Leserbriefe

"Steuerzahler haften für Banken"

Nun zeigt sich, dass die Milliarden für Irland, Portugal und Griechenland lediglich dazu dienten, privatwirtschaftlich organisierten Banken Steuergelder zuzuschieben. Das Modell einer Bank ist, dass sie ein Risiko eingeht und Geld verleiht, dafür erhält sie als Risikoprämie Zinsen. Wenn sich eine Bank im Kundenrisiko irrt und ein Zahlungsausfall eintritt, ist das das Problem der Bank. Wenn Banken hohe Risiken eingehen, um hohe Zinsen kassieren zu können, ist das ihr Recht. Wenn sie aufgrund der Risiken zahlungsunfähig werden, müssen sie in Insolvenz gehen. Wenn der Staat mit Steuergeld die Insolvenz abwenden muss, da es sonst internationale oder gesamtstaatliche Verwerfungen gibt, kann dies nur über eine Verstaatlichung des entsprechenden Betriebes gehen. Erst sollten Euro-Länder gerettet werden, damit zockende Banken nicht auf wertlosen Staatsanleihen sitzenbleiben, jetzt werden eben diese Banken, die sich verspekuliert haben, gerettet. Das ist keine Wirtschafts- oder Finanzpolitik, das ist Veruntreuung in kriminellem Ausmaß.

Torsten Hübler, Schöneberg

Da wird sich der eine oder andere Bänker schon die Hände reiben. Nach der Bankenkrise 2008/2009, bei der den Banken mit einem Rettungspaket in Höhe von 500 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen wurde, haben wir jetzt die Euro-Krise, die erneut Milliarden für die Banken verspricht. Rekapitalisierung der Banken heißt nun das Zauberwort, um laut Merkel den Banken dringend benötigtes Kapital zur Verfügung zu stellen, damit sie für die wahrscheinliche Pleite Griechenlands gerüstet sind.

Stefan Mehrholz, per E-Mail

Anderswo gehen Banken pleite, wenn sie sich verspekuliert und ungute Papiere gekauft haben. Bei uns werden sie mit immer neuen Steuern für die kleinen Leute gerettet. Ich bin dagegen. Wer das Risiko eingegangen ist, muss die Folgen selbst tragen. Niemand glaubt mehr daran, dass ein Schuldenschnitt in Griechenland vermieden werden kann. Das gesamte politische Experiment Euro wird Europa ins Verderben treiben. Eine der größten Gefahren und Belastungen für Deutschland ist dabei die Europäische Zentralbank (EZB). Mit mehreren Hundert Milliarden Euro wurden Staatsanleihen von insolventen Pleitestaaten gekauft, womit die EZB indirekt zur "Bad Bank" verkommen ist und unrechtmäßig Pleitestaaten am Leben hält. Die EZB gefährdet somit die Stabilität der Währung und verstößt gegen das Grundverständnis einer solchen Institution. Banken tragen seither kein eigenes Risiko mehr, wenn sie Staatsanleihen maroder Staaten kaufen, da sie diesen Müll jederzeit bei der EZB gegen Geld eintauschen können. Französische Banken haben dies bereits in großem Umfang getan - man hat ihnen durch die verschleppte Insolvenz Griechenlands ausreichend Zeit organisiert. Man müsste besser sagen, dass sie sich die Zeit selbst organisiert haben, denn ihre Landsleute sitzen ja an der Spitze aller wichtigen Gremien (IWF, EZB). Unsere Politiker lassen sich bei alledem wie Marionetten vorführen.

Dr. Nicolai T., per E-Mail

Nicht nur die gemeinsame Währung, sondern auch die Idee von einem geeinten Europa ist doch von Anfang an zu Scheitern verurteilt gewesen. Was nützen offene Grenzen, wenn es zahlreiche Regierungen gibt, die nicht miteinander arbeiten, sondern kleinkariert an ihren nationalen Interessen festhalten. Europa hätte ganz zuerst eine starke Zentralregierung mit Kompetenzen der Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Geldpolitik schaffen müssen, ehe über eine gemeinsame Währung nachgedacht wurde. Aber die Vereinigten Staaten von Europa wollte man nicht. Das rächt sich jetzt bitter.

Oliver Laudahn, per E-Mail

Es riecht nach frischem Harz und Traurigkeit

Zum Artikel: "Trotz Anwohnerprotesten fallen die Bäume im Ottopark" vom 6. Oktober

Kahlschlag in Berlin, nicht nur im Ottopark Moabit. In Paris klappt es doch auch, dort werden Spielplätze in die alten Baumlandschaften integriert. Der Ottopark in Moabit wurde jahrzehntelang vernachlässigt. Man fragt sich, wieso überhaupt ein Stadtteil so herunterkommen kann.

Ein Baum wird in 60 Sekunden "hingerichtet". Es riecht nach frischem Harz und Traurigkeit.

180 Vogelarten hat man gezählt, die in unserer Stadt leben. Wo sollen sie in Zukunft ihre Nester bauen? Alte Bäume und Büsche liefern ihnen Brutplätze, Schutz und Nahrung. Der einstige Park hatte schattige und ruhige Plätze für die Alten, für Müßiggänger und Mütter mit ihren Kindern. Einzig er musste gepflegt werden. Nun werden bis kommenden Februar 300 000 Euro für dessen Umgestaltung "verballert". Warum nicht mit Verstand? In Zukunft wird der Park eine Durchsichtigkeit zu allen Seiten haben. Der ohnehin große Straßenlärm mit den vielen Abgasen wird nicht mehr zu ertragen und von Entspannungsmöglichkeiten nicht mehr zu reden sein.

Lucile Greco, per E-Mail