Leserbriefe

"Menschen haben die Nase voll"

Es ist schon verwunderlich, wie sich der Wind gedreht hat. Waren bis vor Kurzem noch die Schuldenstaaten an der Misere schuld, so sind es jetzt die Banken, die nicht genügend Rücklagen gebildet haben, um Staatspleiten aufzufangen. Nun wollen also die Schuldenstaaten Deutschland inklusive der Banken zwingen, ihre Eigenkapitalquote zu erhöhen oder bei den Banken selbst das Ruder zu übernehmen und sie zwangsweise zu kapitalisieren. Mit welchem Geld denn? Mit frischem Geld aus der Notenpresse? Man stelle sich vor, die Banken würden nur noch Staatsanleihen gegen Sicherheiten kaufen und die Bürger würden dies ebenfalls so machen, dann würden die Staaten Probleme bekommen.

Robin Krusche, per E-Mail

Einerseits ist es gut, dass die Politik endlich Volkes Stimme wahrnimmt. Andererseits grenzt es an pure Heuchelei, wenn ausgerechnet diejenigen Politiker den bankkritischen Globalisierungsgegnern recht geben, die es jahrelang versäumt haben, klare Regeln für die Finanzmärkte zu schaffen und dem Zockerwildwuchs ein Ende zu bereiten. Die Schuld für die jetzige Krise liegt übrigens weniger bei den Banken als vielmehr bei den Staaten, die wegen ihrer verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Da ist das plötzliche Verständnis einiger Politiker für die Demonstranten nachvollziehbar: Es lenkt von eigenen Versäumnissen ab. Man sollte aber in der Politik auch bedenken, dass in Banken auch Tausende Menschen beschäftigt sind, deren Arbeitsplätze durch brachiale Maßnahmen nicht in Gefahr gebracht werden dürfen.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Wie lange müssen wir noch die Politik des Ausverkaufs des deutschen Staates hinnehmen? Deutschland könnte ein blühendes Land sein. Kindergärten, Universitäten, Schulen, Renten, Pensionen: alles wäre gut finanzierbar aus dem, was das deutsche Volk erwirtschaftet. Warum muss das Geld ins Ausland fließen? Wie kann Angela Merkel nur den Ausverkauf Deutschlands betreiben? Für 211 Milliarden Euro haftet ja nicht sie, sondern unsere Jugend. Diese Frau hat keinen Auftrag, unser Land zu verkaufen.

Reinhard Albrecht, per E-Mail

Nein, nicht erst die Massenproteste haben auf die Demokratiekrise hingewiesen. Diese Krise gab es schon lange. Die Proteste waren ein Schritt, der nicht mehr ausbleiben konnte. Die Menschen haben die Nase voll von bankenhörigen Politikern, die Nase voll von lobbyhörigen sogenannten Volksvertretern, die einzig daran interessiert sind, einen gut bezahlten Posten in der Industrie zu erhalten. Seit Schröder sind die Menschen hellhörig geworden. Fischer war ein zweiter Vertreter, der den Menschen das wahre Gesicht ihrer sogenannten Volksvertreter zeigte. Die Menschen wollen endlich Volksvertreter, die auch wirklich die Völker vertreten. Die Angst vor dem Volk zeigt sich letztlich in den Bemühungen, mit weltweiten Absprachen der Innenminister die Demonstrationen im Keim zu ersticken oder im Vorfeld mit Vorratsdatenspeicherung sowie Telefon- und Internetüberwachungen zu verhindern.

Harald Morun, per E-Mail

Zweifelhafte Fortschritte werden bejubelt

Zum Artikel: "Staatsbesuch mit Stützrädern" vom 17. Oktober

Bundespräsident Wulff war auf Überraschungsbesuch in Afghanistan und traf in Kabul auch mit Staatspräsident Karsai zusammen. Wulff sagte, "er habe großen Respekt vor den Leistungen der afghanischen Zivilgesellschaft". Man reibt sich da verwundert die Augen: 52 deutsche und 1700 amerikanische Soldaten wurden bislang in Afghanistan getötet. Sie sollten Frieden und Freiheit am Hindukusch sichern und dem Land demokratische Strukturen und religiöse Freiheit bringen. Sie stehen dort vor allem auch für unsere Werte. Doch ihre Mission hat genau das Gegenteil dessen bewirkt, was uns einst verkündet wurde: In Afghanistan wurde unter Aufsicht westlicher Soldaten die letzte christliche Kirche abgerissen, die letzte christliche Schule geschlossen, Juden wurden vertrieben, und Korruption darf heute nicht mehr verfolgt werden, weil sie "landestypisch" ist. Und dafür opfern wir die Leben unserer Soldaten und geben Milliarden aus. Und der Bundespräsident jubelt und freut sich über angebliche Fortschritte.

Walter Stephan, per E-Mail

Niederlage war von vornherein einkalkuliert

Zum Artikel: "Ribery schlägt Hertha" vom 16. Oktober

Klar, man kann gegen Bayern München auch mit 0:4 verlieren. Aber es kommt darauf an, wie. Ohne Laufbereitschaft, Kampf und Aggressivität wird auch gegen andere Gegner nichts zu holen sein. Babbels Bemerkungen vor dem Spiel waren auch nicht förderlich, sie suggerierten, dass die Niederlage bereits einkalkuliert ist.

Wolfgang Gerlach, per E-Mail