Leserbriefe

"Völlig überflüssige Reform"

Man mag sich wundern, warum so wenige Schulen aus dem misslungenen jahrgangsübergreifenden Lernen aussteigen, aber nur bis man erfährt, dass SPD-Bildungssenator Jürgen Zöllner einen Wust von Bürokratismus und Formalitäten geschaffen hat für die Schulen, die tatsächlich aussteigen wollen. Und das, obwohl diese bereits über jeden Schüler ohnehin Buch führen müssen. Wäre der Ausstieg formlos möglich, würden viel mehr Schulen aussteigen, wahrscheinlich alle.

Regina Kröning, Spandau

Da hat der reformbedürftige Senat offensichtlich ein Eigentor geschossen. Bildungssenator Zöllner wird schnell in Vergessenheit geraten, der Senat aber noch lange an dessen Reformen basteln müssen.

Andreas Großmann, per E-Mail

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dann wäre dieser damit erbracht. Die Akzeptanz dieser Reform ist gleich null, sie ist überflüssig wie ein Kropf. Es handelt sich wieder einmal um ein unausgegorenes Konzept, eine Maßnahme, die auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird, nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil der jungen Menschen. Die verantwortlichen Politiker müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Das jahrgangsübergreifende Lernen ist auch das Werk übereifriger Reformpädagogen. Man kann nur hoffen, dass sich in der Berliner Bildungspolitik bald etwas zum Besseren wendet.

Christian Lukner, per E-Mail

Persönlichkeiten mit wirtschaftspolitischem Sachverstand

Zu dem Interview: "Frau Wagenknecht, darf ein Linker Porsche fahren?" vom 20. Oktober

Sahra Wagenknecht gibt sich moderat, ohne Klassenkampfparolen und beweist auch Kenntnisse in den Wirtschaftswissenschaften. Nur die Lösungsansätze sind immer noch nicht modernisiert. Obwohl es ganz naheliegend klingt, gibt es diese lokalen Spielräume nicht mehr, wo man die diffuse Gruppe der Reichen mit mehr Gewinn-/Einkommen- und Vermögensteuern mal soeben zu der Sanierung der Staatsfinanzen heranzieht oder die Banken zur Aufteilung in Kernkompetenzen und Harakiribanking zwingen kann. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für die EU oder Gesamteuropa. Dieses Spiel wird global gespielt, das Gros der Finanzinvestoren kommt heutzutage doch wohl aus dem englischsprachigen Raum, Russland und Asien. Diese wird man mit EU-weiten Maßnahmen wohl kaum treffen. Im Gegenteil, die Verschärfung der Regeln in Europa wird eher die brutale Ressourcenausbeutung in Indien und China verstärken.

Andreas Maaß, per E-Mail

Löwenbrücke im Tiergarten ist ein einziges Trauerspiel

Zum Artikel: "55 Millionen Euro für 0,08 km/h" vom 21. Oktober

Die neue Brücke im Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg kostet jeden Einwohner des Ortsteils knapp 53 Cent. Gerade für Spaziergänger ist diese Brücke interessant. Seit wann kommt es denn bei Spaziergängern auf eine Zeitersparnis an? Eine solche Brücke bietet immer einen ganz anderen Ausblick. Man kann die Anwohner dort nur um ihre Brücke beneiden. Die Anwohner rund um den Großen Tiergarten können ein ganz anderes Lied singen. Dort verfällt seit Jahren Berlins mit 17 Metern längste Hängebrücke, die sogenannte Löwenbrücke. Ein Trauerspiel! Nachdem die Brücke gesperrt wurde, verfällt sie rasant, da sich kein Mensch mehr darum kümmert. Lediglich die Löcher in der Gitterabsperrung werden mit immer neuen rot-weißen Flatterbändern verziert.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Meinungsäußerungen zeugen von großer Unkenntnis

Zum Artikel: "Gericht stoppt Nachtfluggegner" vom 14. Oktober

Die Leserbriefe zum Verwaltungsgerichtsentscheid zeigen deutlich, wie egoistisch und dazu noch unwissend viele Leser mit diesem Thema umgehen. Die Behauptung, dass jemand aus Friedenau keine Meinung zu diesem Thema äußern dürfte, weil er niemals vom Fluglärm betroffen war, zeugt von völliger Unkenntnis der Tatsachen. Auf dem Stadtplan kann man erkennen, dass Friedenau direkt in der niedrigsten An- und Abflugzone des Tempelhofer Flughafens lag. Da kann man sich vielleicht vorstellen, was das für eine Lärmbelästigung war. Trotzdem haben wir für den Erhalt von Tempelhof gestimmt. Und was das Recht auf Meinungsäußerung betrifft, so frage ich mich, warum 2008 mehrheitlich gerade die Ostbezirke gegen die Offenhaltung von Tempelhof gestimmt haben, wo sie doch ganz und gar nicht betroffen waren? Aber damals war diesen Mitbürgern wohl eher die Sorge um den Wegfall der geplanten Arbeitsplätze in Schönefeld wichtiger als die Lärmbelästigung. Also bitte: keine egoistischen Tatsachenverdrehungen!

Gabriele Kruse, Friedenau