Leserbriefe

"Angst vor der EU-Schuldenkrise"

Da hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble doch wieder etwas Verblüffendes aus seinem EFSF-Rettungshut gezaubert: die Hebelwirkung. Aus 440 Milliarden Euro will er einen EFSF-Rettungsschirm für klamme Euro-Staaten von bis zu zwei Billionen Euro hebeln, indem er künftig Spekulanten mit wackeligen Staatsanleihen bei einem Schuldenschnitt oder einer Staatspleite eines Euro-Landes eine Garantie aus dem Rettungsschirm von 10 bis 30 Prozent der investierten Summe gewähren will. Damit wären Griechenlands Staatsanleihen bei einem drohenden Schuldenschnitt von bis zu 60 Prozent nicht mehr attraktiv genug für Anleger. Außerdem wäre der EFSF-Hebel in diesem Fall nichts anderes als die Subventionierung von Spekulation auf Staatsanleihen, obwohl doch eigentlich die Spekulation im Bankenwesen als Mittel zur Krisenbewältigung eingedämmt werden müsste. Die Hebelverluste wird der Steuerzahler übernehmen, die Spekulanten hätten dagegen ein wesentlich geringeres Risiko zu tragen. Beim Scheitern des EFSF-Hebels droht Inflation und Währungsreform, Schäuble schlimmstenfalls die Degradierung zum Zauberlehrling.

Roland Klose, per E-Mail

Für diese wilden Streiks und Feuerbrände habe ich kein Verständnis. Das bringt Griechenland nicht über den Berg. Auch so kann man sein eigenes Haus ruinieren.

Wilfried Frehse, per E-Mail

Jeder Tag eines Generalstreiks bringt die griechische Wirtschaft näher an den Abgrund. Was erwartet die Bevölkerung eigentlich für die Zukunft? Dass der Rest der EU ihr Lotterleben finanziert? Das Land ist pleite. Daran haben die Griechen einen maßgeblichen Anteil. Es gibt einen aufgeblähten Beamtenapparat mit hohen Bezügen, ein niedriges Renteneintrittsalter mit hohen Pensionszahlungen und eine korrupte Verwaltung. Dagegen steht ein kümmerliches Wirtschaftspflänzchen, das es auch in der Zukunft nicht schaffen wird, die Staatsschulden und die von den Streikenden erwarteten "Geschenke" zu bezahlen. Auch die EU, insbesondere Deutschland und Frankreich, sollte verstärkt ein Augenmerk auf die Zustände in Griechenland werfen. Denn wenn die Bevölkerung nicht mitziehen will, wird sich dort nichts ändern. Ich jedenfalls habe keine Lust, deren Lotterleben mit meinen Steuern zu bezahlen. Das Land sollte die Währungsunion verlassen und die Drachme wieder einführen. Das dürfte für Europa die beste Lösung sein.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Wundern sollte man sich über den Generalstreik der Griechen nicht. Da wird bekannt, dass reiche Griechen offenbar 200 Milliarden Euro in die Schweiz verbracht haben, um Steuern zu hinterziehen, aber gleichzeitig soll der einfache Bürger für die verfehlte Finanz- und Geldpolitik der griechischen Regierung zur Kasse gebeten werden. Gespannt darf man sein, wie viele Milliarden Euro aus anderen Pleiteländern wie Italien in der Schweiz lagern. Es wird Zeit, dass korrupte Politiker überall endlich zum Teufel gejagt werden.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Eine gemeinsame Währung ist immer und so lange gefährdet, wie in den einzelnen Ländern keine weitgehend gleichen Wirtschaftsbedingungen herrschen. Wir können diese Bedingungen weder erzwingen noch zukünftig erwarten. Denn die Verhältnisse werden geprägt von der in Jahrtausenden gewachsenen Kultur der Nationen.

Fritz Matern, per E-Mail

Die Euro-Schuldenkrise und der sogenannte Rettungsschirm - nicht nur für Griechenland - dokumentieren auch das Führungsversagen und den Kontrollverlust der deutschen CDU-FDP-Bundesregierung. Schuldenschnitt und Schuldenerlass für defizitäre EU-Volkswirtschaften sind der Anfang vom Ende des Euro als Währung in Europa. Immer mehr Menschen haben Angst vor der EU-Schuldenkrise. Wo bleibt der Rettungsschirm für Kinder- und Altersarmut sowie für die Millionen Langzeitarbeitslosen in Deutschland? Die Armut zwischen Rostock und München steigt ständig, schon heute nutzen 1,3 Millionen Menschen in Deutschland die Armenküchen.

Albert Alten, per E-Mail

Der Fehler liegt nicht nur bei den Griechen, sondern auch bei den Kreditgebern, die allzu sorglos und großzügig gehandelt haben. Griechenland wurde offensichtlich in Geldangelegenheiten genauso behandelt wie Frankreich und Deutschland, obwohl es eine wesentlich schwächere Ökonomie hatte. Es wurden also auch Fehler bei den Banken und der EU gemacht. Es ist unsolidarisch, die volle Schuld auf Griechenland abzuschieben. Man kann sich nur wundern, wie sorglos die Politik mit dem Geld der Steuerzahler umgeht. Selbstverständlich müssen die Griechen die Schulden zurückbezahlen. Wenn die Griechen endlich zu sparen anfangen würden, könnten sie es schaffen. Das gilt für alle Euro-Staaten, denn sie sind alle mehr oder weniger verschuldet.

Chris Renkul, per E-Mail