Leserbriefe

"Nicht den Respekt verweigern"

Wer sich auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beruft, in dem in der Präambel "die Verantwortung unseres Volkes vor Gott und den Menschen" ausdrücklich betont wird, der kann und darf nicht einfach behaupten, die geplante Rede von Papst Benedikt XVI., Stellvertreter des Apostels Petrus, vor dem Deutschen Bundestag in Berlin verletze die weltanschauliche Neutralität des Staates. Aus diesem Grunde würde ich ebenfalls die Rede eines Oberhauptes des Islams und des Judentums im Reichstag begrüßen. Allerdings sollten nach Beendigung der Rede von Papst Benedikt XVI. auch diesbezügliche Fragen der Abgeordneten des Deutschen Bundestages an das Oberhaupt der katholischen Kirche erlaubt sein.

Roland Klose, per E-Mail

Es ist beschämend, dass zahlreiche Abgeordnete des Deutschen Bundestages den Papst nicht empfangen wollen. Sie haben keinen Respekt vor einem Staatsgast. Aber vielleicht wissen es diese Leute nicht: Der Papst ist nicht nur Oberhaupt der katholischen Weltkirche mit über einer Milliarde Mitgliedern, sondern er ist auch Oberhaupt des Vatikanstaates. Diese Abgeordneten sollten es sich gut überlegen, ob sie wirklich nicht dabei sein wollen. Sie versäumen einen Augenblick von großer historischer Dimension: Im Deutschen Bundestag tritt erstmals der Vertreter einer mehr als 2000 Jahre alten Institution auf. Und dieser Vertreter ist auch noch ein Deutscher.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Einerseits soll die Kirche weltoffen sein und Verständnis aufbringen für die gesellschaftlichen Probleme, andererseits beruft man sich auf die strikte Trennung von Kirche und Staat. Selbstverständlich ist der Papst überall willkommen und kann reden vor welchem politischen Gremium auch immer. Wo leben die Papstkritiker eigentlich? Außerdem ist der Papst zugleich politisches Oberhaupt des Vatikanstaates. Er sollte schon deshalb mit dem nötigen Respekt behandelt werden, so wie es bei anderen Staatsempfängen ebenfalls geschieht. Dass sich die Kirche auch vermarkten muss, versteht sich in einer modernen Mediengesellschaft von selbst. Mit Geschäftemacherei hat das nichts zu tun. Warum eigentlich muss man an allem herummäkeln, wir sollten uns freuen, dass der Papst zu uns kommt. Warten wir doch erst einmal seine Botschaft ab, die er im Olympiastadion verkünden wird.

Christian Lukner, per E-Mail

Wer will mich eigentlich daran hindern, anlässlich des Papstbesuches meine Fenster zu öffnen und dem Papst zuzuwinken? Was hätte denn ein Verstoß gegen das Winkverbot der Polizei für Konsequenzen? Das sind Methoden eines totalitären Systems. Ich gehe übrigens zur Papstmesse in das Olympiastadion.

W. Scholz, per E-Mail

Für ausreichend Sicherheitspersonal auf allen U-Bahnhöfen sorgen

Zum Artikel: "Angriff in U-Bahnhof: Opfer stirbt bei der Flucht" vom 18. September

Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf? Der Senat ist aufgefordert, endlich für ausreichendes Sicherheitspersonal auf allen U-Bahnhöfen zu sorgen. Und SPD-Senatorin Ingeborg Junge-Reyer hat es gerade nötig, sich um die beabsichtigten Personalreduzierungen auf S-Bahnhöfen mit den Worten zu äußern, sie verstehe, dass sich die Fahrgäste auf Bahnhöfen ohne Personal unwohlfühlen, und Sicherheit auf den Bahnhöfen sei genauso wichtig wie funktionierende Züge. Frau Senatorin, die Überfälle finden immer wieder auf U-Bahnhöfen der BVG statt. Und der Eigentümer der BVG ist nun mal der Senat. Warum handeln Sie dann nicht endlich?

Klaus Okrafka, per E-Mail

Pauschale Verunglimpfungen einer ganzen Berufsgruppe

Zum Artikel: "Pflegekräfte prangern Mängel an" vom 17. September

Es mag ja schwarze Schafe unter den Pflegeeinrichtungen geben, aber die Berichterstattung aller Medien verunglimpft eine ganze Branche und viele Pfleger, die jeden Tag bei den ihnen anvertrauten Menschen eine qualitativ hochwertige Pflege erbringen und Zuwendung geben. Und nun zum medizinischen Dienst der Krankenkassen. Die Beschäftigten dort haben eine sehr schwere Aufgabe. Sie sollen in einer Momentaufnahme die Pflegesituation eines Menschen beurteilen, wo wir doch alle wissen, dass niemand gern über seine Defizite Auskunft gibt. Ihre Berichterstattung trägt dazu bei, dass viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen verunsichert sind. Die von vielen Medien beschriebene Pflegequalität wird in der Erwartungshaltung der Pflegebedürftigen, ihrer Angehörigen, der Pflegeeinrichtung und der Pflegekasse sehr unterschiedlich bewertet. Kontrolle ist gut, muss aber sehr sensibel erfolgen und nachweisbare Ergebnisse bringen, die dann aber nicht zu einer pauschalen Verunglimpfung einer ganzen Berufsgruppe benutzt werden dürfen.

Marlies Wanjura, Reinickendorf