Leserbriefe

"Immer wiederkehrendes Ritual"

Atomkraftgegner kritisieren das Handeln der Polizei als unangemessen? Wie sollte man denn auf schlimmste Straftaten reagieren, die vom gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr bis zum Mordversuch reichen? Das Zerstören von Bahnanlagen, die Blockade von Bahnstrecken und Stahlketten gegen Polizeifahrzeuge gehören in den Bereich der schwersten Kriminalität. Militanten Atomkraftgegnern ging es noch nie wirklich um die Sache, sondern in erster Linie um Rebellion gegen den Staat und seine Entscheidungen. Jetzt sollten sich die Krawallmacher vom Wendland nicht wundern, wenn sie wie Staatsfeinde behandelt werden. Friedlicher Protest sieht anders aus. Ich bin überzeugt, dass spätere Generationen den unsinnigen Stopp der Atomkraftnutzung wieder rückgängig machen, weil wir auf diese Technologie nicht wirklich verzichten können. Die Entscheidung über die Nutzung von Technologien sollten Wissenschaftler treffen.

Ralf Drescher, per E-Mail

Unbestreitbar dürfte die Tatsache sein, dass Gewalt gegen Verkehrsadern und Polizei immer auf Medienreaktion schielt. Und wenn dann noch neutral bis verständnisvoll von Atomkraftgegnern gesprochen wird, dann haben die Verursacher von Millionenschäden ihr Ziel erreicht. Im günstigsten Fall in einer Randnotiz ist dann zu lesen, dass gegen Blockierer und Schotterer ein Verfahren eröffnet wird, das mit ziemlicher Sicherheit mit einem milden Urteil endet. Eine Mitschuld an dem Dilemma haben zweifellos die Medien und selbstverständlich die Claqueure aus einer bestimmten Partei. Demnächst werden die ideologievernagelten Kämpfer von der Bäuerlichen Notgemeinschaft die Abschaffung des Atoms fordern. Wundern dürfte man sich nicht.

Dirk Jungnickel, Lichterfelde

Bei aller Liebe und Sympathie für das Demonstrationsrecht, aber so langsam frage ich mich, was das immer wiederkehrende Ritual eigentlich soll? Nichts, aber auch gar nichts, ist in den vergangenen 30 Jahren erreicht worden! Nur die immensen Kosten der Polizeieinsätze haben sich summiert, für die der Steuerzahler aufkommen muss. Deutschland hat sich vertraglich verpflichtet, den radioaktiven Müll von Frankreich zurückzunehmen. Warum wird das nicht respektiert? Bis heute sind die Anti-Atom-Leute eine Antwort schuldig geblieben, wohin der Atommüll soll? Hier wird das Demonstrationsrecht missbraucht und für rein politische Zwecke instrumentalisiert. Die Demonstranten sollten zur Kasse gebeten werden. Schuld an der Misere ist aber nicht zuletzt das Hin und Her der Politik, die kein festes Ziel verfolgt und die Atomkraftgegner noch dazu mit ihrem propagierten Ausstieg dazu ermuntert, sich an derart sinnlosen Aktionen zu beteiligen.

Christian Lukner, per E-Mail

Nach dem die Regierungsträume der Grünen in Berlin an ihren unrealistischen Vorstellungen jäh gescheitert sind und die Partei sich inzwischen in Richtungskämpfen zerfleischt, folgte für die Partei am Wochenende in Baden-Württemberg der nächste Nackenschlag. Eine klare Mehrheit im "Ländle" hat sich für das zukunftsweisende Bahnprojekt Stuttgart 21 ausgesprochen. Damit wurde den erlebnisorientierten Seniorenpartys am Stuttgarter Hauptbahnhof die Rote Karte gezeigt. Für alle sichtbar hat sich die einst alternative Ökopartei zur inzwischen konservativsten politischen Kraft in Deutschland entwickelt, die sich - wo immer es geht - gegen zukunftsorientierte Projekte stellt. Claudia Roth, Jürgen Trittin und Renate Künast sind auf dem politischen Abstellgleis gelandet, ohne es zu bemerken. Die aberwitzigen Aktionen politischer Irrläufer gegen den letzten Castor-Transport wirken wie ein letztes Halleluja für eine Partei, die inzwischen ihre politische Berechtigung verloren hat.

W. Dahlke, per E-Mail

Nachholbedarf Richtung Osten nicht ausreichend erkannt

Zum Artikel: "Freie Fahrt auf der Autobahn von Berlin bis nach Lodz" vom 27. November

22 Jahre nach der Wende nun endlich die gute Nachricht von der durchgehenden Autobahnverbindung von der Oder (vorerst) bis nach Lodz - die letzten knapp 100 Kilometer bis Warschau folgen dann bis Juni 2012. Zumindest straßenseitig kommt uns unser Nachbarland nun näher - und was macht die häufig bereits von Politikern angekündigte Verbesserung bei der Bahn? Durchaus zügig, aber nicht wirklich schnell, braucht der Zug auch weiter mehr als fünf Stunden bis an die Weichsel. Zwar hat der SPD/CDU-Koalitionsvertrag einige positive Ziele zu Oder-Partnerschaft und Polen zum Inhalt, es fehlt aber der Appell an Bund und DB, auf der wichtigsten Bahnstrecke - über Posen nach Warschau - Verbindung zur neuen polnischen Hochgeschwindigkeitsbahn herzustellen. Hier haben unsere Koalitionsparteien offenbar nicht die europäische Dimension und den Nachholbedarf Richtung Osten ausreichend erkannt!

Michael Stoll, Frohnau