Leserbriefe

"Schönwetterparolen für Europa"

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Wie der Morgenpost zu entnehmen ist, mehren sich die Stimmen, die Griechenland die Rückkehr zu seiner Landeswährung raten. Das sind sogar durchweg Leute, deren Meinung man schlecht ignorieren kann. Und dass nun auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler in das Horn bläst, signalisiert doch nur, dass längst mit dem Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone gerechnet wird. Auf eigenem Humusboden wird die Erkenntnis ja wohl nicht gereift sein, zumal es nach Rösler erst jetzt "kurzfristig keine Denkverbote mehr geben" dürfe. Ich dachte bislang, Denken sei für einen Politiker eine dauerhafte (man sagt wohl jetzt nachhaltige) Option. So kann man sich irren. Fragt sich nur noch, wie lange Frau Merkel die Schönwetterparolen für Europa durchhält.

Herbert Liechtenstein, Moabit

Mit Erstaunen lese ich in vielen Berichten zur Euro-Krise, dass es weder eine Ausstiegsklausel noch eine Kündigungsklausel in den Lissabon-Verträgen geben soll. Unser Finanzminister betont das immer wieder, wenn ein Ausstieg von Griechenland ins Gespräch kommt. Wenn die Euro-Politiker solche Verträge schließen, muss man ihnen diese Verträge um die Ohren hauen. Alles wird in Verträgen geregelt: Eintritt, Vertragstext, Laufzeiten. Nur ein Austritt, ein Ausschluss nicht, das ist unglaublich. Wie sollen denn die Bürger der Mitgliedsländer diesen Politikern noch zutrauen, diese Krise zu lösen?

Horst Körner, Rudow

Die EU-Regierungen, an der Spitze damals mit Deutschland unter Schröder und Eichel, haben die für die Gewährleistung der Stabilität des Euro - gemessen an der seinerzeit starken D-Mark - vereinbarten Regeln des Stabilitätspaktes aus wenig weitsichtigen Gründen gebrochen. Zudem haben auch unsere Regierungen den bewährten Grundsatz eines treu sorgenden Familienvorstands, nur das auszugeben, was man zuvor eingenommen hat, rigoros verletzt. Das schlägt uns und allen Euro-Ländern heute teuer zu Buche. Alle sprechen immer nur von "den Märkten". Die wahren Brandstifter sind die Macher der ungezügelten Finanzmärkte, die sich ungeniert ganz persönlich durch deplatzierte Wetten, ungehörige Manipulationen und teuflische Finanzgeschäfte bereichern. Auch das gehört verboten.

Norbert Gewies, Konradshöhe

Der selige Jesuitenpater Rupert Mayer (1876-1945), welcher im Dritten Reich auf der Kanzel gegen Adolf Hitler predigte, lebte nach dem Motto: Die Wahrheit muss gesagt werden! Die Wahrheit erregt großes Aufsehen, weil nicht jeder Mensch und Politiker sie hören will. So war es, als Ex-Verteidigungsminister K.T. zu Guttenberg (CSU) den Afghanistan-Einsatz erstmals als Krieg bezeichnete und er die Abschaffung der Wehrpflicht wegen mangelnder Wehrgerechtigkeit auf den Weg brachte. Nach K.T. zu Guttenberg wird jetzt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für seine Denkspiele zur geordneten Insolvenz Griechenlands unter anderen von Merkel und Steinmeier an den Pranger gestellt, welche die Realität der Pleite Griechenlands wegen der gefürchteten Reaktion der Finanzmärkte einfach nicht akzeptieren wollen. Auch hier gilt: "Die Wahrheit muss gesagt werden!"

Roland Klose, Bad Fredeburg

Werte wie Toleranz gehen immer mehr zurück

Zum Artikel: "Die Linke will den Papst boykottieren" vom 14. September

Es ist in höchstem Maße bedauerlich und skandalös, dass Abgeordnete der Linken nicht die Ansprache des Papstes anhören wollen. Aber dass auch viele Abgeordnete der Grünen, sogar der SPD den Bundestag verlassen, wenn der Papst redet, zeugt von sehr großer Intoleranz in Deutschland. Seit der 68er-Generation und dem Beginn der Grünen sind Werte und Toleranz immer mehr zurückgegangen. Nicht nur bei den Linken, sondern auch in Teilen der SPD und bei den Grünen spielen christliche Werte überhaupt keine Rolle mehr. Deshalb sind diese Parteien für Christen nicht wählbar. Doch leider bieten sich in Berlin, aber auch im Bund keine guten Alternativen an. Es wird höchste Zeit, dass die CDU sich darüber Gedanken macht.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail