Leserbriefe

"Schule ist kein Wahlkampfthema"

Es ist in Berlin ganz sicher ein Phänomen, dass die verfehlte Schulpolitik so gut wie keine Rolle im Wahlkampf spielt. Erstaunlich ist allerdings, dass dies auch von den maßgebenden Oppositionsparteien nicht als Thema im Wahlkampf abgehandelt wird. Zum einen liegt dies daran, dass die Grünen ebenfalls eine Schulpolitik eher linken Zuschnitts bevorzugen. Zum anderen hatte die CDU jahrelang als Regierungspartei die Möglichkeit, hier Änderungen vorzunehmen. Was will man nun von diesen Parteien erwarten? Leider spricht der Senat und der zuständige Senator Jürgen Zöllner (SPD) seinen eigenen Thesen Hohn, wenn unsinnige Methoden eingeführt, marode Schulgebäude nicht saniert und Lehrer nicht eingestellt werden, auf der anderen Seite aber gerade von SPD-Seite immer wieder die Vordringlichkeit der Bildungspolitik festgestellt wird. Angriffsflächen hätte die Opposition genügend, aber sie werden nicht genutzt. Und wie es aussieht, wird sich nach der Wahl nichts ändern.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Richtig ist, dass dieser Senat trotz 23 Reformen es mal wieder nicht geschafft hat, für ausreichend und qualifizierte Lehrer zu sorgen. Als aktiver Elternvertreter konnte ich über 30 Jahre die Entwicklung an den Berliner Schulen verfolgen. Meine erste Feststellung: Die Mitwirkung der Eltern hat immer mehr nachgelassen. Zweitens: Die Reforminflation hat Unruhe und Verwirrung gebracht für Eltern, Lehrer und Schüler. Drittens: Die Schulen selbst sind immer mehr verkommen und verschmutzt. Aber das Wichtigste: Die Qualität der Lehrer hat immer mehr nachgelassen. Lehrer sind häufig ungeeignet, unsere Kinder zu unterrichten. Lehrer ist eben kein Beruf, sondern sollte eine Berufung sein. Dafür ist dringend erforderlich, dass sie vor dem Studium in einem Praktikum feststellen, ob sie den Umgang und der Belastung mit den Kindern und Jugendlichen gewachsen sind. Wenn dann noch überflüssige Verwaltungsarbeit, schlechte Arbeitsbedingungen, und mangelhafte finanzielle Anerkennung hinzukommen, fehlt natürlich die Motivation.

Karl von Freyhold, per E-Mail

"Die Kinder sind unsere Zukunft" hört man laufend in politischen Statements. Was sollen eigentlich diese Sonntagsreden, wenn sich Politiker in der Realität des gesellschaftlichen Alltags nicht daran halten und genau das Gegenteil machen, nämlich Schulen und Kinderspielplätze verkommen lassen und nicht für die notwendige Personalausstattung sorgen? Vor allen Dingen die SPD trägt mit ihrer unsinnigen Sparpolitik nach dem Rasenmäherprinzip einen Großteil der Verantwortung an dieser Misere, die uns gesellschaftspolitisch immer mehr schaden und auch kosten wird. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, doch ich sehe sehr wohl einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Kriminalisierung von Jugendlichen und den Einsparungen gerade im Schul- und Jugendbereich.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Wo bitte steckt da der Arbeits- oder Verwaltungsaufwand?

Zum Artikel: "Sparkasse begnügt sich mit Gebührenerhöhung auf fünf Euro" vom 13. August

Merkwürdigerweise hat mir die Sparkasse bereits in den vergangenen Jahren sieben Euro pro Monat für mein Guthabenkonto abgeknöpft. Die angekündigte Erhöhung nahm ich nun zum Anlass, das Institut zu wechseln. Bei der Sparkasse bot man mir daraufhin an, mein Konto für zwei Euro weiter zu führen. Dieses Gefeilsche entlarvt das Klagen der Sparkasse über die hohen Unkosten als pure Beutelschneiderei. Es stimmt: Hohe Zinseinkünfte kann ein Guthabenkonto der Bank naturgemäß nicht bringen. Aber wo entstehen denn hohe Unkosten? Die Software arbeitet Ein- und Ausgänge automatisch ab, genau wie bei jedem anderen Konto - praktisch zum Nulltarif. Es ist schleierhaft, wie es bei einem Guthabenkonto, bei dem ein Überziehen unmöglich ist, zu einem kostenintensiven Pfändungsverfahren kommen soll. Und wieso nimmt man dafür ausgerechnet die Gruppe der Einkommensschwachen in Sippenhaft? Der fortschreitende Klassenkampf von oben, bei dem sich der Wohlstand an der Armut bereichert, treibt immer schamlosere Blüten.

Willi Butz, per E-Mail

Es ist schon beeindruckend, mit welcher Kaltschnäuzigkeit versucht wird, Kohle zu machen. Bei einem Guthabenkonto ist die Führung mit Sicherheit leichter zu bewerkstelligen als bei einem "normalen" Konto. Wo bitteschön steckt da der Arbeits- oder Verwaltungsaufwand? Die Sparkasse würde am liebsten die Konten mit Schufa-Vermerk aus ihrem Angebot streichen; haben die doch einen negativen Touch und werfen auch keine Gewinne ab. Die Mitarbeiter des Geldinstituts sind doch gehalten, Finanzprodukte jedweder Art zu verkaufen, Hauptsache der Umsatz stimmt. Ob es dabei immer zum Vorteil des Kunden gereicht, steht auf einem anderen Blatt.

Peter Ollarius, Wittenau