Leserbriefe

"Nicht schlauer als zuvor"

| Lesedauer: 4 Minuten

Wer die Diskussion der fünf Spitzenkandidaten im RBB verfolgt hat, ist nicht schlauer als zuvor. Abgesehen davon, dass die Begrenzung von jeweils sieben Minuten Frage- und Antwortspiel für jeden der Teilnehmer viel zu kurz war, boten auch die beiden Moderatoren nicht gerade ein gutes Bild. Eine derartige Sendung sollte besser vorbereitet sein und den Kandidaten mehr Raum für ihre Darstellungen geben. Was man hörte, war nichts Neues und eröffnete dem Zuschauer nichts. Die Beteiligung von ausgesuchten Oberschülern zeigte überdies auf, dass diese kaum zur Bereicherung der Veranstaltung beigetragen haben.

Wolfgang Pickert, per E-Mail

Welchen Nutzen hat die Wahlsendung des RBB gehabt? Es war der verzweifelte Versuch, eine Sendung nach den Vorgaben von Klaus Wowereit zu entwickeln, was aus Sicht der SPD gelungen sein dürfte, denn alle Kandidaten neben Wowereit wurden mit ziemlich kritischen Fragen bombardiert, die meist nichts mit dem Wahlprogramm zu tun hatten und schon zu Beginn des Interviews immer zum Knock-out des Kandidaten führten. Gut gemachtes SPD-Fernsehen.

Kristopher Jurk, per E-Mail

Kann es noch schlimmer kommen? Wohl kaum. Der RBB blamiert sich bis auf die Knochen und kommt der Informationspflicht eines öffentlich-rechtlichen Senders nicht ausreichend nach. In einem demokratischen Gemeinwesen gibt es nichts Wichtigeres als Wahlen. Darauf fußend organisiert sich der Rechtsstaat. Die Berliner Wahlberechtigten sollten eine angemessene Chance zur Information über die Meinungen der konkurrierenden Parteien und Kandidaten haben. Die teilweise gruseligen Wahlspots außerhalb der Verantwortung des Senders und die mehr als dürftigen Wahlplakate auf den Straßen sind da nicht hilfreich. Nur eine lebhafte Diskussion der Kandidaten hätte den Zuschauern eine gute Informationsmöglichkeit gegeben.

Horst Kretlow, per E-Mail

Obwohl alle Parteien für Haushalten und Sparen von Ressourcen eintreten, betreiben sie eine Materialschlacht, an der wegen der Übertreibung des Umfangs der Wahlplakate jeder Anstoß nimmt. Glauben die Parteien wirklich, dass sie so Wähler gewinnen können? Nur die Partei wird gewählt, die vor den Wahlen durch Taten und nicht durch Sprüche überzeugt hat.

Dieter Wöhlcke, Märkisches Viertel

Berlin leidet immer noch an den Folgen der Teilung

Zum Artikel: "Berlin hat eine bessere Regierung verdient" vom 1. September

Bundeskanzlerin Merkel hat absolut recht. Doch was ist zu beobachten? Obwohl die Regierung in Berlin seit Jahren auf den Feldern der Sicherheits-, Bildungs- und Stadtentwicklungspolitik unterirdische Ergebnisse produziert, wird der dafür in erster Linie Verantwortliche, je näher die Wahl rückt, mit immer besseren Zustimmungswerten belohnt. Merkel hingegen, die unser Land bei allem Gezerre in der Koalition und trotz schwierigster Rahmenbedingungen zumindest auf dem Feld der Wirtschafts- und Finanzpolitik erfolgreich führt, wird von allen Seiten scharf angegriffen. Und das nicht nur vom politischen Gegner, sondern zunehmend auch aus der eigenen Partei.

Gerd Runge, per E-Mail

Nach den Berliner Umfragen muss man schon fragen, wo eigentlich die bürgerliche Mitte in Berlin geblieben ist. Mit gerade mal 25 Prozent (CDU plus FDP) macht diese lediglich ein Viertel aus. Darüber muss sich die CDU unbedingt nach den Wahlen Gedanken machen. Diese Partei scheint so schwach, dass sie nicht einmal hörbar die schlechte Politik des Senats anprangern kann. Sonst wüssten die Leute doch, welche Änderungen die CDU in ihrem Programm verkündet. Und vor allem: Spitzenkandidat Frank Henkel wäre wesentlich bekannter. Aber so wird ein Wahlkampf betrieben, der lahmer nicht sein kann.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Nicht nur Berlin hat eine bessere Regierung verdient, sondern auch Deutschland!

Wolfgang Heller, Westend

Ausnahmsweise muss ich Angela Merkel zustimmen. Aber die Berliner werden wieder diesen überheblichen, selbstgerechten und selbstverliebten Wowereit wählen.

Heinz Joachim Grenzer, Lichtenrade

Zwar sind nirgends die Probleme so krass wie in Berlin, aber eine problematische Sicherheitslage gibt es auch in anderen Großstädten. Wenn Banden aus Ost- und Südosteuropa die Stadt unsicher machen, hat das viel mit der allgemeinen Freizügigkeit zu tun. Berlin leidet immer noch an den Folgen der Teilung. Da müsste der Bund seiner Verantwortung gerecht werden, etwa wenn es um die Finanzierung der Hauptstadtaufgaben geht.

Christian Lubar, per E-Mail