Leserbriefe

"Politiker auf Stimmenfang"

Inhaltloser könnte der Wahlkampf kaum sein. Auf Plakaten werden höchstens plakative Formeln ohne Inhalt verkündet. Mancher Politiker wie CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel verzichtet selbst darauf und wirbt nur mit seinem Konterfei um die Wählergunst. Warum sollte er die bekommen? Offensichtlich geht es nur um einen gewissen Wiedererkennungseffekt, der dann am Wahltag zum Kreuz an der richtigen Stelle führen soll. Kümmerlich. Ein Agreement zwischen allen Parteien für einen Verzicht auf Wahlplakate wäre eine wunderbar demokratische Botschaft an das Wahlvolk, würde einem ordentlichen Stadtbild dienen und zu einer besseren Chancengleichheit führen. Für das so eingesparte Geld gäbe es sicherlich eine sinnvolle Verwendung zum Wohle der Stadt.

Klaus Bremer, Friedenau

Klaus Wowereit tingelt jetzt wegen der anstehenden Wahl von einer Veranstaltung zur nächsten. Bedenken sollte man bei der Wahl, dass wir auch wirtschaftlich sachverständige Politiker brauchen, denn die Wirtschaft ist die Grundlage einer jeden Gesellschaft. Wer stets mehr ausgibt, als er einnimmt, handelt verantwortungslos. Wowereit hat den Flughafen Tempelhof geschlossen, wird auch Tegel schließen, obwohl die Zukunft noch nicht klar ist. Wie wichtig das Erkennen der wirtschaftlichen Verhältnisse ist, werden wir erst merken, wenn die Währungskrise ihren Höhepunkt erreicht hat.

Gottfried Hecht, per E-Mail

"Berlin verstehen" - mit diesem Slogan wirbt die Berliner SPD um die Wählergunst für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus am 18. September. Sinn- und inhaltsleerer kann politische Werbung kaum sein. Die Berliner SPD versteht die Stadt also, weiß, welche Probleme auf ihr lasten, und vor allem, wie man sie löst. Diese Kompetenz dürfte in den vergangenen zehn Jahren, die seit der Wahl von Klaus Wowereit zum Regierenden Bürgermeister vergangen sind, allerdings nur gut eingeweihten Insidern aufgefallen sein. Steigende Gewaltkriminalität, brennende Autos, marode Verkehrsachsen, langwieriges S-Bahn-Chaos, Schneeräumchaos, mehr als 100 000 Stunden Unterrichtsausfall im Schuljahr, verfallene Schulen, zunehmende Verwahrlosung des öffentlichen Raums. Bürgerämter, die unter dem "Ansturm" des Alltags kollabieren, eine nach wie vor bedrückend hohe Arbeitslosigkeit und eine beständig steigende Schuldenlast. Die Bilanz des SPD-geführten Senats ist ernüchternd. Wenn jemand nichts verstanden hat, dann die SPD und der von ihr seit knapp einem Jahrzehnt geführte Senat.

Karsten Grabow, per E-Mail

2011 hat der Berliner Senat mit Anerkennung aller Mieter- und Vermieterverbände den Mietspiegel 2011 genehmigt. Saftige Mieterhöhungen sind in Berlin die Folge. Im Wahlkampf plakatieren die Linke "Mieter vor Wild-West schützen" und die SPD "Mieter und Schutz". Wer trägt hier die Verantwortung für die Mieterhöhungen der letzten Jahre, die Opposition oder die Regierung? Der Wähler hat am 18. September Gelegenheit, diese Frage zu beantworten.

H.-J. Schiemann, per E-Mail

Ich weiß nicht, ob das bloß auf die Alternative hinausläuft: "Zum dritten Mal: ... und das ist gut so." Ob man in Berlin nicht besser beraten wäre, wenn es mal nicht mehr unter "arm, aber sexy" wahrgenommen wird, sondern mal in anderer Weise ernst genommen wird. Bei der Bundesregierung sind entscheidende Veränderungen pro Berlin möglich, dabei muss aber auch das Klima in Berlin so sein, dass man dem zustimmt.

Jürgen Spiegel, per E-Mail

Na klar, es ist Wahlkampf in Berlin. Da muss jeder Politiker auf Stimmenfang gehen. Aber deshalb dürfen Realitäten nicht verdreht oder Aussagen gemacht werden, die unwahr sind. Wenn sich etwa Gregor Gysi (Linke) hinstellt und behauptet, dass nur in Berlin Flugrouten so intensiv über Wohngebiete verlaufen, sollte er einen Blick auf London werfen. Dort gibt es einen City-Airport quasi direkt an der Themse, und die Warteschleifen des Flughafens Heathrow führen auch für große Jets in 1000 Meter Höhe - teilweise auch darunter - über das Stadtgebiet. Das gibt es nicht mal in Berlin. Berlin ist eine europäische Metropole. Dazu gehört auch ein stadtnaher Großflughafen - mit moderater Nachtflugerlaubnis.

W. Dahlke, per E-Mail

Korrektur

Zum Artikel: "Fliegerbombe legt City West lahm" vom 12. August

In der Berichterstattung haben wir fälschlicherweise berichtet, dass die Veranstaltung bei den "Wühlmäusen" wegen der Bombentschärfung frühzeitig beendet und außerdem Kinobesucher verärgert waren. Das ist falsch. Richtig hingegen ist, dass bei der Veranstaltung im Kabarett-Theater "Die Stachelschweine" aus Zeitgründen auf die Pause verzichtet wurde. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung.