Leserbriefe

Großes Frust- und Protestpotenzial

Der Ausgang der Abgeordnetenhauswahl spiegelt in eklatanter und exemplarischer Weise die innere und äußere Zerrissenheit der Berliner Wählerschaft wider. Vor allem auch der medial gefeierte und hochstilisierte Wahlerfolg und der Einzug der Piraten in das Abgeordnetenhaus verrät eine ausgeprägte geistige Ohnmacht derjenigen, die diese Partei gewählt haben. Eine gefährliche Orientierungs- und Gedankenlosigkeit für eine leider radikal-antichristliche und atheistische Partei, deren politische Inhalte sich nur monothematisch auf unbegrenzte Datenfreigabe im Internet und menschenschädlichen Rauschgiftunterricht begrenzen. Verbunden mit einer propagierten und letztlich inhaltsleeren Freiheit, die zwar im Gewande einer scheinempathisch frechen Modernität daherkommt, in Wahrheit aber eine dämonische Aggressivität enthält.

Martin Saumer, Gesundbrunnen

Die Piraten sind ein Sammellager für Demo-Touristen, für diejenigen, die gegen alles sind, jedoch keine Lösung für die Probleme dieser Zeit kennen, die die Nase voll haben von der dirigistischen Führung von oben. Für sie haben sich die existierenden Parteien zu fest installiert und damit korrumpiert. Nur gerade durch ihre Wahl werden die Piraten gewissermaßen in das System formiert. Piratenspiele sind etwas für Kinder, die mit Totenkopfflagge, Augenklappe und Holzschwert die Schätze der Welt erobern wollen. Aber im Erwachsenenleben geht es ernsthafter und legal zu. Ein erster Schritt im Sinne der Ernsthaftigkeit wäre wohl, dass diese Partei ihren kindlich-ungestümen Namen ablegt und sich durch eine Bezeichnung legitimiert, die ausdrückt, dass man sich der Demokratie verpflichtet fühlt.

H. Friedrich, Hoppegarten

Berlin hat gewählt. Doch welche Schlüsse ziehen die Parteien aus den Ergebnissen? Die SPD ist stärkste Partei geblieben, hat aber gegenüber 2006 verloren. Auch die CDU täte gut daran, sich über ihr Ergebnis etwas verhaltener zu freuen. Sie hat in erster Linie vom Niedergang der FDP profitiert. Sie muss über das schwache konservative und bürgerliche Potenzial nachdenken und neue Konzepte entwickeln. Für die Grünen hat sich die Siegessicherheit nicht ausgezahlt. Im Gegenteil. Für die FDP stellt sich die Frage, ob sie noch eine Existenzberechtigung hat. Dass die Linke Stimmen verloren hat und nicht mehr im Senat sitzt, ist gut und beweist, dass der Nachfolger der einstigen SED/PDS vielleicht doch eine aussterbende Partei ist. Schlimm ist, dass die Piraten auf Anhieb knapp neun Prozent erhalten haben. Daran ist abzulesen, dass in Berlin ein großes Frust- und Protestpotenzial besteht. Darüber müssen die etablierten Parteien nachdenken.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Zorn richtet sich gegen die Grundsätze des Christentums

Zum Artikel: "Farbbeutel und frische Blumen" vom 21. September

Schade, dass das sonst so tolerante Berlin in Sachen Papstbesuch derart intolerant in Erscheinung tritt. Schließlich kommt der Papst doch in erster Linie zu den Gläubigen. Er erhebt gar nicht den Anspruch, sich in die Staatspolitik einzumischen. Vielmehr tritt er für ein unverfälschtes Evangelium und die daraus resultierenden Grundsätze des christlichen Glaubens ein. Und genau dieses klare Bekenntnis ist es wohl auch, das seine Gegner auf den Plan ruft. Würde der Papst eine dem Zeitgeist angepasste Meinung vertreten - er wäre ein willkommener Mann. Das aber tut er eben nicht. Und machen wir uns nichts vor: Eigentlich geht es nur vordergründig um den Papst. Tatsächlich richtet sich der Zorn doch gegen Jesus Christus selbst und gegen die Grundsätze des Christentums. Der Papst wird hier als Botschafter in die Mangel genommen, weil sein "Auftraggeber", der Herr aller Herren und König aller Könige, derzeit anscheinend nicht greifbar ist. Erstaunlich ist auch die lange Liste derer, die sich plötzlich in großer Einigkeit in ihrer Gegnerschaft gegen den Papst und letztlich gegen das Evangelium zusammengefunden haben.

Mathias Christiansen, Pankow

Ein künstliches Konstrukt und ziemlich lebensfeindlich

Zum Artikel: "Kleinste Teilchen, größte Gefahr" vom 21. September

Die angeblichen Segnungen der Nanotechnologie haben durch diese Studie einen deutlichen Dämpfer bekommen. Entzündungen, DNA-Schäden und Krebs - die Risiken sind zu groß. Die Nanotechnologie ist ein künstliches Konstrukt und - wenn sich die Ergebnisse bestätigen - ziemlich lebensfeindlich. Wir können ja nichts daran ändern, dass die Zellen mit derartigen Teilchen nicht fertig werden. Da die Vorteile der Nanotechnologie ohnehin nur gradueller Art sind, sollten wir mit Anwendungen dieser Technologie sehr vorsichtig sein, jedenfalls diese nicht ohne vorheriges Risikomanagement anwenden.

Christian Lukner, per E-Mail