Leserbriefe

"Hilfe für verlorene Generation"

Wann geht die Berliner Politik endlich das Problem an, dass an den öffentlichen Schulen Migrantenkinder keine fairen Chancen auf gute Bildungsabschlüsse haben? Das renommierte Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat den öffentlichen Schulen Berlins die Schulnote Sechs hinsichtlich der Bildungschancen für Migranten gegeben. Zahlreiche Studien zeigen, dass geringer Bildungserfolg und Neigung zu kriminellem Handeln sich begünstigen. Berlin braucht dringend ein Programm, damit die verlorene Generation der 14- bis 20-Jährigen eine Chance auf eine angemessene Teilhabe an unserer Gesellschaft erhält, indem sie eine faire Chance auf den Einstieg in eine Ausbildung bekommt.

Johannes Große Boymann, per E-Mail

Statt die Initiative freier Träger im Schul- und Bildungswesen zu ermutigen, tun sich die politisch Verantwortlichen und die Schulbürokratie in Brandenburg (aber auch in Berlin) dadurch hervor, dass sie dieselben über den Hebel der Finanzierung ausbremsen, wo es nur geht. Das ist nicht nur bildungspolitisch und ökonomisch töricht, sondern erfüllt auch den Tatbestand der Veruntreuung von öffentlichem Geld, denn die Gleichbehandlung aller anerkannten Schulträger ist verfassungsrechtlich geboten. Man gibt sich sozialdemokratisch oder gar sozialistisch, kürzt aber die Mittel freier Träger, zwingt die Eltern so zu mehr Beiträgen, damit die Schulen überleben, und bezeichnet sie dann abfällig als elitär.

Manfred Kannenberg-Rentschler, Zehlendorf

Erziehende erhalten keine Anerkennung für ihre Leistung

Zum Artikel: "Kritik am Beschluss für ein Betreuungsgeld" vom 9. November

Die am tiefsten sinngebende, charakterformende und anspruchsvolle menschliche Aufgabe, die Erziehung des Nachwuchses, soll nach dem Willen heutiger Politiker zunehmend "outgesourct" und von Professionellen erledigt werden. Anerkennung für ihre Leistung erhalten selbst Erziehende heute nicht, das widerspricht der "Emanzipation". Die Mutterliebe muss "gezügelt" werden und sich der "Vernunft", dem Karrierestreben sowie finanziellen und Sicherheitsüberlegungen unterordnen. Eine Frau im Dauerstress verliert zunehmend ihre besonderen weiblichen Kompetenzen der Intuition, des Einfühlungsvermögens, der Kreativität, auch für sinnvolle Zeit- und Umgebungsgestaltung. Sie kann somit auch den Stress des Partners beziehungsweise der Kinder nicht mehr so gut abfangen und damit umgehen. Ehen zerbrechen leichter, Kinder erhalten nicht mehr die Aufmerksamkeit, die sie brauchen, müssen ihre "Krisen" anderweitig bewältigen. Suchtmittelgebrauch, Aggression und psychische Erkrankungen können die Konsequenz unerfüllter Lebenssehnsucht sein.

Almut Rosebrock, per E-Mail

Wer kann sich einen Platz im Pflegeheim denn überhaupt leisten?

Zum Artikel: "Berliner pflegen alte Menschen zu Hause" vom 9. November

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher sagt, es müsse noch näher untersucht werden, warum hierzulande besonders oft zu Hause gepflegt wird. Zu wenig vorhandene Pflegeheime schloss sie als Grund aus. Weiß Frau Lompscher eigentlich, was sie sagt? Klar gibt es genügend Pflegeheime, aber wer kann sich die denn leisten? Wer kann sich mit Pflegestufe 1 einen Heimplatz für etwa 1493 Euro monatlich leisten? Wer kann für seinen Ehepartner für drei Tage in der Woche einen Platz in einem Tagespflegeheim für monatlich knapp 900 Euro bezahlen? Das sind Fakten, die ich gerade selbst erlebt habe. Wer bekommt so viel Rente? Welcher Ehepartner kann sich diese Beträge neben den monatlichen Kosten leisten?

Wer kümmert sich um die pflegenden Familienangehörigen, die selbst irgendwann überfordert, nervlich am Ende und bald selber pflegebedürftig sind? Da die Bevölkerung immer älter wird, sollten die Verantwortlichen endlich mal darüber nachdenken, Heimplätze erschwinglicher zu gestalten und den Menschen so die Angst vor Alter und Krankheit zu nehmen.

Monika Jung, per E-Mail

Steuergeschenke auf Kosten künftiger Generationen

Zum Artikel: "Entlastung mit vielen Fragezeichen" vom 8. November

Wie kann es sein, dass sich die CDU von der FDP so unter Druck setzen und sich auf eine Steuersenkung bei so hohen Schulden, die von nachfolgenden Generationen getragen werden müssen, einlässt. Hauptsache, die Koalition bleibt an der Macht. Diese Regierung hat bislang kaum etwas zu Wege gebracht und denkt jetzt, mit dieser irrsinnigen Idee etwas gutmachen zu können. Hoffentlich scheitert die Vereinbarung im Bundesrat.

A. Panske, per E-Mail