Leserbriefe

Wer kontrolliert Senatsbeschluss?

Der Artikel enthält nur die halbe Wahrheit. Der Senat hat nach Aussagen der rot-roten-Koalition die städtischen Wohnungsunternehmen verpflichtet, bei Neuvermietungen den Mietpreisspiegel anzuwenden. Tatsächlich werden etwa durch die Howoge bei Neuvermietungen bis zu 20 Prozent höhere Mieten verlangt - und das, obwohl Senatsvertreter in den Aufsichtsgremien sitzen. Wie kontrolliert das Abgeordnetenhaus denn nun die Beschlüsse des Senats?

Günter Selig, Lichtenberg

Bezüglich des Artikels über die angekündigten Mietsteigerungen durch städtische Wohnungsbaugesellschaften kann ich nur mitteilen, dass meine Hausverwaltung seit geraumer Zeit uns Mieter darauf hinweist, dass beim Wegfall der Sozialbindung im Jahr 2014 meine Warmmiete von derzeit 520 Euro auf etwa 840 Euro für 58 Quadratmeter Wohnfläche steigen wird. Das ist der helle Wahnsinn! Die plakativen Wahlaussagen der SPD und der Linken zu diesem Thema sind eine unverschämte Verhöhnung der Bevölkerung. Obwohl ich in meinem etwa 40-jährigen Berufsleben keinen einzigen Tag arbeitslos war, werde ich genötigt sein, diese Wohnung mit 72 Jahren aufzugeben.

Hans-Joachim Magnor, per E-Mail

Als Parlamentspräsident oftmals keine gute Figur gemacht

Zum Artikel: "Abschied vom Mann mit dem roten Schal" vom 30. August

Nun verabschiedet sich Walter Momper als Politiker. Aus diesem Anlass sei daran erinnert, dass er noch einen Tag bevor er eine Koalition mit der damaligen Alternativen Liste eingegangen ist, eine solche Verbindung mit Vehemenz bestritten hat. Und den verstorbenen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan stellte er in die Ecke als Kalten Krieger. Dabei hat gerade er in Verbindung mit anderen Staatsmännern die Wende 1989 eingeleitet. Noch im Sommer 1989 sprach Momper sich gegen die Wiedervereinigung aus. Am 9. November 1989 und in den Tagen danach sprach er davon, dass die Grenzöffnung nicht die Wiedervereinigung, sondern ein Wiedersehen sei. Es ist schon erstaunlich, wie oft Momper danebengelegen hat. Und als Parlamentspräsident hat er oftmals auch keine gute Figur gemacht. Es wird also Zeit, dass Momper geht.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Zwischen Tat und Prozess sollte kürzerer Zeitraum liegen

Zum Artikel: "Prozess gegen U-Bahn-Schläger beginnt im November" vom 31. August

Es dürfte auch in der Berliner Justiz unstrittig sein, dass zwischen Tat und Prozess beziehungsweise Urteil nur ein kurzer Zeitraum liegen sollte. Bei voraussichtlich neun Monaten ist dieses Ziel weit verfehlt. Bleibt für die Beschuldigten zu hoffen, dass sie einen "verständnisvollen" Richter haben.

Uwe Marquardt, Mitte

Vorhaben vom rauchfreien Krankenhaus ist gescheitert

Zum Artikel: "Dr. Jonitz: Rauchen ist nicht gesundheitsschädlich!" vom 31. August

Als ehemaliger Leiter der Arbeitsgruppe Krankenhaus-Ordnungsbehörde bei der Senatsgesundheitsverwaltung kann ich bezüglich der wieder geforderten Raucherzimmer in Krankenhäusern dem Ärztekammerpräsidenten nur zustimmen. Während meiner Dienstzeit habe ich mich immer erfolgreich für das Beibehalten der ehemals eingerichteten Rauchertagesräume in Krankenhäusern eingesetzt. Das sogenannte rauchfreie Krankenhaus war für mich immer eine nicht erfüllbare Illusion. Und heute? Es wird verbotenerweise in Treppenhäusern, Gängen, ja sogar unter der Bettdecke und - wie selbst erlebt - am geöffneten Badezimmerfenster des Krankenzimmers munter geraucht. Mit welchen Konsequenzen? Keine! Für mich war das Argument des Brandschutzes in einem Krankenhaus stets höher einzustufen als die Abschaffung der nun einmal vorhandenen Rauchertagesräume. Sicherheit im Krankenhaus hat eben die höchste Priorität. Meiner Kenntnis nach sind alle Bemühungen, ein absolut rauchfreies Krankenhaus zu schaffen, gescheitert.

Hans-Dieter Keicher, Großbeeren

Alternativforschung nicht weiter so stiefmütterlich behandeln

Zum Artikel: "Mehr Tierversuche" vom 17. August

Mit großer Freude habe ich gelesen, dass ein Preis für Alternativen zum Tierversuch in Berlin verliehen wurde. Es macht Mut und lässt hoffen, dass es noch mehr Wissenschaftler gibt, die sich die Mühe machen, den herkömmlichen Weg der fragwürdigen Tierversuche zu verlassen und neue Wege beschreiten. Im Hinblick auf die steigenden Versuchstierzahlen in Berlin wird es Zeit, die Alternativforschung nicht weiter so stiefmütterlich zu behandeln und die Preisgelder anzuheben.

Simone Schulz, per E-Mail