Leserbriefe

"Es wird Bürgerproteste geben"

Es ist beschämend mit ansehen zu müssen, wie eine politische Persönlichkeit demontiert wird. Der griechische Regierungschef Papandreou hatte ein Referendum für sein Land vorgeschlagen und damit eigentlich mehr Demokratieverständnis bewiesen als so manche andere europäische Regierung. Doch nun hat die EU mit ihrer diktatorischen Struktur - allen voran Frau Merkel und Herr Sarkozy - das griechische Parlament in die Enge getrieben. Die Geheimdiplomatie hatte in den vergangenen Tagen bestimmt Hochkonjunktur. Die repräsentative Demokratie hat dadurch eine empfindliche Schlappe erlitten, von der man sich nicht nur in Griechenland so leicht nicht erholen wird. Massive Bürgerproteste sind so programmiert. Der einst so hoffnungsvolle Gedanke von der europäischen Einigung hat großen Schaden erlitten.

Thomas Henschke, per E-Mail

Die Ankündigung, die Wahlbürger in Griechenland abstimmen zu lassen, löste bei der politischen Klasse des Euro-Raums einen Schock aus. Das ist bezeichnend.

Frank Nowak, per E-Mail

Warum hat man so großzügig Kredite an ein Land vergeben, welches schon seit Jahren finanziell am Tropf hängt? Die Griechen wurden, was die Kreditwürdigkeit betrifft, so behandelt wie Frankreich und Deutschland, ohne überhaupt die ökonomischen Voraussetzungen dafür zu haben.

Christian Lukner, per E-Mail

Ich finde es empörend und beschämend, welche Panikmache auf einmal herrscht, wenn in einem demokratischen Land eine Bürgerabstimmung über das Landesschicksal entscheiden soll. Die Reaktionen in Deutschland, insbesondere die heuchlerischen bei der CDU/CSU, SPD und FDP zeigen, was für ein Demokratieverständnis diese politischen Kräfte haben. Die panische Angst vor Bürgerabstimmungen über die grundsätzlichen Fragen der Zukunft eines Landes wirft ein bezeichnendes Licht auf die politische Elite in Deutschland.

Michael Rettenmaier, per E-Mail

Erstaunlich: Allein die Ankündigung eines demokratischen Referendums in Griechenland löste Ängste, Ratlosigkeit und Schock bei Merkel und Sarkozy, nicht aber bei Deutsche-Bank-Chef Ackermann aus.

Arne Matuk, Gropiusstadt

Ob Papandreou mit seiner Einschätzung richtig liegt, das griechische Volk wolle um jeden Preis den Verbleib in der EU-Währungsunion, muss mehr als bezweifelt werden. Über eine mögliche Staatspleite Griechenlands darf nun auch laut nachgedacht werden, wofür Wirtschaftsminister Rösler noch am 12. September von Bundeskanzlerin Merkel öffentlich getadelt wurde.

Roland Klose, per E-Mail

Den Vorstoß von Papandreou finde ich mutig und nachahmenswert. Es sollten alle Euro-Europäer über den Rettungsschirm abstimmen.

Torsten Hübler, Schöneberg

Es zeigt sich, dass die dem griechischen Staat auferlegten Sparmaßnahmen nicht nur vielen Griechen nicht passen, sondern auch die griechische Wirtschaft zu strangulieren drohen. Zudem, und das wird meist übersehen, bringt die Rettungsschirmpolitik nur Scheinlösungen. Sie verschiebt den Crash nur auf später.

Hans Oette, per E-Mail

Das Taktieren unserer Politiker mit den irrsinnigen Rettungsschirmen muss ein Ende haben, bevor alle europäischen Länder bankrott sind. Griechenland kann nur gerettet werden, wenn es sofort den bereits bestehenden Staatsbankrott anerkennt und aus dem Euro-Raum austritt. Die wild spekulierenden Banken hätten dann zu Recht ihr Geld schlecht angelegtes Geld verloren und Griechenland könnte einen Neubeginn ohne Schulden starten.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Die Nerven liegen blank - auf beiden Seiten.

Zum Artikel: "Neue Steuerkarte verursacht Chaos in Berliner Finanzämtern" vom 2. November

Chaos ist das richtige Wort, um die Situation in den Berliner Finanzämtern zu beschreiben. Der Finanzsenator lässt die Finanzämter seit Jahren personell ausbluten. Derzeit fehlen mehr als 700 Stellen. Wenn Senator Nußbaum jetzt anordnet, dass sich 70 Beschäftigte ausschließlich um die Anfragen zu den elektronischen Steuerkarten kümmern sollen, heißt das nichts anderes, als dass andere Arbeit liegen bleiben muss. Auch in den Infozentralen gibt es inzwischen einen Andrang wie in den Bürgerämtern, auf den Festsetzungsplätzen kommen unzählige Anfragen an. Die Nerven liegen blank - auf beiden Seiten.

Jörg Bewersdorf, per E-Mail