Leserbriefe

"Politik ist überfordert"

Da die Ursachen für die extrem ansteigende Entwicklung bei der Kriminalität politischer Natur sind, sind auch dort die Weichenstellungen zu verändern. Die Polizei ist in ihrer Fähigkeit und Motivation heute nicht von geringerer Qualität, als sie es früher war, allerdings heute wegen Personalmangels stärker belastet. Die zunehmende Kriminalität durch organisierte Banden, die überwiegend aus Ost- und Südosteuropa kommen, war schon mit Wirksamwerden des Schengener Abkommens voraussehbar. Aber alle Befürchtungen wurden vom damaligen CDU-Innenminister Wolfgang Schäuble als unbegründet zerstreut. Kurz danach stieg die Kriminalität in den Grenzregionen an. In den Folgejahren sind die Polizeistärken aus Spargründen zulasten der Sicherheit - nicht nur in Berlin - in unvertretbarer Weise so stark verringert worden, dass die heutige Sicherheitslage nicht mehr als vertretbar hingenommen werden kann. Frau Künast, die sich vor der Wahl nun auch zu Sicherheitsfragen äußert, meinte, dass sie als künftige Regierende Bürgermeisterin die Polizei um 400 Beamte aufstocken wolle. Die Einsicht, dass für die Sicherheit der Hauptstadt Berlin eine Aufstockung der Polizei um mindestens 2000 bis 3000 Beamte erforderlich wäre, hat auch sie nicht. Und so mangelt es in der Politik an der Erkenntnis, wer zulasten der Sicherheit spart, trägt die Verantwortung für die Opfer der Kriminalität. Denn Gewinner dieser Politik ist nur der Kriminelle. Am Ende bleibt ein resignierender Bürger als Opfer schuldhafter Politik zurück.

Harry Döring, per E-Mail

Als Bürger dieser liebenswerten Stadt muss man sich fragen, wo man sich überhaupt noch sicher fühlen darf? Da wird gezündelt, gemordet und geklaut. Man wird auf Straßen belästigt von bettelnden Menschen. Und wenn man nicht reagiert, wird man massiv beschimpft. Scheibenputzer an Kreuzungen werden aggressiv, wenn Autofahrer ihnen das Putzen verwehren. In öffentlichen Verkehrsmitteln wie S- und U-Bahnen kann man sich zu bestimmten Zeiten nicht mehr sicher fühlen. Muss man sich das alles gefallen lassen? Mir scheint, die Politik ist amtsmüde, weil sie überfordert ist.

Eleonore Klein, per E-Mail

Die "Besondere Aufbauorganisation Feuerschein" zur Bekämpfung der Auto-Brandstiftungen ist ein Armutszeugnis. Nicht für die Polizei, sondern für unseren Senat. Wieder wird deutlich, dass die Polizei kaputt gespart wurde. Für diesen Auftrag werden Fremdkräfte eingesetzt, die sehr teuer bezahlt werden müssen. Es fehlen, wie so oft in Berlin, Polizisten. Ich erinnere mich noch an den Fall "Dagobert". Den Einsatz konnte die Polizei sehr aufwendig personell aus eigener Kraft bewältigen, und alle Beteiligten waren hoch motiviert. Unter einem Dienstherrn, der nur verlangt und nicht gibt, geht zwangsläufig die Motivation flöten. Schlechte Bezahlung, viele Überstunden, fragwürdiges Schichtmodell und so weiter. Wir brauchen keinen Innensenator, der uns weismachen möchte, dass "nur" drei brennende Autos ein Erfolg sind.

Gero Neumann, per E-Mail

Autofahrer haben Regierung Strich durch die Rechnung gemacht

Zum Artikel: "Biosprit: FDP hält eigene E10-Strategie für gescheitert" vom 31. August

Die schwarz-gelbe Bundesregierung in Berlin wollte mit dem E 10-Biosprit ihre Macht an der Tankstelle durchdrücken. Zum Glück haben die Autofahrer mit ihrem Tankstreik ihrer Regierung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Mineralölverbände und ihre Konzerne müssen jetzt Strafgelder wegen zu wenig verkauftem E 10- Biosprit zahlen. Leider werden genau diese Strafgelder jetzt bei den Autofahrern wieder eingetrieben, da das herkömmliche Super-Benzin auf einmal drei bis vier Cent teurer geworden ist. Die Dummen sind wieder einmal die Autofahrer.

Albert Alten, per E-Mail

Fehlendes Bemühen um die Gunst des Publikums

Zum Artikel: "Größte Funkausstellung aller Zeiten lockt die Hightech-Fans" vom 26. August

Es ist zwar die größte Funkausstellung aller Zeiten, was die technischen Entwicklungen anbetrifft, doch die Präsenz der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten lässt stark zu wünschen übrig. Vorbei die Zeiten, als noch Großveranstaltungen wie "Der Goldene Schuss" oder "Vergissmeinnicht" von Berlin aus in die ganze Welt übertragen wurden, als die Sender noch mit ihren Tanzorchestern und Big-Bands zehn Tage lang unterm Funkturm um die Gunst des Publikums wetteiferten und sich die Hörfunk- und Fernseh-Redaktionen in öffentlichen Studio-Produktionen in den Messehallen präsentierten. Man hat es scheinbar nicht mehr nötig, um die Gunst des Publikums zu buhlen, obwohl die Privatsender, die gerade bei Jugendlichen immer mehr ankommen und weiterhin auf dem Vormarsch sind.

Thoralf Heider, Reinickendorf