Leserbriefe

"Nicht unterbuttern lassen"

Wenn man täglich von den Ergebnissen der Koalitionsrunden liest, muss man langsam bei der CDU daran zweifeln, ob sie überhaupt gewillt ist, dringend nötige Politikveränderungen zu wollen. Immer nur mehr als gute Verhandlungsergebnisse für die SPD und Nullrunden für die CDU. Wowereit zieht die CDU-Verhandlungsführer am Nasenring durch den Ring, und diese scheinen es nicht einmal zu merken. Die CDU hat es doch in der Hand. Darum ist es nicht nachvollziehbar, dass sie bisher an keiner Stelle "Duftmarken" gesetzt hat. Die SPD benötigt die CDU und nicht umgekehrt.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Ich habe nicht den Eindruck, dass die CDU bisher "rote Kröten" geschluckt hat - mal abgesehen von der Ernennung des neuen Polizeipräsidenten. Viele Sympathisanten der CDU dürften den Neubau der Zentralbibliothek sehr begrüßen, wie andere Projekte auch. Klaus Wowereit ist in der glücklichen Lage, seine Vorstellungen mit der CDU verwirklichen zu können, und zwar gegen seinen eigenen linken Flügel, der jetzt die Kröten - wie die Verlängerung der A 100 - schlucken muss.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Die CDU täte gut daran, die Forderungen für eine Koalition mit der SPD zu erhöhen. Sonst besteht die Gefahr, dass vom Programm der CDU nichts übrig bleibt. Schon jetzt kann kaum noch klar erkannt werden, für welche Bildungspolitik die CDU steht. Oder trägt sie das schlechte Berliner Bildungssystem plötzlich mit? Und was ist mit der Integration, die in Berlin auch nur mehr schlecht als recht funktioniert? Mir scheint, dass die CDU vor lauter Gier nach Posten vieles aus ihrem Programm aufgibt. Mit dieser Haltung wird die Partei bei der nächsten Wahl zum Abgeordnetenhauswahl nur verlieren. Schade, dass es auch über den Weg einer großen Koalition nicht möglich sein wird, Verbesserungen auf einigen Politikfeldern durchzuführen.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Grundsätzlich begrüße ich eine SPD-CDU-Koalition wegen ihrer größeren Präsenz und der damit verbundenen - zumindest theoretischen - Möglichkeiten. Natürlich kann die gegenwärtig noch amtierende rot-rote Koalition rein rechtlich gesehen einen neuen Polizeipräsidenten küren. Aber stellt dies nicht einen eklatanten Vertrauensbruch gegenüber dem wahrscheinlichen künftigen Partner dar? Dass die innere Sicherheit ein zentraler Punkt des CDU-Programms ist, weiß jeder politisch Interessierte. Warum also musste die für Berlin wichtige Personalentscheidung unbedingt jetzt auf den Weg gebracht werden? Sie hätte zweifellos auch etwas später im Einvernehmen mit der CDU getroffen werden können. Auch Wowereits Schachzug, das bisher von einer breiten Mehrheit gewollte Humboldtforum als Verhandlungsmasse zugunsten einer zentralen Bibliothek auf dem Tempelhofer Feld ins Spiel zu bringen, ist absolut nicht als vertrauensbildend zu bezeichnen. Wie also wird es um den Stil und das Klima innerhalb einer künftigen Koalition bestellt sein, wenn schon im Vorfeld derartige Zumutungen Platz greifen? Die CDU muss aufpassen, sich nicht schon jetzt von der SPD unterbuttern zu lassen.

Horst Kretlow, per E-Mail

Nicht die beabsichtigte Neubesetzung des Amtes des Polizeipräsidenten mit dem Sozialdemokraten Udo Hansen überrascht, sondern vielmehr die Tatsache, mit welcher ungenierten Freimütigkeit der Anspruch auf eine bestimmte Parteizugehörigkeit bei dem Bewerber erhoben wird. Unabhängig vom hier praktizierten bedenklichen Stil der Festlegung auf Herrn Hansen vor der neuen Senatsbildung sind beide Seiten nicht frei vom Vorwurf, nur einen Mann ihrer Partei in das Präsidentenamt bringen zu wollen. Der zunächst verständliche Ärger bei der CDU über die vorzeitige Nominierung wird sich im Zuge der bisher einvernehmlich verlaufenden Interessenverhandlungen wieder legen.

H. Döring, per E-Mail

Faire Mitarbeiterbehandlung ist ein unternehmerischer Vorteil

Zum Artikel: "Ein bisschen Waldorf, ein bisschen Discounter" vom 21. Oktober

Der Erfolg der Philosophie der Drogeriekette DM ist ein ermutigendes Zeichen. Denn er zeigt, dass in einer fairen Mitarbeiterbehandlung ein unternehmerischer Vorteil liegt, da gerade im Einzelhandel motivierte Angestellte den Unterschied ausmachen. Weil nur Personen, die sich mit ihrem Job und Arbeitgeber identifizieren, nach stetigen Verbesserungen suchen und im Kontakt mit den Kunden, wo sich meist die Kundenbindung entscheidet, ein echtes Lächeln vorweisen können. Deswegen sollten die Mitbewerber ihre Strategien überdenken, die bislang viel zu oft darauf bedacht sind, den Faktor Mensch nur unter Kostengesichtspunkten zu betrachten und dementsprechend die Gehälter immer weiter zu drücken.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail