Leserbriefe

"Historische Chance nicht genutzt"

Papst Benedikt XVI. war im Augustinerkloster zu Erfurt, wo Martin Luther (1483-1546) um die Erkenntnis des gnädigen Gottes rang und die notwendige Erneuerung der Kirche erkannte. Wenn dort Benedikt XVI. an historischer Stätte Martin Luther als einen leidenschaftlichen Gottsucher würdigt, dann ist das aus diesen Gründen bei Weitem nicht ausreichend. Es wäre von großer Bedeutung für die ökumenische Bewegung gewesen, hätte Benedikt XVI. gerade im Augustinerkloster zu Erfurt die seit dem 3. Januar 1521 durch Papst Leo X. mit der Bannbulle "Decet Romanum Pontificem" ausgesprochene Exkommunikation Luthers aufgehoben, was für mich die Grundvoraussetzung für ökumenische Gespräche mit dem Protestantismus überhaupt ist. Aber Benedikts "hörendes Herz" schlägt nicht für den Reformator Luther, sondern für die rückwärtsgewandte reaktionäre Priesterbruderschaft Pius X., mit welcher der Vatikan derzeit scheinbar erfolgreiche Wiedervereinigungsgespräche führt. Mit der Wiedereinführung der Lateinischen Messe, der knienden Mundkommunion und der Relativierung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) ist er bereits mit großen Schritten auf die Pius-Sekte zugegangen.

Roland Klose, per E-Mail

Papst Benedikt XVI. , der Stellvertreter Gottes auf Erden in Deutschland und sogar in Berlin. Wahrlich ein einmaliger Höhepunkt im tristen politischen Alltag!

Herbert Gaiser, per E-Mail

Dieser deutsche Papst hat die einmalige historische Chance bewusst mit Füßen getreten, in Erfurt die Reformation von Martin Luther zu vollenden. Er diskriminiert nicht nur weiterhin wie die Islamisten 50 Prozent der Menschen, die Frauen, sondern unterstützt durch das Verbot der Pille die Armut in Afrika und lässt Tausende Kinder sterben, die nicht versorgt werden können. Er gibt das propagierte Naturrecht nicht seinen Priestern und bezieht sich auf jahrhundertealte Wurzeln unserer Kultur, ohne Bereitschaft, diese weiterzuentwickeln.

Christine Schulze, per E-Mail

Für die doch recht umfangreiche Berichterstattung der Berliner Morgenpost über den Besuch von Papst Benedikt XVI. in unserer Stadt bedanke ich mich. Aber ich muss doch eine Klarstellung bringen, was die Besucher des Gottesdienstes im Olympiastadion angeht. Die Berichterstattung erweckt den Eindruck, dass "kaum Berliner" und "fast nur Neugierige" das Stadion füllten. Beides ist so nicht richtig. Die Berliner hatten über ihre Gemeinden die Möglichkeit, gemeinsam Sitzplätze im gleichen Block zu erhalten - und haben davon auch reichlich Gebrauch gemacht. Es füllten sich hier die Plätze mit Leuten, die auch Sonntag für Sonntag gemeinsam Gottesdienst feiern und nun in guter Gemeinschaft diese Papstmesse erleben durften. Also - alles andere als Neugierige. Die Zitierten (Patrick und Steffi) hätten sicherlich auch die Möglichkeit gehabt, sich über ihre Pfarrgemeinde Karten zu besorgen, statt selber über das Internet, und wären dann nicht in einem fremden Block gelandet, sondern unter aktiven Katholiken aus Berlin. Aber auch die Nichtberliner (und das sind auch viele aus dem Bistum außerhalb der Stadtgrenze) waren ja alles andere als "Neugierige". Sie haben die Strapazen der Reise, vielfach aus Bayern, auf sich genommen, um ihren Papst persönlich zu sehen. Ich will nicht bestreiten, dass tatsächlich einige nur aus Neugier kamen, denn Gott kann auf vielen Wegen wirken und auch auf krummen Zeilen gerade schreiben. Insgesamt - auch nach vielen Gesprächen - kann ich nur dankbar feststellen, dass sicherlich ein großer Segen von dieser Feier ausging. Warum also wurde von der Berliner Morgenpost - zwischen den Zeilen - mit einer eher negativen Tendenz darüber berichtet?

Edith Buhse, Konradshöhe

Tarifpolitisch wahrlich kein Ruhmesblatt für die SPD

Zum Artikel: "Charité-Streik geht in die dritte Woche" vom 24. September

Dass es offensichtlich nicht einmal einen Gesprächstermin für weitere Verhandlungen gibt, zeigt, dass die Arbeitgeber nicht zu einer gütlichen Einigung bereit sind, da dieses Spiel schon seit Mai läuft. Die Charité ist im Senatsbesitz. Ebenfalls die CFM, die Facility Management GmbH der Charité, zu 51 Prozent. Der Senat lässt Mitarbeiter in seinen Betrieben nicht nur zu Hungerlöhnen arbeiten. Er gründet solche Unternehmen sogar mit. Und dass es bei CFM keinen Tarifvertrag gibt, zeigt, wie die SPD handelt, aber die freie Wirtschaft bei diesen Themen anprangert. Aber auch die zuständige Gewerkschaft Ver.di muss sich die Frage stellen lassen, ob es richtig und klug ist, sich politisch so an die SPD zu hängen. Unabhängigkeit zu allen Bundesparteien wäre aus meiner Sicht eine klügere Gewerkschaftspolitik.

Klaus Okrafka, per E-Mail

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