Leserbriefe

"Denkmal für Wowereit"

Die Neubaupläne der künftigen großen Koalition sind wegen der dadurch entstehenden Kosten unverständlich. Berlin hat angeblich kein Geld, also sollten die wenigen verfügbaren Mittel für die unbedingt notwendigen Dinge verwendet werden. Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und marode Straßen haben oberste Priorität. Alles andere kann bei vollen Stadtkassen in Angriff genommen werden. Und wenn Kosten genannt werden, weiß jeder, das sind Schätzungen, die nie eingehalten werden. Bisher wurde alles immer teurer. Zudem fließen in die Baukosten auch Unterhaltsausgaben für die alten Bauten ein. Die lösen sich ja nicht einfach in Luft auf. Zuletzt bezweifele ich auch die geschätzte Zahl der künftigen Nutzer. Woher stammt eine solche Erkenntnis? Man kann ja nicht einmal Geburtenjahrgänge, Kita-Besucher und Schüler richtig schätzen. Gravierende Fehler gab es häufig. Wir schimpfen immer über Griechenland. Unser Finanzgebaren in Berlin weicht nicht weit von dem in Athen ab.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Nun bekommt Wowereit doch sein Denkmal in Form einer neuen Landesbibliothek gesetzt. Man kann nur hoffen, dass sich die CDU wenigstens im Bereich der inneren Sicherheit durchsetzt und dort nicht auch so jämmerlich einknickt, sondern wieder für Recht und Ordnung sorgt. Eine Null-Toleranz-Politik würde dieser Stadt nach dem jahrelangen Schmusekurs des rot-roten Senats mit Kriminellen und Extremisten guttun.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Wie schön, dass nun endlich das Lieblingsprojekt von Klaus Wowereit realisiert werden kann. Wie wäre es aber stattdessen gewesen, diese Summe für das sanierungsbedürftige Bildungssystem in Form von Lehrern und renovierten Schulen einzuplanen. Gut ausgebildete Jugendliche sind dann später eher motiviert, die reichhaltigen Angebote der Berliner Bibliotheken zu nutzen. Aber bei weit über 60 Milliarden Euro Schulden muss man schließlich über die Verwendung von Steuern nicht mehr so genau nachdenken.

Bernd Müller, per E-Mail

Wirklich überflüssig und schade um das Papier

Zum Artikel: ",Gutmensch zu sein ist doch nichts Schlechtes'" vom 16. Oktober

Auch Klaus Wowereit geht für sein neues Buch mit Schlagworten in die Offensive. Er unterscheidet sich mit seinen SPD-Thesen von denen eines Thilo Sarrazin und wiederholt trotz der jahrelangen einvernehmlich guten Zusammenarbeit, dass jener in der Integrationsproblematik ausschließlich polarisiere, dem es darin nur um Krawall und um "Spalten statt Versöhnen" geht. Wowereit bewertet die Integration völlig anders, indem er sie nicht nur auf die ins Land gekommenen Ausländer beschränkt, sondern auch alle sozial Schwächeren wie Rentner oder alleinerziehende Mütter mit einbezieht. Nach seiner Logik ist die Integration vor allem eine soziale Frage, wobei nicht die Herkunft für die Zukunft entscheidend ist, sondern Bildung und Teilhabe. Der Alltag liefert da ganz andere Beispiele.

Harry Döring, per E-Mail

Wenn Klaus Wowereit mit seinem Buch seine realitätsfernen Multikulti-Träume unter die Leute bringen möchte, ist es wirklich überflüssig und schade ums Papier. Allerdings haben wir nun aus dem Interview mit dem Hobby-Autor mit Überraschung erfahren, dass wir - so wie er - ebenfalls einen Migrationshintergrund haben, denn unsere Vorfahren stammen aus Pommern, Ostpreußen, Sachsen und dem Fläming beziehungsweise aus Ostpreußen, Schlesien und Anhalt. Wir fühlen uns übrigens ebenfalls gut integriert.

Dagmar und Jörg Görn, Moabit

Preistreiber müssen an den Pranger gestellt werden

Zum Artikel: "Teure Energie treibt Inflationsrate auf Dreijahreshoch" vom 14. Oktober

Im Windschatten politischer Unruhen treiben Spekulanten die Preise in die Höhe. Die Inflation frisst die Kaufkraft vor allem der Einkommensschwachen. Auch wenn die Probleme in erster Linie global entstehen, könnte die Bundesregierung allerhand tun, damit die soziale Gerechtigkeit nicht vollends unter die Räder kommt. Es ist besonders dramatisch, wenn Autos oder Fernseher billiger werden, während die Preise für Grundnahrungsmittel, das Wohnen oder Heizen am stärksten steigen. Dass es eine Verbindung zwischen Spekulation und Preisschwankungen gibt, ist so gut wie sicher. Geschäftemacher mit dem Hunger sind Banken und Fonds, denn sie spekulieren mit Rohstoffen, treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe und erzielen so hohe Renditen. Unruhen und Katastrophen werden fadenscheinig als Grund für Preiserhöhungen vorgeschoben. Die Macht der Spekulanten auf den Rohstoffmärkten muss eingeschränkt werden. Preistreiber, die Fonds auf diesem Gebiet anbieten, müssen an den Pranger gestellt werden.

Walter H. Stephan, per E-Mail