Leserbriefe

"Angst machende Dimension"

Rechenfehler können vorkommen. Auch kann man sich beim Eintippen von Zahlen in den Computer vertun. Das ist menschlich. Angst macht mir jedoch die Dimension, denn die wirft die Frage auf, ob alle diejenigen, die unter ein solches Werk ihre Unterschrift setzen, überhaupt wissen, was sie da tut. Denn, Rechenfehler hin, Rechenfehler her: hier befinden wir uns im Bereich der Plausibilität der Zahlen. Demjenigen, der seinen Laden kennt, muss eine derartige Abweichung auffallen, es geht um viele Milliarden. Und dann soll das alles keine Auswirkungen auf den Haushalt oder das Schuldenmanagement des Bundes haben, weil sich das innerhalb eines Sonderhaushaltes abspielt, der sich selbst finanziert? Na prima, das scheint die Lösung für alle Rettungsschirmaktionen zu sein. Warum regen wir uns eigentlich noch auf? In dem ganzen Komplex wird deutlich, dass wir an die Grenzen der politischen Verantwortbarkeit, an die Überforderung der Parlamente gestoßen sind.

Fritz Matern, Birkenwerder

Bei so eklatanten Rechenfehlern von knapp 56 Milliarden Euro muss man sich schon fragen, ob diese Rechenkünstler bei der Hypo Real Estate noch mit dem Abakus arbeiten. Da wundert es nicht, dass diese Bank extrem massiv mit Steuergeld unterstützt werden musste, um nicht pleitezugehen. So etwas katapultiert mein Vertrauen in die Kompetenz manches Bankmanagements in das tiefste Untergeschoss.

Hans-Georg Reiss, per E-Mail

Am 15. September 2008 überwies die Staatsbank KfW 350 Millionen Euro an die bankrotte US-Investmentbank Lehman Brothers und erhielt dafür prompt die Auszeichnung "Deutschlands dümmste Bank". Wer glaubt, dies wäre nicht mehr zu toppen, der irrt gewaltig. Jetzt hat doch die Bad Bank der verstaatlichten HRE 55,5 Milliarden Euro aufgespürt, die angeblich durch einen stümperhaften Saldo-Bilanzierungsfehler eines Buchhalters falsch verbucht worden sein sollen. Dabei weiß doch bereits jeder kaufmännische Azubi im ersten Lehrjahr, dass in der Buchführung ein Saldo aus der Differenz zwischen der Soll- und Habenseite eines Kontos gebildet wird. Traue nie einer Bad Bank, die aus lauter Bad Bankern besteht, können wir dazu nur sagen. Wer wird da noch unserer Bundesregierung ernsthaft zutrauen, den Finanzdschungel zu lichten, die Banken in die Schranken zu weisen und somit die Krise erfolgreich zu bewältigen?

Roland Klose, per E-Mail

Unnötige Beeinflussung der Zuschauer durch den Moderator

Zum Artikel: "Die Deutschen lieben Quiz-Sendungen" vom 29. Oktober

Da sitzt man mehrere Tage bei der ARD stundenlang vor dem Fernseher, um den klügsten Deutschen 2011 kennenzulernen, und muss dann zum Schluss erleben, dass man einer Mogelpackung aufgesessen ist. Denn die beiden Kandidaten, Versicherungskaufmann Manfred Buscher und Student Sebastian Runde, die es geschafft haben, in die Endrunde zu kommen, durften den Titel "Klügster Deutscher 2011" nicht ausspielen. Stattdessen mussten die Zuschauer zu Hause per Telefonvoting entscheiden, wer der Klügste ist. Und die trafen natürlich prompt die falsche Entscheidung, weil sie nämlich nicht den klügsten, sondern den sympathischeren Teilnehmer kürten. Manipuliert wurden sie außerdem noch von Moderator von Hirschhausen, der mal so beiläufig darauf hinwies, wie profund doch das Wissen des 23-jährigen Studenten sei. Der interessanteste und spannendste Ablauf wurde uns also einfach weggenommen. Ging es eventuell nur um die Einnahme der Telefongebühren? Ansonsten ist es geradezu absurd, dass ein Wettkampf nicht zu Ende geführt wird. Mir tut Herr Buscher leid. Er wäre mit großer Wahrscheinlichkeit der klügste Deutsche 2011 geworden.

Eberhard Simon, Lichterfelde

Spielhallen braucht wirklich kein Mensch

Zum Artikel: "Casinos spielen volles Risiko" vom 31. Oktober

Die Macht der Raffkes, die unsere Wohngebietsstraßen verschandeln, muss beschränkt werden. Spielhallen braucht wirklich kein Mensch, da ohnehin jeder Kneipier die zwei zugelassenen Geldspielgeräte irgendwo zwischen Tresen und Klo aufhängt. Und welchen Wert haben denn Jobs in einem Spielbetrieb? Dafür ist keinerlei Ausbildung erforderlich, ständig drohen Überfälle, und die Bezahlung wird nicht in der Nähe vom angedachten Mindestlohn sein. Die Spielcasinobetreiber sollten den Ball flach halten. Mit einem Bundesgesetz könnte man auch, da gesunder Menschenverstand vermutlich nicht weiterführt, die Spielbetriebe ganz abschaffen. Die Gewerbefreiheit garantiert ja auch nicht Zuhältern die Ausübung ihres Berufs.

Ralf Drescher, per E-Mail