Leserbriefe

"Euro-Bonds sind keine Lösung"

Deutschland als Hauptzahler ist selbst mit 1,5 Billionen Euro verschuldet und soll trotzdem für die defizitäre Haushaltspolitik der übrigen EU-Staaten geradestehen. Wir schlittern in eine Transferunion, die dem EU-Vertrag widerspricht. Nur das Bundesverfassungsgericht könnte noch eine Rettung deutscher Stabilität einfordern. Unsere Regierenden haben schon längst deutsche Interessen auf dem Altar der Umverteilung geopfert. Man fragt sich, wie es eigentlich europäischen Ländern wie Dänemark, Norwegen, England, Schweden und der Schweiz ohne den Euro geht? Schlechter? Ich denke, die sind heute glücklich, nicht in der Euro-Zone für die Haushaltssünder haften zu müssen.

Hanns-Jörg Fiebrandt, Lankwitz

Euro-Bonds setzen den regulierenden Mechanismus, wonach höhere Staatsschulden höhere Zinsen für neue Kredite auslösen, außer Kraft. Das würden die Schuldenstaaten nutzen, um eigene Sparanstrengungen zu vermeiden und weiter auf Pump zu leben. Das wäre ein Fass ohne Boden und würde Deutschland und seine Steuerzahler überfordern. Und das, wo wir noch nicht einmal unseren internen Länderfinanzausgleich solidarisch hinbekommen.

Olaf Hessemer, Konradshöhe

Euro-Bonds sind vergleichbar mit unserem Länderfinanzausgleich in der Bundesrepublik. Undisziplinierte Länder leben auf Kosten disziplinierter Länder. Wenn man einem operierten Patient nicht rechtzeitig die Gehhilfen wegnimmt, kann er nie mehr ohne laufen. So wird es uns mit den Euro-Bonds ergehen.

Wolfgang Schwaneberg, Charlottenburg

Deutschland wird von den Ratingagenturen mit AAA eingestuft. Wie würden aber die Bundesländer abschneiden, wenn man sie einzeln bewerten würde? Das Gleiche gilt für die USA. Sie werden mit AA+ eingestuft, obwohl es bestimmt einige Bundesstaaten gibt, die besser oder sogar noch schlechter abschneiden würden. Weshalb also wird in Europa jeder Staat einzeln bewertet und nicht Europa als Einheit betrachtet? Euro-Bonds wären da der erste Schritt in die richtige Richtung, um Europa als das zu sehen, was es ist, nämlich eine einheitliche Wirtschaftsmacht. Das kann aber nur klappen, wenn es dann auch eine einheitliche Behörde gäbe, welche mit Vollmachten ausgestattet wäre, um Einfluss auf die Wirtschaftspolitik der einzelnen verschuldeten Staaten zu nehmen.

Werner Otto, Lichtenrade

Die Geschichte mit den Euro-Bonds ist mehr als dümmlich, denn dann haften die Deutschen für die Schulden anderer Länder, und dies ohne Möglichkeit, in die jeweiligen Volkswirtschaften eingreifen zu können. Mit armen Ländern und mit armen Leuten macht man keine solchen Geschäfte, nur mit finanziell ebenbürtigen Dritten kann man solche Bonds zeichnen.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte

Euro-Bonds sind keine Lösung. Damit würde Deutschland die Schulden der Krisenstaaten übernehmen. Deutschland müsste damit jährlich 47 Milliarden Euro mehr an Zinsen zahlen und würde voll für die anderen EU-Staaten haften.

Eric Will, per E-Mail

Bei aller europäischen Solidarität sollten die Deutschen jetzt erst einmal die eigenen Schuldenprobleme des Bundes und der Bundesländer in Ordnung bringen, um endlich wieder mehr politische Gestaltungsspielräume zu gewinnen.

Jean Wandkowski, Frohnau

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main mutiert zur größten Geldverbrennungsanlage der Welt. Warum? Die EZB hat bisher für fast 100 Milliarden Euro die Staatsanleihen maroder Euro-Schuldenländer aufgekauft, um angeblich eine weitere Weltfinanzkrise zu verhindern. Ursprünglich sollte die EZB aber Unabhängigkeit, Stabilität und Wohlstand verkörpern und der Euro als Währung letztlich genauso hart wie die D-Mark sein. Die EZB steht jetzt am Scheideweg: Good Bank oder Bad Bank? Mit nur elf Milliarden Euro Eigenkapital kann es sich die EZB nicht erlauben, im großen Stil noch weitere Staatsanleihen zu kaufen. Damit wäre sie wie einst die Hypo Real Estate nichts anderes als eine Bad Bank, die beim Platzen der nächsten Finanzblase als systemrelevant mit dem Geld der Steuerzahler gerettet werden müsste.

Roland Klose, per E-Mail

Was nicht beachtet wird, ist, dass Länder mit hohen Schulden auch eine riesige Anzahl von Beamten haben - in Amerika wie in Europa. Der Anteil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst an der Bevölkerung beträgt in Griechenland 7,3 Prozent, in den USA 7,4 Prozent, in Frankreich 8,3 Prozent. Deutschland hat mit 4,6 Prozent - was etwa 3,8 Millionen Menschen entspricht - die niedrigste Staats-Beschäftigten-Quote und die niedrigsten Schulden.

Karl Moch, Alt-Pichelsdorf