Leserbriefe

"Wirtschaftliche Interessen zählen"

Obwohl ich am anderen Ende von Berlin wohne und bisher nur wenig vom Flugverkehr in Tegel belästigt werde, kann ich doch die Wut und Enttäuschung der Kläger nachempfinden. Das Gerichtsurteil ist eine Zumutung für alle Menschen, die in der Nähe eines solchen Flughafens wohnen. Hier zeigt sich deutlich, wie wenig Bürgerinteressen berücksichtigt werden, weil gesundheitliche Schäden der Anwohner billigend in Kauf genommen werden. Nur die wirtschaftlichen Interessen zählen. Und Klaus Wowereit, der nun in einer großen Koalition so richtig durchregieren kann, interessieren die Probleme seiner Bürger nun überhaupt nicht mehr. Mich würde interessieren, warum die Erreichbarkeit der Hauptstadt gefährdet wäre, wenn es ein Nachtflugverbot zwischen 23 und 6 Uhr geben würde?

Thomas Henschke, Waidmannslust

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Sachen Nachtflugregelung am künftigen Flughafen BER ist zunächst ein positives Signal für den Luftverkehrsstandort. Alle Politiker sind daher aufgerufen, dem Bundesverwaltungsgericht Respekt entgegenzubringen und das Urteil zu akzeptieren und sich nicht etwa mit dem Bürgerverein Berlin-Brandenburg zu solidarisieren.

Holger Voss, Spandau

Die veröffentlichten Lesermeinungen zum Verwaltungsgerichtsentscheid empören alle von Fluglärm betroffenen Menschen. Wenn ein Leser schreibt, dass die Entscheidung aus Leipzig zum Nachtflugverbot eine Entscheidung mit Weitblick ist, kann ich nur sagen, dass jemand aus Friedenau, der niemals von Fluglärm betroffen war und auch nicht betroffen sein wird, zu diesem Thema überhaupt keine Meinung äußern dürfte. Er weiß nicht, wovon er spricht. Auch die anderen Beiträge finde ich unglaublich. Wir verreisen wenn überhaupt ein Mal pro Jahr mit dem Flugzeug, meist ab Frankfurt am Main. Wir fahren dorthin mit der Bahn. Wir brauchen keinen Flughafen direkt an der Stadt, die meisten anderen Menschen auch nicht. Wer ihn braucht, ist die Wirtschaft mit den vielen Tagesfliegern innerhalb Deutschlands und Europas. Ich möchte all diejenigen, die auf vom Fluglärm Betroffenen rumhacken, sehen, wenn sie in einer Einflugschneise leben müssten. Lärm mindert die Lebensqualität und macht krank. Mit welchem Recht werden meine Gesundheit und die meiner Kinder gefährdet? Mit welchem Recht wird mein Grundstück abgewertet? Ich habe keine Alternative, kann nicht einfach woanders hinziehen. Das geht nicht, weil man dann bankrott ist. Wir haben uns 1996 vor dem Bau unseres Hauses erkundigt, ob wir eventuell von späteren Flugrouten betroffen sind, was verneint wurde. Nun sind wir doch durch die Müggelseeroute betroffen. Es ist Hohn, wenn Wowereit dazu nur sagt, "dann haben sie eben Pech gehabt".

Birgitt Stahn, per E-Mail

Das Verwaltungsgerichtsurteil bestätigt im Nachhinein, wie richtig die Standortentscheidung gewesen ist. Eine Beschränkung wäre einer weiteren Amputation der Luftverkehrsinfrastruktur Berlins gleichgekommen, die nun mal dort installiert werden muss, wo die Nachfrage entsteht, und nicht möglichst weit weg davon. Den Interessen der Anwohner wurde ausreichend Rechnung getragen, die noch festzulegenden Lärmschutzzonen ziehen weitere zusätzliche Maßnahmen zum Schutz vor akustischen Wahrnehmungen des Luftverkehrs nach sich. Darüber hinaus reduziert sich das nicht zu leugnende Problem der Geräuschemission des Luftverkehrs seit jeher auf andere Art und Weise: Seit der Einführung strahlgetriebener Verkehrsflugzeuge hat sich deren Geräuschpegel alle 20 Jahre halbiert, künftige Generationen von Strahlantrieben offenbaren den gleichen Trend. Die neue Boeing 787 etwa, die dann von Air Berlin in BER betrieben werden wird, ist sowohl bei Start sowie bei der Landung akustisch kaum wahrnehmbar. Hierdurch profitieren die Anrainer von BER mit als Erste von der technischen Entwicklung, die keiner Gerichtsurteile oder politischer Vorgaben bedarf. Die augenblicklich emotional noch aufgeladenen Unterlegenen des Gerichtsentscheides mögen das im Augenblick ungern wahrhaben wollen, jedoch künftig ebenso von den natürlichen Entwicklungen der Technik objektiv profitieren wie alle anderen auch vom neuen Flughafen.

Andreas Spors, Steglitz

In den Leserbriefen vom 17. Oktober wird von Gemecker, Heuchelei und Demagogie der Flugroutengegner geschrieben und dass diese sich dem "Fortschritt" verweigern. Diesen ach so fortschrittlichen Mitbürgern ist es offenbar egal, ob Tausende Anwohner leiden und vielleicht krank werden, von dem erheblichen finanziellen Schaden mal ganz abgesehen. Deren Devise lautet: Hauptsache, mir geht es gut, und das möglichst auf Kosten anderer.

D. Schmidt, Mariendorf