Leserbriefe

"Verharmlost, vertuscht, vernebelt"

Es ist schon erschreckend, wie naiv ein Regierender Bürgermeister an die Probleme der Integration herangehen kann, die ja nicht geringer werden. Es wird verharmlost, vertuscht und vernebelt, was das Zeug hält. Um die echten Integrationsverweigerer zu schonen, werden alle Gruppen in einen Topf geworfen. Dabei führt kein Weg daran vorbei, dass es nun mal große Teile der türkischen und arabischen Einwanderer sind, die sich abschotten, sich in ihre Religion zurückziehen, in der Schule zurückbleiben und dann auch am Arbeitsmarkt wenig Chancen haben. Von der überproportionalen Kriminalität ganz zu schweigen. Dieser selbst verschuldete Teufelskreis wird dann der deutschen Gesellschaft vorgeworfen. Niemand wird in Deutschland daran gehindert, sich friedlich in diese Gesellschaft zu integrieren und ein Teil davon zu werden. Aber ohne eigenes Engagement wird dies nicht möglich sein. Es ist das Verdienst Sarrazins, auf diese Probleme und Wahrheiten hingewiesen zu haben.

Peter Reimann, Prenzlauer Berg

Eine in der Breite schiefgegangene Integrationspolitik wird auch nicht besser, wenn man sie schönredet und schönschreibt. Dass Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowky nicht in der Integrationsarbeitsgruppe ist, ist nur zu verständlich. Stört er doch durch seinen Realitätsbezug das Wunschdenken und die Schönfärberei der anderen erheblich.

Robert Nickel, per E-Mail

Die von Thilo Sarrazin dargelegte Differenzierung zwischen einzelnen Zuwanderern beziehungsweise Zuwanderergruppen ist doch letztlich im Sinne der betreffenden Integrationswilligen, im Interesse derer, die einen Gewinn für unsere Gesellschaft bedeuten. Wir brauchen wahrlich nicht diejenigen, die uns nur ausnutzen. Mit entsprechenden Maßnahmen würde dann auch denjenigen der Boden entzogen, die pauschal die Zuwanderer verurteilen und ablehnen. Eine Tabuisierung, Relativierung und Beschönigung dieser Probleme - wie etwa durch Klaus Wowereit - ist nicht nur gefährlich-naiv, sondern auch kontraproduktiv.

Uwe Marquardt, Mitte

Sinnvoll die U 11 an einer Station der U 5 abzweigen lassen

Zum Artikel: "FDP setzt sich für einen U-Bahn-Weiterbau ein" vom 24. Oktober

Die FDP möchte die U-Bahn-Planung der fiktiven Linie U 11 aktivieren. Diese Strecke war bereits von der DDR-Regierung vorgesehen, von Marzahn über die Landsberger Allee, am Alexanderplatz vorbei in die nördliche Ost-Berliner Innenstadt. Heute denkt man an eine Verlängerung bis Hauptbahnhof, was sinnvoll erscheint. In Anbetracht der extrem hohen Kosten für die neue, im Bau befindliche Innenstadt-U-Bahn U 5 zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof schlage ich vor, die neue U 11 an einer Station der U 5 unter der Frankfurter Allee abzweigen und erst dann in die Landsberger Allee Richtung Marzahn einschwenken zu lassen. So würde der besonders teure U 5-Innenstadtabschnitt optimal ausgelastet werden, alle U 11-Fahrgäste könnten den Hauptbahnhof und den Alexanderplatz als Zentrum der City Ost und Umsteigepunkt ersten Ranges und auch zur S- und Regionalbahn direkt erreichen. Die bestehende Altplanung sieht keine Führung der U 11 über den Alexanderplatz vor. Erst wenn der gemeinsam von U 5 und U 11 befahrene Innenstadtabschnitt vollständig ausgelastet wäre, könnte für die U 11 ab dem gemeinsamen Umsteigebahnhof unter der Frankfurter Allee eine eigenständige Innenstadtstrecke gebaut werden - in die nördliche, aber viel besser noch in die südliche Berliner Innenstadt Richtung Leipziger Straße.

Björn-Thorsten Geertz, Hamburg

Vorhandene Mittel für den Aufbau Ost wurden schlecht genutzt

Zum Artikel: "Pendler nach Potsdam? Bitte umsteigen!" vom 26. Oktober

Es war lange bekannt, dass die 1912 errichteten Brücken erneuert werden müssen. Nach der Wende wiesen Eisenbahningenieure Ministerpräsident Stolpe und seine Landesregierung auf diese Mängel hin und verlangten den Ausbau der Stammbahn von Potsdam nach Berlin mit den Bahnhöfen Griebnitzsee, Drei Linden, Kleinmachnow, Zehlendorf, Steglitz und Hauptbahnhof. Am Potsdamer Platz wurde zwar Raum für die Anbindung dieser Strecke eingerichtet - aber nie gebaut. Dabei waren schon 75 Prozent der Baukosten erbracht, nämlich Grund und Boden und der Bahndamm. Es fehlen Gleise, Bahnsteige und Brücken. Ebenso fehlt jetzt das zweite Gleis für die S-Bahn von Wannsee nach Potsdam. Auch hier sind Bahndamm und Grunderwerb vorhanden, also 75 Prozent der Baukosten erbracht. Gebaut werden müssen eine Teltowkanal-Brücke und das Gleis. Stattdessen wurde das Aufbau-Ost-Geld für Prestigeprojekte wie Zeppelinhallen, Lausitzring und Chipfabriken vergeudet.

Hans-Friedrich Bergmann, Potsdam