Leserbriefe

"Guter Krach, böser Krach"

Schon jetzt merke ich eine starke Beeinträchtigung meiner Lebensqualität. Ich wohne seit elf Jahren in Mariendorf und habe in zehn Jahren nie Fluglärm gehört. Nun aber ist seit Monaten an manchen Tagen ein permanenter Fluglärm, selbst durch geschlossene Fenster, zu hören. Man sieht Flugzeuge in zu geringer Höhe über Berlin fliegen. Zu dem Lärm kommt auch noch die Feinstaubbelastung hinzu. Ich fordere, dass die Politiker Schaden von den Bürgern abwenden.

Dieter Schmidt, Mariendorf

Es ist schön, dass die Grünen kurz vor der Abgeordnetenhauswahl eine Studie zum Fluglärm vorlegen. Ich frage mich nur, ob sich der Mediziner Behrbohm mit den Gesundheitsschäden durch Fluglärm beschäftigt hätte, wenn es ihn nicht selbst betreffen würde. Dann müssten ja alle Spandauer und Reinickendorfer in der Einflugschneise vom Flughafen Tegel verseucht sein. Ich hoffe, dass die Protestler mit dem Zug oder Auto in den Urlaub gefahren sind. Sie wollen bestimmt nicht, dass andere unter Fluglärm leiden.

Wolfgang Schindelhauer, Spandau

Als vom Fluglärm in Spandau und Schönwalde Betroffener möchte ich anmerken, dass Flugzeuge je nach Flughöhe und Windrichtung lästig bis nervig sind. Daher wünsche ich den Bürgerinitiativen Erfolg bei den Flugrouten. Es stimmt aber einfach nicht, dass ansonsten im grünen Umfeld fast immer die von den Aktivisten beschriebene idyllische Ruhe herrschen würde. Bei den Flugzeugen unter 3000 Metern wird ein Geräuschpegel von 57 Dezibel genannt, vergleichbar mit einem Rasenmäher. Abgesehen davon, dass viele Rasenmäher - insbesondere Benziner - noch deutlich lauter sind, stimmt das Bild. Nur dass Rasenmäher über Stunden die Gegend mit einem Dauerlärmpegel belegen und Flugzeuge nur zeitweise. Was mich ärgert, ist, dass die beim Thema Flugzeuglärm so empfindlichen Mitmenschen oft so unsensibel sind, wenn es um die eigenen Lärmemissionen geht. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich viele einen Benziner anschaffen, der lauter ist und die Gegend mit Gestank verpestet. Manche legen sich noch einen Häcksler, einen Rasenkantenschneider oder gar einen Laubsauger zu. Es gibt keinen bösen Krach (Flugzeug) und guten Krach (eigene Geräte). Krach ist immer eine Belastung und kann krank machen.

Reinhold Sonntag, Schönwalde-Glien

Fluglärm ist zwar ärgerlich, aber weitaus gefährlicher ist es, wenn ein ungesicherter Forschungsreaktor überflogen wird. Die Alliierten hatten zu Westberliner Zeiten über dem Forschungsreaktor ein absolutes Flugverbot erlassen. Umso unverständlicher sind die Startrouten des BER, konkret die Startrouten über die Wannseebrücke und über das Helmholtz-Institut. Im Ernstfall wäre der Südwesten einschließlich Potsdam verseucht.

Werner Wille, per E-Mail

Die einzig mögliche Konsequenz ist: "Außen rum statt oben rüber!", wie es der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp, in der Kommission gefordert hat. Die Freigabe der Flugrouten ab 1500 Meter Höhe ist abzulehnen, das Stadtgebiet muss frei von Flugrouten sein.

Friedrich F. Zuther, Lichterfelde

Die Diskussion über die Flugrouten im Süden von Berlin nimmt immer groteskere Formen an. Jetzt warnt der HNO-Professor Hans Behrbohm in einer Studie vor den gesundheitlichen Folgen von Fluglärm und der damit verbundenen Schadstoffemission. Wenn man dieser Studie Glauben schenken darf, müssten die Menschen, die rund um den Kurt-Schumacher-Platz leben und arbeiten, bereits einen qualvollen Tod gestorben sein. Der Professor, der zufällig auch in Friedrichshagen lebt, hat seiner Studie eine Flughöhe von 1000 bis 1500 Meter zugrunde gelegt. Der Kurt-Schumacher-Platz wird im Landeanflug in einer Höhe von 150 bis 200 Meter überflogen, und das im Minutentakt. Alle wollen in den Urlaub fliegen, der Flugplatz sollte möglichst in der Nähe sein, aber Fluglärm will keiner.

Olaf Bamberger, per E-Mail

Es zeigt sich einmal mehr, dass der Bürger nur willkommen ist, wenn er seine verdienten Euro auf dem Flughafen ausgibt. Wenn der Bürger sich aber erdreistet, seine Nachtruhe und seine Gesundheit einzuklagen, damit er die Euro für den Flughafen verdienen kann, ist er ein Störfaktor.

Ralf Seebold, Mittenwalde

Der Streit über den Fluglärm ist für die meisten Nordberliner nicht nachzuvollziehen. Vor rund 40 Jahren wurden wir auch nicht gefragt, welche Flugroute uns genehm sei. Als Nordberliner möchte ich den Flughafen Tegel sogar behalten, da es ein Fehler ist, diesen innerstädtischen Flughafen zu schließen. Ferner empfinde ich die kurze Anfahrt als angenehm. Für den Norden der Stadt ist der Flughafen sogar wirtschaftlich wichtig, da mit der Schließung von Tegel massive Einbußen in allen Bereichen verbunden sind.

Lars Wittenberg, per E-Mail