Leserbriefe

"Nichts als purer Populismus"

Es ist schon erstaunlich, wie mit den Eigentumsrechten von Bürgern umgegangen wird. Am Griebnitzsee hat die Stadt nachweislich alles falsch gemacht, jetzt will sie sich am Groß Glienicker See beweisen. Es ist nichts anderes als purer Populismus, wenn man den Eigentümern ihr Land wegnehmen will, um einigen wenigen das Spazierengehen oder Radfahren zu ermöglichen. Ich möchte mal wissen, wie viele von den Menschen, die jetzt die Enteignung begrüßen, glücklich darüber wären, wenn es ihr Grundstück wäre, und ob sie es gut fänden, wenn von staatlicher Seite bestimmt wird, wer dies betreten oder befahren darf. Und die ablehnende Haltung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zum "Kaufangebot" durch die Stadt Potsdam zeigt doch, wie realitätsfern und lächerlich das Angebot von acht Euro pro Quadratmeter ist.

Ingo Schulz, Zehlendorf

Endlich hat sich die Stadt Potsdam dazu durchgerungen, Enteignungsverfahren einzuleiten, um Bürgern den Zugang und den Rundgang um die Seen zu ermöglichen. Ich selbst bin auch Eigentümer von Haus und Land, habe aber dennoch keinerlei Verständnis für das Verhalten der Grundstückseigentümer entlang der Seen, Zugänge zu diesen zu sperren. Eigentum ist geschützt, aber sein Gebrauch soll auch dem Wohle der Allgemeinheit dienen (Art. 14 GG). Diese Verpflichtung auf das Allgemeinwohl wurde eklatant durch die Sperrungen der Uferwege verletzt. Deshalb ist der Schritt, die Enteignungen einzuleiten, richtig und war bereits überfällig. Die Uferwege müssen frei bleiben.

Josef Morgen, per E-Mail

Manchmal fragt man sich, wer wem 1990 beigetreten ist. Eigentum verpflichtet nicht nur, sondern wird bestraft, durch immer neue Auflagen, höhere Steuern, schikanöse Administration und im Extremfall durch Enteignung. Es stellt sich so für den Durchschnittsmenschen die Frage, ob es überhaupt noch lohnt, sich selbst etwas zu erarbeiten. Eigentumsrecht ist, was dem "Mehrheitswillen" dient, wer immer den auch gerade definiert. Wesentliche Grundlagen und Sicherheiten eines prosperierenden Gemeinwesens werden so Opfer allgemeiner Beliebigkeit.

Klaus Jänicke, Steglitz

Es schlägt dem Fass den Boden aus! Da wird von der Stadtverordnetenversammlung in Potsdam die Enteignung von Grundstückseigentümern beschlossen? In welcher Zeit leben die Damen und Herren Stadtverordneten? Sollten sie nunmehr 21 Jahre einer demokratischen Staatsform verschlafen haben? Dieser Verdacht drängt sich auf, wie man beim Umgang mit den Anwohnern am Flughafen Schönefeld schon miterleben durfte. Ich kann nur laut ausrufen: Anwohner, wehrt euch mit allen Mitteln!

Oliver Kühn, per E-Mail

Debatte schadet dem Amt des Polizeipräsidenten

Zum Artikel "Polizeichef Udo Hansen wehrt sich gegen Vorwürfe" vom 7. November

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Udo Hansen in Wahrnehmung seines Beratervertrages neben seinen Beratereinnahmen nicht noch zusätzlich ohne Verrechnung die vollen Versorgungsbezüge bezog. Die vielmehr noch offene Frage ist, warum nicht nach zwei Jahren erneut eine gesundheitliche Prüfung auf Wiedereinstellung erfolgt ist. Oder war der gesundheitliche Zustand 2008 so eindeutig negativ, dass das amtsärztliche Urteil eine erneute Prüfung nach zwei Jahren ausschloss? Dann allerdings ist die Frage berechtigt, ob der Zustand eine derart verantwortliche Tätigkeit in Saudi-Arabien rechtfertigt. Die mir aus eigener Erfahrung nicht unbekannten klimatischen Verhältnisse in diesen Regionen erfordern schon ein hohes Maß an körperlicher Anpassungsfähigkeit und Gesundheit. Die wohl von seinem Förderer Herrn Körting zu unkritisch geprüfte Eignung und die von den Medien wohl auch nicht immer sachlich geführten Recherchen sind der fairen Behandlung von Udo Hansen nicht gerecht gewesen, was dem Amt bisher schon mehr geschadet hat. Ich würde ihm raten zu prüfen, ob er die Bewerbung für dieses Amt tatsächlich noch aufrechterhalten will.

Harry Döring, per E-Mail

Wer soll die Kinder in den Kitas betreuen?

Zum Artikel "Berlin: Neue Kita-Plätze für 12 000 Kinder" vom 6. November

Wo sollen all die Erzieher herkommen? Die Berufsaussichten und erst recht das Gehalt sind nicht unbedingt ein Anreiz. Wer sich als Erzieherin in Berlin stark qualifiziert, ist hinterher manchmal nur zur Aufsichts-Betreuer-Tätigkeit verdammt. Das sind die Realitäten, und man kann es keiner angehenden Erzieherin verdenken, wenn sie sich umorientiert oder weiter im Studium qualifiziert.

Harry Hopp, per E-Mail