Leserbriefe

"Wie Staatskirche behandelt"

Was ist das denn für eine merkwürdig anmutende Geschichte? Haben wir nicht eine strikte Trennung von Kirche und Staat? Warum muss ein Erzbischof einen staatlichen Treueeid ablegen und versichern, die Regierung zu achten und ihr keinen Schaden zuzufügen? Es ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit, dass jeder Würdenträger fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht, und auf dieses hätte er, wenn überhaupt, einen Eid abzulegen. Dieser Eid gehört laut Kirchenexperte Markschies ins Mittelalter. Die Sache wird deutlich, wenn man sich ansieht, wann dieser Treueeid auf die Regierung eingeführt worden ist. Dieser Treueeid wurde zwischen dem Vatikan und dem Deutschen Reich 1933 festgeschrieben. Der jüngst verstorbene Georg Kardinal Sterzinsky hat wahrscheinlich aus gutem Grund bei seinem Amtsantritt auf diesen Treueeid verzichtet.

Rolf Pilgram, Schöneberg

Hier wird feierlich die Tradition des Reichskonkordats mit Adolf Hitler wiederbelebt, des Konkordats, mit dem der Vatikan das Hitler-Regime legitimiert hat und sich für sein Wohlverhalten den Nationalsozialisten gegenüber zahlreiche Privilegien zusichern ließ, die unfassbarerweise bis heute ihre Gültigkeit haben. Haben unsere Politiker jeden Anstand verloren, oder kennen sie unsere Geschichte nicht? Ich frage mich, was Woelki da eigentlich geschworen hat? Wenn er dem Land die Treue schwört, verpflichtet er sich damit nicht auch, sich an unser Grundgesetz zu halten? In dem steht, dass keine Staatskirche besteht. Damit erweist sich aber das ganze Treueschwur-Brimborium aufgrund des Konkordats mit Hitler nicht nur als eine Verhöhnung der Opfer der Nazi-Diktatur, sondern ist auch noch verfassungswidrig. Denn diese Zeremonie und die Privilegien, die die katholische Kirche wegen des Konkordats bis heute genießt, belegen nichts anderes als eine Verfassungswirklichkeit, in der die katholische Kirche von unseren Politikern de facto wie eine Staatskirche behandelt wird.

Ralf Böhm, per E-Mail

Überprüfung der Vergabe der Kita-Plätze ist legitim

Zum Artikel: "Berlins Senat will Kita-Eltern kontrollieren" vom 18. August

Der rot-rote Senat ist stolz auf die Kostenfreiheit im Kita-Bereich, obwohl sich diese Entscheidung in erster Linie wohltuend bei Gutverdienern auswirkt, die noch 2009 jährlich 5600 Euro für einen Kita-Platz bezahlen mussten, während sozial schwache Bürger nur etwa 300 Euro pro Jahr sparen. Wenn der Senat die Notwendigkeit und Richtigkeit der Platzvergabe prüfen will, so ist dies legitim und im Interesse des Landes, das ohnehin am Tropf anderer Länder hängt. Dass zu selten Kinder mit Migrationshintergrund einen Ganztagsplatz belegen, ist hochinteressant und sollte korrigiert werden.

Dieter Meier, Tegel

Geld wäre besser für Kampf gegen den Hunger verwendet worden

Zum Artikel: "Länder müssen 16 Millionen Schweinegrippe-Impfstoff-Dosen vernichten" vom 18. August

Es ist eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit: Da sterben Tausende Menschen am Horn von Afrika den qualvollen Hungertod, und die Gesundheitsminister unserer Bundesländer haben nichts Wichtigeres zu tun, als eine geeignete Müllverbrennungsanlage für die nicht mehr benötigten Impfmittel zur Bekämpfung der Schweinegrippe im Warenwert von 250 Millionen Euro zu finden. Wie viel Sinnvolles und Lebensnotwendiges hätte unser Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) mit diesem Geld in Ostafrika bewirken können?

Roland Klose, per E-Mail

Berliner Museum ist ein Schatz, den es zu erhalten gilt

Zum Artikel: "Zukunft des Charité-Museums ungewiss" vom 18. August

"Das Betreiben des Museums zählt nicht zu den Kernaufgaben der Charité", heißt es aus der Charité. Daher sei eine Finanzierung aus Erlösen der Krankenversorgung oder aus dem Landeszuschuss für Forschung und Lehre unzulässig. Sicher, früher hatte ein medizinhistorisches Museum andere Aufgaben als heute. Auf der anderen Seite ist aber das Museum ein Schatz, den es zu erhalten gilt. Was ein solches Museum nicht sein sollte: ein Gruselkabinett für die Öffentlichkeit. Da wäre man ganz nah bei den "Körperwelten" des Herrn von Hagens. Im Ausland wird die Charité oft in einem Atemzug mit dem Rudolf-Virchow-Museum genannt. Und warum das Museum nichts mit Lehre und Forschung zu tun hat, müsste man erst einmal begründen. Man fragt sich, ob denn die "Geschichte der Medizin" als Fach auch nicht mehr zu den Kernaufgaben einer Medizinischen Fakultät gehört. Mit seiner Sammlung ist Rudolf Virchow nicht nur als Pathologe, sondern auch als Anthropologe unvergessen. Berlin sollte stolz auf das Charité-Museum sein.

Prof. Dr. Volkmar Schneider, Lichtenrade