Leserbriefe

"Entscheidungen respektieren"

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Berlin hat mehr als drei Millionen Einwohner. Viele von denen haben über Jahrzehnte in Neukölln, Tempelhof, Spandau und Tegel den Fluglärm geduldig ertragen, weil sie es als normale Begleiterscheinung zum Leben in einer Hauptstadt ansahen. Nun protestiert nicht einmal ein Prozent der Berliner Bevölkerung gegen die geplanten Flugrouten, die in weitaus größerer Höhe den Müggelsee überqueren als dies in Spandau und Tegel der Fall ist. Wo bleibt eigentlich die demokratische Ausgewogenheit? Wäre es nicht an der Zeit, dass Vernunft einkehrt und einmal getroffene Entscheidungen respektiert werden statt ständig zu räsonieren? Vielleicht müsste einfach einmal Basta gesagt werden.

Wolfgang Fiebach, Spandau

Interessant fand ich im Wahlserienteil zum Thema Flughafen BER, dass jeder Politiker andere Fragen gestellt bekam. Wie soll man so die einzelnen Parteien beurteilen? Eines ist jedoch klar: Der Flughafen wird 650 000 Menschen mit Fluglärm belasten, wer am lautesten schreit, wird weniger belastet. Ich höre nie davon, was mit den Anwohnern aus Blankenfelde und Mahlow passieren soll. Können An- und Abflüge nur über diese Region in 300 bis 600 Meter Höhe wirklich als gegeben hingenommen werden? Haben wir halt Pech, weil wir uns dort 2001 ein Haus gekauft haben? Ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr kann es aus wirtschaftlichen Gründen angeblich nicht geben. Nun entscheidet das Gericht in Leipzig erst nach den Berliner Wahlen über das Nachtflugverbot. Schon jetzt wird erst einmal behauptet, das Gericht wird kein Nachtflugverbot beschließen. Es kann doch wohl nicht angehen, dass ein fehlgeplanter Flughafen vielen Menschen die Gesundheit nimmt. Wir sind das Volk!

Annelie Schwenk, Mahlow

Es ist schon seltsam, die Anwohner vom ältesten Flughafen der Welt in Tempelhof wollten ihren Flughafen behalten. Vielleicht wären ein paar Flugzeuge weniger über den Müggelsee geflogen, wenn Tempelhof offen geblieben wäre. So stellt sich für jeden in der Menschenkette um den Müggelsee, der damals für die Schließung des Flughafens Tempelhof gestimmt hat, die Frage, ob das die richtige Entscheidung war. Wir erinnern uns, Anwohner des Müggelsees haben damals im Volksentscheid mehrheitlich für die Schließung des Flughafens Tempelhof gestimmt. Die Politiker von Berlin-Brandenburg müssen sich fragen lassen, ob es nicht besser gewesen wäre, den Flughafen BER nach Sperenberg zu legen und wenn schon nach Schönefeld, dann hätte sich der Fluglärm etwas mehr verteilt, wenn Tempelhof und Tegel offen geblieben wären.

Henning Ebert, Friedenau

Stadtautobahn ist willkommene, mautfreie Transitstrecke

Zum Artikel: "Berlin steht im Stau" vom 19. August

Zehntausende Berliner, die täglich im Stau der Stadtautobahn stehen, fragen sich, was unternimmt der Senat, um den täglichen Verkehrskollaps zu verhindern, der seit der Öffnung des letzten Teilstücks der Stadtautobahn herrscht. Jede umweltbewusste Stadt setzt bei der Entlastung von Schadstoffen oder Lärm auf Umgehungsstraßen für den Transit, die wir mit dem Berliner Ring haben. Vom Schönefelder Kreuz bis zum Kreuz Oranienburg sind es aber 105 Kilometer, auf der Stadtautobahn nur 48 Kilometer, für Lkws und Busse im Transit ohne Maut. Das zieht auch verstärkt Urlaubsreisende an, die die Stadtautobahn vom Südosten oder Süden in den Norden und umgekehrt nutzen. Alles zu Lasten der Menschen, die die Stadtautobahn täglich nutzen, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Viel Spaß allen Flugreisenden, wenn man ab Juni 2012 über diese Stadtautobahn zum Flughafen muss.

Peter Milkau, Heiligensee

Fahrtüchtigkeit auch in Theorie und Praxis überprüfen

Zum Artikel: "Freie Fahrt um jeden Preis?" vom 28. August

Mit Statistiken lässt sich ja prima jonglieren. Wenn die sogenannten Alten zehn Prozent der Unfälle in Berlin verursachen, stellt sich die Frage, wer die restlichen 90 Prozent der Unfälle verursacht? Erwiesen ist auch, dass die Alten lange nicht so rasen, also in der Regel vorsichtiger fahren, weniger betrunken oder unter Drogen am Steuer sitzen. Allerdings steht auch fest, dass viele Alte glauben, das Autofahren ginge besser als das Laufen. Fest steht auch, dass viele Alte sich überschätzen. Aus diesem Grunde bin ich dafür, dass nicht nur Tests der Fahrtüchtigkeit eingeführt werden, sondern auch theoretische und praktische Unterrichtsstunden genommen werden sollten. Ich gehöre mit 73 Jahren zu den Alten und stimme grundsätzlich allen Forderungen des Verfassers nicht nur zu, sondern frage die Alten, ob sie nicht besser mit der BVG in Berlin unterwegs sind? Ich habe dies für mich so entschieden und mein Auto nach mehr als 50 Jahren Fahrerlaubnis verkauft. Ab 1. September werde ich ein neuer BVG-Kunde sein.

Winfried Hochgrebe, Spandau