen auf Brandenburgs Straßen beiträgt und im Ergebnis von der Landesregierung mit zu verantworten bleibt. Bei aller Sympathie für den Wolf Wide Fund for Nature, der in den Weiten Sibiriens und Nordamerikas gute Arbeit beim dortigen Wildmonitoring mit Raubtieren geleistet hat, sollte hierzulande eher an dem Erhalt eines artenreichen Friedwild-Bestandes gedacht werden, anstatt Raubwild in unsere Kulturlandschaft hineinzuzwingen. Das Land Brandenburg ist kein Yellowstone National Park. Wer schützt eigentlich das Lebensrecht von Jungtieren und in Feld und Wald spielenden Kindern vor derartigen Auswüchsen abgehobener Umweltpolitik?

Joachim F. Hildebrandt, Wandlitz