Leserbriefe

"Kein ausgeprägter Sparwille"

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso macht sich etwas vor, wenn er die Euro-Rettung mithilfe von Haushaltsdisziplin der Mitgliedsstaaten in den Griff bekommen will. Die Griechen waren am Euro doch nur interessiert, solange sie Geld geliehen bekamen und ausgeben konnten. Wenn man ihnen Einschnitte abverlangt, werden sie den Euro als Bürde empfinden. Das gilt ebenso für andere Staaten. Da mögen die Regierungen der EU noch so viel versprechen und ihre Parlamente zu Sparmaßnahmen bewegen, die Massen werden sich das nicht gefallen lassen, streiken und das öffentliche Leben und die Wirtschaft lahmlegen. Die EU-Kommission sitzt in einem Elfenbeinturm, will übergeordnete Ziele für ganz Europa. In einzelnen Ländern wird es bei rigorosen Sparhaushalten und Steuererhöhungen aber um die staatliche Ordnung und die Vermeidung von Euro-Unruhen gehen. Die Überstrapazierung des Gemeinschaftsgedankens auf dem Feld der Finanz- und Währungspolitik droht zur Zerstörung des Euro, des inneren Friedens und der ganzen europäischen Idee zu führen.

Dieter Radow, per E-Mail

Namhafte Wirtschaftswissenschaftler haben vor Eintritt in die Gemeinschaftswährung vor einer europäischen Inflationsgemeinschaft gewarnt. Inzwischen sind mehrere Euro-Länder insolvent oder so hoch verschuldet, dass sie sich am Kapitalmarkt nicht mehr zu erträglichen Zinssätzen refinanzieren können. Die Zeit der billigen Schulden nähert sich auch für Deutschland dem Ende zu. Die Marktteilnehmer sind nicht mehr bereit, den Deutschen ihre zehnjährigen Niedrigzinsanleihen abzukaufen, wenn sie vielleicht in ein oder zwei Jahren durch Gemeinschaftsanleihen (Euro-Bonds) einen wesentlich höheren Ertrag erzielen könnten. Will die Kanzlerin den Euro retten, wird sie sich wohl wieder einmal drehen und den Gemeinschaftsanleihen zustimmen müssen. Viel Zeit bleibt ihr nicht mehr. Mit der europäischen Schuldengemeinschaft wäre dann auch der Weg frei zu einer europäischen Inflationsgemeinschaft. Ob sie kommen wird, bleibt abzuwarten. Bei unseren Politikern und besonders den südeuropäischen ist der Sparwille nicht stark ausgeprägt.

Manfred Lietke, Schöneberg

Die Horrormeldungen reißen nicht ab, alle EU-Länder sind verschuldet - und jetzt haben sich die Agenturen Frankreich vorgenommen. Wann lernt man endlich zu sparen? Die bisherigen Konzepte haben kläglich versagt, die Politik erst recht. Die Bürger warten auf eine ehrliche Antwort. Aber ehrlich ist in diesen Zeiten wohl kein Politiker. Und wenn das Vertrauen einmal weg ist, dann ist es vorbei. So einfach ist die Realität.

Christian Lukner, per E-Mail

Die Griechen kennen die feindlichen Artikel aus deutschen Medien sehr gut. Wenn die Stimmung dort umschlägt, könnten alte Reparationsforderungen gegen Deutschland laut werden. Da können wir jetzt im Vergleich dankbar sein, Griechenland auf unsere Kosten nur sanieren zu müssen.

Albrecht Ritschl, per E-Mail

Deutschland wähnt sich in der Euro-Krise als Insel der Seligen, während Italiener, Spanier und Griechen im Meer von Schulden versinken. Es ist jetzt an der Zeit, dass sich unsere Bundesregierung auch an das eigene Volk erinnert und Not und Elend im eigenen Lande zur Kenntnis nimmt. Aber unsere Regierung tut alles, um Milliarden Steuergelder an unredliche Schuldenstaaten auszuzahlen. Muss es noch viel schlimmer kommen, bis sich bei uns etwas bewegt? Denn die Auswirkungen und die kommenden Folgen der Finanzkrise treffen uns alle. Wie lange lassen sich unsere Politiker noch von den Finanzbankrotteuren über den Tisch ziehen? Sie sind einfach zu dumm, die Finanzmafia zu durchschauen, und stimmen ohne Not für diesen desaströsen Rettungsschirm. Erst wird unser Tafelsilber verpfändet, nun hat sich die Europäische Zentralbank als Erfüllungsgehilfin den Staats- und Regierungschefs angedient, um die deutschen Goldreserven für den Euro zu opfern, weil die USA, Frankreich und Großbritannien es so wollen.

Hanskarl Hindenberg, Zehlendorf

Leuchtdioden in Glaskörpern sind akzeptable Alternative zum Gaslicht

Zum Artikel: "Denkmalschützer fordern Erhalt der Gasleuchten" vom 25. November

Gaslicht ist sehr störanfällig, das zeigen die Aufzeichnungen der Wartungsdienste, und Gaslicht ist teuer. Der Glühstrumpf erzeugt nur etwa zwei Lumen pro Watt, während eine moderne Leuchtdiode (LED) bis zu 100 Lumen pro Watt abgibt. Dabei hat sie eine Lebensdauer von mehr als 50 000 Stunden oder etwa 15 Jahren. Ein Berliner Betrieb bietet Umbausätze für unsere klassische Schinkel-Laterne an, bei denen der Bürger keine Veränderung sehen kann. Darauf könnten sich Denkmalschützer und Modernisierer einigen.

Friedrich F. Zuther, Lichterfelde