Leserbriefe

"Eine Ehre für die Stadt"

Der angekündigte Besuch von Papst Benedikt XVI. am 22. September in Berlin ist neben den Abgeordnetenhauswahlen das Ereignis in Berlin in diesem Jahr. Bei aller kritischen Distanz, die man zur katholischen Kirche haben kann: Unser deutscher Papst ist der Vertreter Gottes auf Erden und geistliches Oberhaupt von knapp zwei Milliarden Gläubigen auf der ganzen Welt. Da ist sein Besuch auf jeden Fall eine besondere Ehre für unsere Stadt.

Edeltraut Briese, per E-Mail

Ich kann der Berichterstattung zum Papstbesuch nicht folgen. Preußen war seit dem vierzigjährigen Krieg protestantisch geprägt, seit der DDR-Zeit ist ein Großteil der im Ostteil lebenden Menschen atheistisch. Der Bevölkerungsanteil der Katholiken in Berlin liegt bei neun Prozent. Was will Herr Ratzinger hier? Ich lehne es ab, mit meinen Steuern eine Werbetour für eine Institution zu unterstützen, die in der Vergangenheit Inquisition betrieben und damit auch noch nicht gebrochen hat. Dann müsste ich auch andere, in Berlin ansässige islamische Gruppen unterstützen. Die sind zahlenmäßig stärker vertreten.

Björn Specht, Hohenschönhausen

Spürbare Angst, Regierende Bürgermeisterin zu werden

Zum Artikel: "Künast fällt in neues Umfragetief" vom 11. August

Dass die Umfragewerte für Renate Künast (Grüne) immer weiter nach unten gehen, ist nicht verwunderlich. So, wie sie den Wahlkampf führt, muss man eher davon ausgehen, dass sie Angst hat, Regierende Bürgermeisterin zu werden. Die Grünen kritisieren mit Recht die schlechte Politik des rot-roten Senats. Aber nach der Wahl wollen sie mit der SPD regieren, anstatt mit der CDU ein neues, frisches Denken umzusetzen. Und dass die SPD mit ihrem Wahlspruch "Berlin verstehen" wohl erneut als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen wird, kann einen nur entsetzen. Diese Politik hat Berlin nur geschadet. Fehlendes Personal in Kitas, Schulen, Finanzämtern, Bürgerämtern, Polizei; Straßennetz und öffentliche Gebäude kaputt, hohe Arbeitslosigkeit, viele Hartz-IV-Bezieher, schlechte Integrationspolitik und vieles mehr. Dass die SPD da von einer erfolgreichen Politik spricht, ist blanker Hohn.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Elend durch falsche Finanz- und Subventionspolitik

Zum Artikel: "Hunger in Afrika: Bob Geldof hält Deutsche für zu knauserig" vom 11. August

Als Bob Geldof 1984 zur Hilfe für Äthiopien aufrief, unterzogen zur selben Zeit gerade der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank die afrikanischen Staaten strenger Strukturanpassungsprogramme. Eine Entschuldung dieser Länder hätte Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrt. Doch das Gegenteil war der Fall. In ganz Afrika zerstörten der IWF und die Weltbank die nomadische und kommerzielle Viehhaltung und die Agrarinfrastruktur und destabilisierten deren Regierungen bei Bedarf. Abwertungen der Währungen wurden erzwungen, was die Preise für essenzielle Exportartikel verteuerte. Freihandelszonen wurden eingerichtet, Wasser privatisiert, Wasserstellen und Brunnen wurden aus Kostengründen nicht mehr gewartet und versiegten zum Teil. Klimatische Faktoren oder auch Bürgerkriege spielen bei Hungersnöten zwar eine Rolle, aber in erster Linie ist es die internationale Agrarlobby, die mithilfe von IWF und Weltbank auf perverse Weise durch ihr subventioniertes Nahrungsmittelüberangebot die Märkte flutet, was so erst zu Hunger und Verarmung der Bauern in Afrika geführt hat. Ein Kind, das heute auf der Welt verhungert, verhungert genau deshalb, weil es zu viel Nahrung auf der Welt gibt. Zwei Mütter verlieren in Afrika pro Sekunde ihr Kind auf diese Weise. Das tut richtig weh.

Uwe Weiß, per E-Mail

Die Grünen sind die neuen Freidemokraten

Zum Artikel: "FDP-Chef Rösler verspricht Steuerentlastungen für 2013" vom 6. August

Nach 100 Tagen als FDP-Bundesvorsitzender zeigt Philipp Rösler, wie überflüssig die Liberalen im bundesdeutschen Parteiensystem sind. Nach den wiederholten Wahlniederlagen und den aktuellen Umfragen liegt die Rösler-Truppe deutlich unter der Fünfprozenthürde. Neue Ideen, Programme oder gar neues Personal sind Mangelware in der FDP. Als Mehrheitsbeschaffer und sogenanntes Zünglein an der Waage hat die liberale Partei mehr als 40 Jahre oftmals als Juniorpartner von CDU und SPD fungiert, ohne selbst Akzente zu setzen. Als Klientel-Partei der Reichen und Besserverdienenden kann die FDP keinen Blumentopf oder gar Wahlen mehr gewinnen. Die Wähler favorisieren längst die Grünen als ihre neue liberale Partei, die weit mehr zu bieten hat als Steuergeschenke an die Hoteliers.

Albert Alten, per E-Mail