Leserbriefe

"Jedes Mittel des Protestes recht"

Langsam gehen einem die Flughafengegner auf die Nerven. Einzig und allein deren egoistische Sichtweise soll den Überflug am Müggelsee verhindern. Denen scheint egal zu sein, ob bei einem Überflug, respektive Nachtflugverbot, Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Da ist jedes Mittel des Protestes recht. Berlin braucht nun einmal ein international agierendes Luftdrehkreuz. Da müssen einige wenige Individuen zurückstehen. Über Reinickendorf, Pankow und Spandau sind jahrzehntelang Tausende Jets gedonnert - ohne Protest der Anwohner. Wer eine Weltstadt will, der kann nur für ein internationales Drehkreuz sein. Wer Posemuckel mit Dorfflughafen möchte, sollte sich überlegen, umzuziehen. Man möchte nicht wissen, wie viele Protestler erst nach dem Bekanntwerden des Projektes Großflughafens Schönefeld in die Nahbereiche gezogen sind. Diese rennen heute vor das Gericht und demonstrieren.

Christian Schirrmacher, Heiligensee

Als Zehlendorfer sehe ich mit Bestürzung, dass in meiner Gegend der Widerstand gegen den Flughafen Schönefeld sehr gering ist. Was auf Lug und Trug aufgebaut ist, kann nicht rechtens sein. Richter, die das anders sehen, erweisen der Demokratie einen schlechten Dienst. Man kann nur allen Betroffenen in ihrem Widerstand raten: Schließt euch zusammen, sprecht mit einer Stimme, um diesem Projekt Steine in den Weg zu legen. Schönefeld darf nur ein Regionalflughafen werden.

Klaus Picht, Zehlendorf

Der kürzlich geäußerten Lesermeinung hinsichtlich einer Offenhaltung Tegels kann ich voll und ganz zustimmen. Damit würde die Flugdichte in Schönefeld verringert, und Parallelstarts könnten vermieden werden. Tegel hätte mit begrenztem Flugverkehr eine Berechtigung und könnte auch als Ausweichmöglichkeit bei Nebel dienen. Man bräuchte keinen teuren Ausbau zu einem Technologiezentrum. Auch etliche Millionen Euro für den Regierungsflughafen könnte man sich dank Tegel sparen. Aber Schönefeld muss ein internationaler Flughafen sein, dazu gehört ein Flugbetrieb von 5 bis 23 Uhr.

Helmut Maier, Charlottenburg

Anspruch auf ein Mitregieren ist nicht begründet

Zum Artikel: "Karaseks Woche - Bis aufs letzte Hemd" vom 25. September

Ich bin sehr erfreut über den Kommentar von Herrn Karasek und kann nur sagen, er trifft den Nagel auf den Kopf. Mir scheint auch, nur weitermachen und alle Privilegien behalten, mindestens bis zur nächsten Wahl. Wie sonst kann eine Partei wie die FDP, die nur noch vier Prozent wählen würden, einen Anspruch aufs Mitregieren begründen. Die gesamte Spitze ist ja beim Regierungsantritt mit Posten und Pöstchen bedacht worden, die sie dann wieder aufgeben müssten.

Horst Weite, Reinickendorf

Nicht alle Opfer von Gewalt sind wirklich gleich

Zum Artikel: "Er war zur falschen Zeit am falschen Ort" vom 20. September

Man ist erschüttert und traurig über so viel unmenschliche Gewalt vor unseren Augen, mitten unter uns. Was für eine Tragödie. Ein junger Mann wird in Todesangst gejagt, bis er tot ist. Hätten die Täter ihn erwischt, wer weiß, ob er das überlebt hätte. Und das alles nur, weil verrohte und fehlgeleitete Jugendliche mal wieder Lust auf Gewalt und auf die Demütigung anderer hatten. Der brillanten Analyse von Frau Balci ist eigentlich nichts hinzuzufügen, besser kann man die Situation nicht beschreiben. Aber wo ist der gesellschaftliche Aufschrei? Hätten Rechtsradikale einen türkischen Jugendlichen provoziert und in den Tod gejagt, wir könnten uns vor Bekundungen des Entsetzens und des Abscheus aus dem linken Lager nicht mehr retten.

Peter Reimann, Prenzlauer Berg

Forschung für neue Energiequellen müsste intensiviert werden

Zum Artikel: "Siemens steigt aus der Atomkraft aus" vom 19. September

Das ist ja schön mit der Abwendung von der Kernenergie, hin zu den angeblich so ökologischen Energien. Aber wohin soll es gehen? Wir haben ja keine beliebige Auswahl an technischen, schon gar nicht physikalischen Energiequellen. Man vergisst sehr schnell: Wegen ihrer sehr geringen Energiedichte braucht man riesige Flächen und enorm viel Material, um die Wind- und Solarenergie nutzen zu können. Jedes Windrad geht irgendwann mal kaputt, neue müssen gebaut werden, die auch wieder Rohstoffe benötigen. Die Begrenztheit der Ressourcen setzt der Anwendung dieser angeblich so unerschöpflichen Energien physikalische Grenzen. Es müsste daher viel intensiver an neuen Energiequellen geforscht werden, was jedoch leider nicht geschieht. Das könnte künftigen Generationen zum Verhängnis werden.

Christian Lukner, per E-Mail