Leserbriefe

"Mehr Rücksichtnahme nötig"

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) formuliert es freundlich, die Autofahrer seien risikobereiter geworden. Ich würde es als rücksichtsloser mit leider steigender Tendenz bezeichnen. Eine tägliche Erfahrung: Wer in Berlin mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit unterwegs ist, gilt als Verkehrshindernis. Bei immer mehr älteren Menschen, aber auch zum Schutz unserer Kinder in dieser Stadt erwarte ich von der Landespolitik eine Ausweitung geschwindigkeitsbegrenzender Maßnahmen und wirksamer Kontrollen, denn nur sie greifen direkt in das Fehlverhalten der Autofahrer ein. Auch die massenhafte Verbreitung von Geländelimousinen (sogenannte SUV), die nachweislich bei Unfällen mit schwächeren Verkehrsteilnehmern zu mehr lebensgefährlichen und tödlichen Verletzungen führen, sollte in der Bundespolitik - nicht nur unter Umweltgesichtspunkten - endlich Thema werden. Früher hätte man die Betriebserlaubnis und damit die Straßenzulassung für derartige Fahrzeuge versagt. Aber heute? Da gehen offenbar die Interessen der Autoindustrie vor die körperliche Unversehrtheit der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer.

Bernd Höfer, per E-Mail

Nun fordern also die Experten auf noch mehr Straßen Tempo 30. Ich habe seit 35 Jahren meinen Führerschein, sowohl für das Auto als auch für Motorräder, darüber hinaus bin ich Fußgänger und Fahrradfahrer. Erstaunlicherweise lebe ich immer noch. Das liegt wohl sicherlich nicht am Tempo 30, sondern an meinem eigenen Verhalten. Auf unseren Straßen herrscht doch jetzt schon Krieg, Fußgänger rennen, ohne zu gucken, kreuz und quer über die Straße, Fahrradfahrer machen, was sie wollen, und der Rest fährt auch, wie er will. Bestes Beispiel ist die A 113 ab Britzer Tunnel Richtung Schönefeld. Dort wird gerast, was das Zeug hält, weil jeder seine Aggressionen loswerden möchte, die sich vorher im ständigen Stop and go aufgebaut haben. Nicht Tempo 30 ist die Lösung, sondern gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer.

Rosemarie Mathiske, Altglienicke

Jörg Becker, Leiter der Abteilung Verkehr beim ADAC, meint, zur Vermeidung von Unfallschwerpunkten an Straßenbahnübergängen oder Kreuzungen wären auch deutlich gekennzeichnete Fußgängerüberwege denkbar. Es gibt Tausende von Fußgängerüberwegen in Berlin ohne Ampelanlage, viele mit einer Mittelinsel bestückt, und alle sind gut sichtbar. Immer wenn ich halte, um einem Fußgänger an diesen Stellen ein Überqueren der Straße zu ermöglichen, werde ich durch Hupen und gewisse Handzeichen aufgefordert weiterzufahren.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Der beste Schutz für Radfahrer sind mehr Polizisten, welche die Radchaoten einfangen und zur Schulung schicken, bis sie die Regeln für die Teilnahme am Straßenverkehr verinnerlicht haben. In den genannten Bezirken mit den meisten Unfällen ist auch die größte Dichte der Radrowdys. Von denen hat kaum einer von Vorsicht, Rücksicht und Miteinander gehört. Hinzu kommen die Fußgänger, die, gedankenverloren und ohne zu schauen, bei jeder Ampelfarbe die Fahrbahn überqueren. Ganz zu schweigen von denen, die einfach so die Straße überqueren.

Wolfgang Walleit, per E-Mail

Mit sinkenden Preisen für den Winterdienst ist kaum zu rechnen

Zum Artikel: "Der Kampf gegen den Schnee wird teuer" vom 26. Oktober

Mit Interesse verfolge ich die nun wieder beginnende Diskussion über den Winterdienst in Berlin. Ich bin bestimmt kein Freund der Politik des Senats der vergangenen Jahre. Den höheren Preis für die kommende Saison nur an der gesetzlichen Regelung festzumachen ist definitiv nicht richtig. Die Winter haben sich in den vergangenen zwei Jahren in Berliner Raum erheblich verändert. Wurden uns vor fünf Jahren noch italienische Verhältnisse vorhergesagt, spricht davon keiner mehr. Die Einsatzzahlen haben sich in den beiden vergangenen Jahren auch ohne Gesetzesänderung nahezu verdoppelt, viele Firmen mit Dumpingangeboten sind zum Glück vom Markt verschwunden. Es wäre ein falsches Zeichen an die Hausbesitzer zu sagen, dass die Preise wieder zurückgenommen werden, wenn das Winterdienstgesetz geändert wird. Ich glaube nicht, dass sich der Preis ändert, wenn die Winter so bleiben wie in den beiden vergangenen Jahren.

Mario Wodara, per E-Mail

Wie überall, erst das Geschrei, dass nicht gestreut wird. Jetzt kommt die Rechnung, die wegen der verschärften Auflagen gepfeffert ist. Für die Energie kommt die Rechnung noch. Auch in diesem Bereich hat es umfängliche Gesetzesänderungen gegeben, die sich aber erst später kostenmäßig auswirken werden.

Christiane Blunk, per E-Mail