Leserbriefe

"Nicht das Gelbe vom Ei"

Das TV-Duell zwischen Klaus Wowereit (SPD) und Frank Henkel (CDU) war eine beherzte Auseinandersetzung zweier unterschiedlicher Politakteure. Nur, wen hat der RBB da als Moderatorenpaar auserkoren? Ein starker Gegenpol zu den Kandidaten wäre nötig gewesen, aber die fragenden Journalisten waren aufgeregter und hatten mehr Versprecher als die beiden Spitzenkandidaten selbst. Eine weitere Sendung, in der der RBB die Erwartungen an ihn nicht erfüllen kann.

Kristopher Jurk, per E-Mail

Ist der Berliner Wähler nicht nur auf einem Auge blind, sondern auf beiden? Wie kann es sonst sein, dass ein Politiker wie Klaus Wowereit, der eigentlich in Berlin alles in den Sand gesetzt hat, was es nur so gibt, immer noch unangefochten in der Wählergunst vorne liegt? Der Wähler hat es in der Hand, den abgewirtschafteten rot-roten Senat abzuwählen und durch neue, unverbrauchte Leute wieder frischen Wind in die Stadt zu bringen. Berlin hat es verdient.

H. Koßmann, Rudow

SPD wählen bedeutet Wowereit wählen. Wowereit mit seiner Selbstverliebtheit und Vorliebe für Promis, Feste und die schönen Dinge des Lebens wird sicher das Rennen machen. Warum eigentlich? Es könnte ja sein, dass eine bestimmte Wählergruppe aufgrund von PR von ihm beeindruckt ist. Es gibt keinen guten Grund, Wowereit zu wählen. Wo sind seine positiven Taten für uns Berliner?

Karin Krohn, Neukölln

Das Gelbe vom Ei war das Rededuell gewiss nicht. Altbekannte Thesen wurden wiederholt - und das war's dann. Herausforderer Frank Henkel überzeugte durch Sachlichkeit und strahlte Ruhe aus. Wowereit wie immer: über den Dingen stehend und altbekannt. Fakt ist jedoch: Die Stadt ist fast in allen Belangen das Schlusslicht gegenüber den anderen Bundesländern. Doch ob da Henkel etwas ändert? Große Zweifel sind angebracht.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Mehr Aufklärung über die Wahlen erforderlich

Zum Artikel: "NPD schafft wieder den Einzug ins Schweriner Schloss" vom 5. September

In Mecklenburg-Vorpommern ist etwas Schlimmes passiert. Bei der Wahl am vergangenen Sonntag haben die Nichtwähler der NPD mit in den Landtag verholfen. Da etwa 50 Prozent der Wahlberechtigten zu Hause geblieben waren, hat sich der relative Stimmenanteil ungefähr verdoppelt und so ist die Partei über fünf Prozent gekommen. Sehr viele Wähler wissen offensichtlich nicht, dass die Prozente nur unter den abgegebenen Stimmen aufgeteilt werden. Sie wissen außerdem nicht, dass, wenn ihnen keine Partei zusagt, die sogenannten bürgerlichen Wähler zu Hause bleiben, die sogenannten extremen oder radikalen Parteianhänger aber immer zur Wahl gehen. Da nun die Hälfte der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch gemacht hat, haben sie mit ihrer Enthaltung den relativen Stimmenanteil ungefähr verdoppelt. Meiner Meinung nach sollten diese dämlichen Wahlplakate abgeschafft und dafür nicht unser Steuergeld verschwendet werden. Sinnvoller wäre es, die Bevölkerung darüber aufzuklären, wie eine Wahl funktioniert.

Hedda Kiehne, Charlottenburg

Täglich frische Milchlieferungen mit dem Wagen von Bimmel-Bolle

Zum Artikel: "Durch die Schönholzer Heide ins gemütliche Wilhelmsruh" vom 4. September

Es mag banal klingen, was ich zu sagen habe, aber ich muss einfach mal meinen Senf zum obigen Artikel geben. "Oh mama mia", sagte ich laut zu mir, als ich allein "Schönholzer Heide" las. Als Frühwaise bin ich bei den Großeltern in der Hoppestraße aufgewachsen. Und die gehörte bezirksmäßig zu Schönholz. Und Schönholz wiederum war für uns Kinder das Synonym jeweils für Sommer und Zirkus und im Winter für Rodelbahn. Ja, ganz richtig: Rodelbahn. Denn die Winter damals vor vielen, vielen Jahren, da hieß diese Jahreszeit nicht nur so, da präsentierte sie sich auch so. Bitterkalt und mit Bergen voller Schnee. Und wenn Bimmel-Bolle, der tägliche Frischmilch-Lieferant, auf der Rückfahrt seine leeren Kannen hinten an den Pferdewagen angehängt hatte, dann war für uns Kinder der passende Moment gekommen, um unsere Schlitten daran zu hängen und in Richtung Rodelbahn zu fahren. Und das waren die "Berge" in Schönholz, damals, Ende der sogenannten goldenen 20er-Jahre, als wir die Nachwehen des Ersten Weltkrieges noch nicht ganz überwunden hatten und niemand ahnte, dass einmal sechs Millionen Menschen umgebracht werden würden, nur ihres Glaubens wegen. Wozu auch die beliebten Hausärzte in Schönholz, Hoppestraße/Ecke Provinzstraße, gehörten. Tja, nun raten Sie mal, was ich für ein "junger Hüpfer" bin, der noch derart Authentisches zu berichten weiß?

Erika Stier, Müncheberg