Leserbriefe

"Politischer Schlamassel"

Der Vorsitzenden der Brandenburger Enquete-Kommission, Susanne Melior, ist zu empfehlen, sich in der Aufarbeitungsszene umzuhören. Der von ihr als "Glücksfall" bezeichnete Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe ist letztlich Ursache für den politischen Schlamassel, in dem sich Brandenburg derzeit befindet. Er war es, der mit den Steigbügeln für die SED/PDS jonglierte; sein Adlatus Matthias Platzeck hat sie dann zum Entsetzen aller DDR-Betroffenen endgültig der zur Linken mutierten Partei hingehalten. Die Nibelungentreue von Frau Melior ist schon grotesk genug, aber sie gibt in dem Interview noch eins drauf. Sie fordert allen Ernstes die Gedenkstätte Gefängnis Lindenstraße an die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten anzubinden. Mit der (ehemaligen) Gedenkstätte Leistikowstraße ist leider genau das passiert. Die traurige Folge: Die Gedenkstätte als solche ist faktisch tot.

Dirk Jungnickel, Lichterfelde

Wer sich mit Manfred Stolpes Biografie beschäftigt, kann wohl kaum von einem Glücksfall für unser Land überzeugt sein. Und in "beiden Systemen studiert", wenn es doch nur um einige Gastvorlesungen an der FU von 1959 bis 1961 ging, ist ja wohl auch ein bisschen gewagt. Der Fernsehsender Phoenix brachte vor etwa zwei Jahren eine Dokumentation über "Kirche in der DDR", wobei zur Sprache kam, dass das einzige "demokratische Gremium", laut Frau Melior, nämlich die Landessynode der DDR-Kirche einen Beschluss gefasst hatte, sich von der SED-Diktatur fernzuhalten, aber etwa 80 Prozent der Kirchenvertreter sich nicht daran hielten und sich verstrickten. Stolpe wurde in dieser Dokumentation als Kirchenfunktionär bezeichnet. Vergessen ist wohl auch, dass sich der damalige Oberkonsistorialrat Stolpe anlässlich der Verbrennung von Pfarrer Brüsewitz wegen der unhaltbaren Zustände in der Kirche in der DDR eilfertigst bemühte, der SED-Führung zu versichern, die Kirche stünde geschlossen hinter ihr. Und was die Stasi-Tätigkeit angeht, so werden die Opfer nie gefragt, wie sie sich dabei fühlen, wenn ihre Pein keine Bedeutung haben soll.

Irmgard Grünberg, Tegel

Ermittlung eines differenzierten Kostenbeitrags möglich

Zum Artikel: "Berlins Senat will Kita-Eltern kontrollieren" vom 18. August

Auch wenn der rot-rote Senat auf sein Gratis-Kita-Angebot stolz sein mag, so kostet diese wichtige vorschulische Erziehungseinrichtung jährlich bald über eine Milliarde Euro. Das wusste man schon vor dieser richtungsweisenden Entscheidung. So sind etwa die angedachten Zeit-Kontrollen in den Kitas auch wegen des dadurch weiter wachsenden Bürokratieaufwands keine Lösung. Da heute jeder eine lebenslange Steuernummer hat, ist es problemlos möglich, alle Eltern je nach Leistungsfähigkeit zu einem Anteil an einem pauschalierten Kostenbeitrag als sogenannte Kita-Steuer mit dem jährlichen Einkommenssteuerbescheid heranzuziehen.

Regina Werpuschinski, Frohnau

Schließung von Tegel wird Senat noch bitter bereuen

Zum Artikel: "Letzter Neubau für Tegel" v. 18. August

Es ist schon erstaunlich, wie stillschweigend die baldige Schließung des Flughafens Tegel von den Bürgern, der Wirtschaft und der Bundespolitik hingenommen wird. Später wird es der Senat noch bitter bereuen. Es ist schon ein Unterschied, ob man in zehn Minuten von Tegel zum Bahnhof Zoo für 15 Euro fährt oder vom künftigen Großflughafen BER in Schönefeld 50 bis 60 Euro in die City bezahlt und auch noch bis zu zwei Stunden benötigt, denn die Stadtautobahn ist schon heute hoffnungslos überfüllt oder durch Unfälle (etwa im Bereich vom Britzer Tunnel) gesperrt. Ich bin selbst ein alt gedienter Taxifahrer. Selbst meine internationalen Fahrgäste schütteln über so viel Kurzsichtigkeit den Kopf.

Manfred Kreimen, Grunewald