Leserbriefe

"Plötzliche Prinzipientreue"

Es wundert nicht, wenn Frau Merkel in der Griechenlandkrise plötzlich Prinzipientreue zeigt. Ohne eigene Kompetenz in Wirtschaftsfragen, vertritt sie die Meinung ihrer Berater aus den höchsten Banketagen, die um ihre Anleihen fürchten, und findet Hilfe bei Herrn Sarkozy, dessen Banken noch viel stärker in Griechenlandanleihen involviert sind. Solange Italien und Griechenland darauf vertrauen können, dass Merkel und Sarkozy zur Bankenrettung jeden deutschen Steuergroschen riskieren, wären sie dumm, wenn sie wirklich bei denen zupacken würden, die im eigenen Land bisher praktisch keine Steuern zahlen. Das Sparen nur zulasten der kleinen Einkommensbezieher hat Griechenland schon jetzt in eine Rezession getrieben.

Michael Lion, Charlottenburg

Die schwarz-gelbe Bundesregierung ist am Ende. Die FDP ist auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit, und die Christdemokraten verlieren Schritt für Schritt ihren Nimbus als Volkspartei. Die Griechenlandkrise zeigt erneut, dass FDP und CDU längst nicht mehr eine Sprache sprechen und lieber heute als morgen das Handtuch werfen möchten. Den Weg für vorzeitige Bundestagsneuwahlen sollten beide Parteien möglichst schnell freigeben.

Albert Alten, per Mail

Schwierige Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit

Zum Artikel: "Aufräumen bei der Jahn-Behörde" vom 13. September

Dass die SPD Schwierigkeiten mit der Aufarbeitung der Stasi hat, dürfte endgültig klar sein, nachdem namhafte Politiker gegen Versetzungen von Stasi-belasteten Mitarbeitern der Jahn-Behörde sind. Wer selbst mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet hat, kann nicht in der Behörde tätig sein, die sich mit der Aufarbeitung von DDR-Unrecht befasst. Wieso Politiker der SPD dagegen sind, ist unklar. Es ist aber auch merkwürdig, dass es einer Verordnung bedarf, um Mitarbeiter von einer Behörde zu einer anderen Behörde versetzen zu können. Eine solche Umsetzung müsste doch ohne große Bürokratie gehen.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Gravierende Mängel im Bildungssystem

Zum Artikel: "Deutschland verliert den Wettlauf um die klugen Köpfe" vom 14. September

Der neueste OECD-Bericht zeigt, dass das deutsche Bildungssystem weiterhin gravierende Mängel aufweist und die Zahl der Hochqualifizierten in Deutschland gegenüber anderen Ländern nur durchschnittlich ist. Woran liegt das? Erstens gibt es immer noch Studiengebühren in einigen Bundesländern, und zweitens finden viele Akademiker nach Uni- oder Fachhochschulabschluss meist erst nach einem Jahr eine einigermaßen adäquate und teilweise gut bezahlte Arbeitsstelle, weil unsere Wirtschaft entweder nur Akademiker auf Praktikantenbasis oder ausschließlich mit Berufserfahrung einstellt. Des Weiteren müssen Studenten oft unter unzumutbaren Bedingungen in überfüllten Hörsälen lernen, da viel zu wenig Geld für die Bildung bereitgestellt wird.

Roland Klose, per E-Mail

Rad-Rambos kennen keine Verkehrsregeln

Zum Artikel: "Anarchie auf zwei Rädern" vom 12. September

Ich freue mich, dass Sie dieses ärgerliche Kapitel endlich einmal zur Sprache bringen. Jeden Tag rege ich mich über diese "Rad-Rambos" auf, für die keine Verkehrsregeln zu existieren scheinen. Zu 80 Prozent sind die Radfahrer ohnehin auf dem Gehweg unterwegs, und man muss als Fußgänger ständig ausweichen. Werden tatsächlich einmal die Radwege benutzt, dann meist in falscher Richtung. Rote Ampeln für Radler? Fehlanzeige! Auch in diesen Fällen weichen Radfahrer einfach auf den Gehweg aus! Letzteres laufend zu beobachten in der Steglitzer Schloßstraße - trotz des schönen neuen Radweges mitten auf der Fahrbahn! Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Radfahrer keine Ahnung von den Verkehrsregeln haben. Ich bin 83 Jahre und habe weder Fahrrad noch Auto besessen, aber die Verkehrsregeln sind mir dennoch bekannt.

Luzie Kannewischer, Mariendorf

Vielleicht könnte ich die Polizei in Berlin mal dazu bewegen, sich anzusehen, wie die Bielefelder Polizei vorgeht. Zu Fuß, mit dem Rad oder Funkwagen hält sie sich falsch verhaltende Radler an, stellt sich rührig als Bielefelder Polizei vor, nennt den Namen, sagt den Grund des Angehaltenwerdens und fordert das Bußgeld. Alles ruhig, im angemessenen Ton, und es klappt! Vielleicht wäre hier auch so etwas möglich. Als Fußgänger und Autofahrer ist man damit beschäftigt, sich in Sicherheit zu bringen. Warum? In der Kastanienallee werden Schranken aufgebaut, die Radler machen, was sie wollen. Muss das denn sein?

Irene und Lothar Ritter, Wedding