Leserbriefe

"Kein Ruhmesblatt für die Nato"

Gaddafis ungeklärter Tod kommt einigen europäischen Politikern wohl gerade recht. Ein toter Diktator kann vor dem Kriegsverbrechertribunal nicht mehr aussagen: nichts über die geradezu freundschaftlichen Beziehungen zu Berlusconi und Sarkozy, nichts über die Zusammenarbeit Libyens mit europäischen und amerikanischen Geheimdiensten, nichts über Waffen- und Geldlieferungen nach Libyen für Erdöl und das Abfangen afrikanischer Flüchtlinge. So unklar ist der Tod des Muammar al-Gaddafi wohl nicht, oder?

Oliver Laudahn, per E-Mail

Die libysche Freiheitsbewegung hat lange gebraucht, Gaddafi zu töten. Doch sie hätte es wohl ohne fremde Hilfe der Nato kaum erreicht. Obwohl die Medien den Sieg und damit den Beginn der Freiheit und Gerechtigkeit in Libyen schon zu Beginn unumkehrbar nannten, dauerte Gaddafis Ende noch Monate mit Tausenden von Toten, Verwundeten und der Zerstörung von Städten. Es wird lange dauern, bis die Menschen wieder ein verträgliches Leben führen werden, ob es friedlich und frei von dem Zwang der dann Herrschenden sein wird, ist ungewiss. Dieser hauptsächlich militärisch erreichte Sieg ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Nato. Sie flog mit modernstem Fluggerät seit Monaten 26 089 Lufteinsätze, davon 9618 Angriffe auf Ziele am Boden ohne die geringste Gegenwehr. Es kam einem Scheibenschießen auf dem Übungsplatz gleich - wahrlich kein rühmlicher militärischer Einsatz. Ich begrüße es, dass sich Deutschland trotz aller Kritik an dieser Art des Krieges nicht beteiligt hat. Gaddafis Ende ist unrühmlich, so wie sein Herrschen nicht frei von Schuld war. Er hat allerdings das ähnliche Schicksal erleiden müssen, wie viele andere, die auch von denen verlassen wurden, die sich vorher Freunde nannten und wirtschaftlich nützliche Partner waren.

Harry Döring, per E-Mail

Linke entfernt sich immer mehr vom demokratischen System

Zum Artikel: "Linkspartei: Künftig Kokain vom Apotheker", 23. Oktober

Wer die Verstaatlichung von Banken und Großbetrieben fordert, stellt sich gegen unsere freiheitliche, auf privatem Eigentum basierende Demokratie. Wie eine staatliche Wirtschaft nicht funktioniert, haben wir Ostdeutschen noch gut in Erinnerung. Als die Genossen von Lötzsch und Gysi an der Macht waren, gab es nicht einmal profane Dinge wie ein Auto frei zu kaufen. Einen solchen Staat, der der untergegangenen DDR sehr ähnlich sehen würde, wollen wir nicht. Ein Verbot dieser Partei gehört auf die Tagesordnung.

Ralf Drescher, per E-Mail

Die Linke katapultiert sich immer mehr selbst ins Aus. Erst loben sie den Mauerbau und das dahinterstehende diktatorische System, nun fordern sie selbst harte Drogen zu legalisieren. Das sie sich mit solchen Äußerungen und Beschlüssen immer mehr vom demokratischen System entfernen, scheinen sie nicht zu merken. Weiter so, dann wird auch diese Partei immer mehr an Bedeutung und Einfluss verlieren, was ja nicht wirklich ein Verlust für Deutschland wäre.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Stärkere Regulierung ist dringend geboten

Zum Artikel: "Facebook will sich mehr um Berlin kümmern" vom 25. Oktober

Das Kreuzverhör für die Vertreter der Sozialen Netzwerke verdient seine Berechtigung. Denn auch wenn es glaubhaft klingt, dass Facebook keine Profile über seine Nutzer anlegt, da es ja letztere bereits von selbst tun, bedarf es einer strengeren gesetzlichen Regulierung. Auch das Beispiel von Google Analytics hat deutlich gezeigt, dass die Firmen in der Regel nur das Nötigste tun und weniger von selbst auf die Idee kommen, dem Datenschutz einen angemessenen Stellenwert zu schenken. Eine offene Gesellschaft muss sich vorab mit möglichen Folgen von neuen Leitmedien wie dem Internet befassen. Zumal die alles entscheidende Frage, ob der Siegeszug der digitalen Medien am Ende zu mehr oder weniger Freiheit der Menschen führt, noch nicht beantwortet wurde.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Verletzung des Zölibats hat jahrhundertelange Tradition

Zum Artikel "Borgia verliert Zuschauer, aber bleibt immer noch vorn" vom 23. Oktober

Seit 1139 gibt es den Pflichtzölibat für Priester. Trotzdem hielt sich Papst Alexander VI. alias Rodrigo Borgia Zeit seines Lebens nicht daran. Zwischen den politischen und theologischen Tagesgeschäften gönnt er sich auch immer wieder gerne einen Beischlaf mit seiner letzten großen Liebe, Giulia Farnese. Das ist durchaus kein Phänomen der Renaissance. Heutzutage haben manche Priester im Verborgenen Sex mit Frauen oder Männern. Der Pflichtzölibat steht teilweise nur noch auf dem Papier.

Roland Klose, per E-Mail