Leserbriefe

"Einheitswährung ist zu wenig"

Angela Merkel müsste mal das Scheitern Europas definieren, um diese unsinnige Behauptung zu erklären. Mit der Finanzkrise erweist sich die Einführung des Euro als ein Riesenfehler, denn über eine Währung lässt sich noch keine Einigung mehrerer Länder erzielen. Dafür sind die europäischen Länder viel zu unterschiedlich in ihrer Nationalität und Mentalität. In dieser Krise wird Deutschland wie immer als Zahlmeister ausgenutzt.

Horst Eckert, Tegel

Wir durften nicht entscheiden, ob wir den Euro wollen. Wir wollten ihn nicht. Alt-Kanzler Helmut Kohl hat ihn uns einst einfach übergestülpt. So wie wir Kohl abgewählt haben, wird auch Angela Merkel durch ihr starrsinniges Festhalten am Euro abgestraft werden. Ich verbitte mir, laufend hören zu müssen, der Euro habe den Deutschen Wohlstand gebracht. Was für einen Wohlstand? Nur den Wirtschaftsbossen. Der kleine Mann hat doppelte Preise bei nahezu unverändertem Einkommen hinnehmen müssen. Man braucht in den Euro-Ländern nicht mehr Geld zu wechseln. Bitte? Ich würde gern wechseln gehen, wenn wir die D-Mark noch hätten. In anderen Ländern muss man auch wechseln. In Griechenland haben wir vor der Euro-Einführung für 5,90 DM sehr gut essen können, das Gleiche kostet jetzt etwa 7,90 Euro. Die größte Frechheit ist, uns für dumm zu verkaufen. Aber die meisten jungen Leute vergleichen nicht mehr mit der D-Mark.

M. Ceinar-Döse, per E-Mail

Die Aussage von Angela Merkel ist zutreffend. Sie passt zur Äußerung des früheren Kanzlers Helmut Kohl, "die Einführung des Euro in Deutschland ist eine Frage von Krieg oder Frieden". Der Euro ist doch bereits gescheitert, also auch Europa. Merkel und die Regierungen der anderen EU-Länder versuchen, einen Leichnam zum Leben zu erwecken. Warum hat niemand auf Charles de Gaulle gehört, der mit seiner Politik eines "Europa der Vaterländer" bestrebt war, eine übernationale politische Integration zu vermeiden? In Deutschland hätten wir noch die starke D-Mark, die anderen Nationen hätten ebenfalls noch ihre gewachsenen Währungen, und es gäbe vernünftige, auf die jeweilige Wirtschaftskraft der einzelnen Nationen abgestimmte Wechselkurse. Aber nun haben wir den Euro-Einheitsbrei. Wie lange noch?

Klaus M. D. Hiller, Westend

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird über den Euro stürzen, weil bei der Einführung des Euro zum 1. Januar 2002 gravierende handwerkliche Fehler gemacht wurden, die jetzt bestraft werden. So funktionierte die Einführung der D-Mark in der DDR zum 1. Juli 1990 nur, weil der Währungsunion am 3. Oktober 1990 auch die staatliche Wiedervereinigung folgte und so einen Finanzausgleich zwischen Westen und Osten ermöglichte. Die Europäische Union der 17 Euro-Länder strebt aber bis heute keine staatliche Vereinigung an - höchstens eine gemeinsame EU-Wirtschafts- und -Finanzregierung. Bildlich gesehen hat die EU-Währungsunion ein Euro-Überraschungsei geboren, ohne dass der Hahn zuvor die Henne bestiegen hätte. Dieser entscheidende Konstruktionsfehler hat die Euro-Schuldenkrise letztlich begünstigt und bewirkt nun, dass das europäische Haus vollends zum Einsturz gebracht werden kann. Erschwerend kommt noch hinzu, dass bereits die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 durch die Rettung der systemrelevanten Banken zu einer drastischen Ausweitung der nationalen Staatsverschuldung der Euro-Länder geführt hatte. Eine weitere Finanzkrise verkraften dagegen Europa und der Euro nicht. Er wird so letztlich die Mächtigen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, vom Thron stürzen.

Roland Klose, per E-Mail

Ohne private Investitionen gäbe es nicht die attraktiven Kieze

Zum Artikel: "Die wollen uns vergraulen" vom 6. September

Ich bin schon sehr verwundert über die Berichterstattung, wenn es um Mieten in Berlin geht. Da sind auf der einen Seite die armen und drangsalierten Mieter, auf der anderen Seite die kalten und unsozialen Vermieter, die nur an ihren Vorteil denken. Welche Belastungen und Risiken auf einen Vermieter zukommen, wenn er ein Haus sanieren will, spielt oft keine Rolle. Er muss es nicht machen. Aber wer dann? Ohne private Investitionen hätten wir heute nicht die attraktiven Kieze. Der Staat war und ist dazu nicht in der Lage. Das Argument der Luxussanierung zieht auch nicht, denn wenn man schon saniert, dann auch ordentlich. Wo beginnt denn Luxussanierung? Im Übrigen, warum wird so sehr gegen Umwandlung in Wohneigentum gewettert? Der Weg ist doch richtig und auch vom Staat mit Recht im Sinne einer zusätzlichen Absicherung im Alter gefördert. Die Eigentumsquote in anderen europäischen Hauptstädten liegt bei bis zu 80 Prozent. Diese Menschen müssen jedenfalls keine Miete mehr zahlen.

Peter Reimann, Prenzlauer Berg