Leserbriefe

"Merkwürdige Gedächtnislücken"

Ich habe der ersten Verhandlung beim Landgericht Berlin gegen die U-Bahn-Schläger im Zuschauerblock beigewohnt. Es erschien den meisten Zuschauern sehr zweifelhaft, dass die Angeklagten so erhebliche Alkohohlmengen während ihres Angelnachmittags und der Geburtstagsfeier bis nach Mitternacht konsumiert haben wollen (etwa vier bis sechs Flaschen Bier, zwei Flaschen Wodka und eine Flasche Weinbrand, überwiegend mit Cola vermischt). Anlässlich der gezielten Befragung konnten die Angeklagten viele Einzelheiten des Abends zutreffend schildern, nur bei der Misshandlung des Opfers hatte der Täter überraschend Gedächtnislücken, die unmittelbar nach der Tat bei der Flucht und der Fahrt nach Gesundbrunnen nicht mehr auftraten. Zusammenfassend möchte ich den begründeten Verdacht äußern, dass es sich hierbei lediglich um Schutzbehauptungen handelte.

Jürgen Fiedler, per E-Mail

Der Morgenpost war zu entnehmen, dass U-Bahn-Schläger in der Regel durch Fahndungen mithilfe der Videoüberwachung dingfest gemacht werden. Andererseits bewegen sich Brandstifter weitgehend unbehelligt auf den Straßen, da angeblich eine Überwachung nicht möglich ist. Dazu steht in der Koalitionsvereinbarung von SPD und Linkspartei: "Die Videoüberwachung gaukelt Sicherheit nur vor und führt zu Verdrängungseffekten. Die Koalitionspartner sind sich einig, dass eine Videoüberwachung öffentlicher Straßen und Plätze zur Kriminalitätsbekämpfung nicht eingeführt wird." Merke: Ideologie ist eine Einbahnstraße mit Halteverbote für den Verstand.

Bernd Walter, Königs Wusterhausen

Noch ist Altersarmut ein Randthema in unserer Gesellschaft

Zum Artikel: "661 000 deutsche Rentner müssen nebenbei arbeiten" vom 23. August

Jetzt sind es schon 651 000 Rentner, die zwischen 65 und 74 Jahren nach Informationen des Bundesarbeitsministeriums jobben müssen, um mit ihrer kargen Rente über die Runden zu kommen. Auf der anderen Seite beziehen unsere Bundes- und Landespolitiker schon mit 55 Jahren eine üppige Pension - oftmals mehr als 3000 Euro im Monat. Der wohlverdiente, Ruhestand verwandelt sich für immer mehr Rentner in einen Lebensabend voller Maloche, bis der Arzt kommt, und ohne Rücksicht auf die Gesundheit. Noch ist Altersarmut ein Randthema in unserer Gesellschaft. Doch die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse auf Zeit, die gebrochenen Erwerbsbiografien aufgrund von Arbeitslosigkeit und immer weniger feste Dauerarbeitsplätze werden die Altersarmut nicht nur in der Generation Praktikum mittelfristig zu einem Massenphänomen machen. Vor diesem Hintergrund wäre es sinnvoll, wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung die Rente mit 67 zurücknimmt und insbesondere für Langzeitarbeitslose und das Millionenheer der Niedrigverdiener endlich wieder die Mindestentgeltpunkte in der Rentenversicherung einführt.

Albert Alten, per E-Mail

Zweiter Arbeitsmarkt muss endlich eingeführt werden

Zum Artikel: "Webfehler im System" vom 24. August

Der Kommentar müsste eigentlich "Webfehler im Denken" heißen, zeigt er doch einen völlig falschen Denkansatz. Das ganze System Hartz IV ist falsch. Hartz-IV-Empfänger sind Arbeitslose im Wartestand und keine Sozialhilfeempfänger, also arbeitsfähig. Mithin wird es höchste Zeit, dass der schon lange geforderte zweite Arbeitsmarkt endlich eingeführt wird. In Berlin schreit es an allen Ecken und Enden nach Arbeit: verwilderte Grasflächen auf Mittelstreifen, verdreckte Straßenschilder, marode Straßen, verkommene Schulen, Graffiti-Schmierereien allerorts. Aber wir leisten uns 370 000 Langzeitarbeitslose in Berlin. Die Forderung kann daher nur lauten: Schaffung eines zweiten Arbeitsmarktes mit einem Mindeststundenlohn von 12,50 Euro. Das ist etwa der Betrag, den ein Hartz-IV-Empfänger den Steuerzahler kostet, ohne dass dieser Steuern und Sozialabgaben zahlt. Die Kosten für Jobcenter und Sozialgerichte entfielen. Ein Berufsstand aber müsste sich ein anderes Betätigungsfeld suchen: die auf Hartz IV spezialisierten Anwälte, die nach Ungereimtheiten in der Hartz-IV-Berechnung suchen, um den Staat auf dessen Kosten zu verklagen.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Spitzfindige Steuerexperten verwirren die Bürger

Zum Artikel: "Curry to go schmeckt Imbissbuden besser" vom 25. August

Die Richtersprüche und Steueraussagen werden immer unverständlicher. Wie kann man für Currywurst to go nur sieben Prozent Mehrwertsteuer verlangen und für Currywurst im Sitzen 19 Prozent. Diese Entscheidung entbehrt jeder praxisnahen Erfahrung. Generell ist das gekaufte Produkt aber immer das Gleiche. Spitzfindige Steuerexperten verwirren erneut die Bürger.

Lothar Otterstätter, per E-Mail