Leserbriefe

"Zickzack-Kurs ist angebracht"

Die Kritik von Helmut Kohl an Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Teilen ihre Berechtigung. Obwohl man allerdings der Bundeskanzlerin den Trend zum "prinzipienlosen Pragmatismus" nicht alleine anlasten kann. Schließlich hat sich im Laufe der Zeit das Motiv, aus dem Menschen in die Politik gehen, erheblich geändert. Wobei heutzutage vor allem das persönliche Karrierestreben dominiert. Was sich nicht zuletzt an der steigenden Zahl von Politikern zeigt, die nie einen richtigen Beruf in der freien Wirtschaft ausgeübt haben. Deshalb entspricht der fehlende Kompass im aktuellen politischen Tagesgeschehen - auch wenn es sich damit nicht entschuldigen lässt - dem Zeitgeist. Das muss man wohl oder übel zumindest kurzfristig akzeptieren, um die Demokratie überhaupt am Laufen zu halten.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Altkanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Christian Wulff haben völlig recht. Die deutsche politische Führung ist nie so schwach und unberechenbar gewesen wie heute. Statt der standhaften, zuverlässigen und mutigen politische Führungspersönlichkeiten, denen wir den beispiellosen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg und die Wiedervereinigung verdanken, haben wir heute Weicheier und Opportunisten an der Spitze. Leider ist die Opposition auch schwach und blutleer, meckert nur, tut aber nichts.

Jai Menon, Steglitz

Es gab im Deutschen Bundestag noch nie so viele unfähige Politiker aus allen Parteien wie heute, die einfach nicht kapieren, dass durch eine immer weitere Erhöhung der Schulden eine Währung nicht sicherer gemacht wird, sondern dies zum Ruin führt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit ihrem taktischen Lavieren der Krise in keiner Weise gewachsen und muss zusammen mit ihrem CDU-Anhang in Berlin umgehend abgelöst werden, bevor sie noch mehr Schaden anrichtet. Keine irrsinnigen Rettungsschirme und Rettungsbonds helfen, sondern nur die Herauslösung der bankrotten Staaten aus dem Euro-Verbund. Dann können auch diese Länder wieder neu beginnen. Ein Wirtschaftsverbrechen ist der gesetzwidrige Ankauf von schrottreifen Staatspapieren bankrotter Staaten durch die Europäische Zentralbank. Deren Akteure müssen zivil- und strafrechtlich abgeurteilt werden.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Zuerst dachte ich, Altkanzler Helmut Kohl sollte doch lieber Kochbücher kommentieren, dann aber, als ich die Beiträge der Wahlstrategen der anderen Parteien las, wusste ich, der Alte ist immer noch ein Wahlkämpfer und fängt mit der Wahlmasche der Selbstkritik die anderen Parteikämpen ein, die sich dann auch prompt an diese Masche anhäkeln. Zum Schluss kommt dann heraus, dass unsere Kanzlerin es doch gar nicht so falsch macht, denn sie muss wie eine Weide im Wind sich dem Sturm zwischen Amerika und China stellen und sich flexibel an Russland anlehnen. Die Zeiten der deutschen Eichen sind vorbei, auch wenn Kohl dies nur ungern einsehen möchte. Eine kontinuierliche Politik ist bei dem schnellen Wechsel der Gezeiten nicht möglich, ein Zickzack-Kurs zwar schwer begreifbar, aber angebracht.

Renate Quente, Lichtenrade

Die öffentliche Kritik des Bundespräsidenten an Bundeskanzlerin Merkel halte ich in dieser Form für unangemessen. Er hätte seine Anfeindungen über ihre Regierungsarbeit intern mit ihr besprechen müssen, das ist keine Angelegenheit, die für die Öffentlichkeit geeignet ist. Er sollte zurücktreten oder sich zumindest öffentlich entschuldigen.

Margrit Gronwald, Reinickendorf

Entschuldigung bei berechtigter Kritik nicht erforderlich

Zum Artikel: "Justizsenatorin von der Aue fordert Entschuldigung" vom 25. August

Da hat es Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky doch tatsächlich (wieder einmal) gewagt, ein Tabu zu brechen und seine Meinung über bestimmte Richter zu äußern. Wieso sollte er sich entschuldigen, wenn er aufgrund seiner Erfahrung und aus Sorge um den "normalen" Bürger die Wahrheit sagt? Entschuldigen sollte sich der von Klaus Wowereit geführte Senat über seine Katastrophenleistung in der bisherigen Amtszeit.

Uwe Marquardt, Mitte