Leserbriefe

"Verlierer verfehlter Politik"

Natürlich sind diese Randalierer, die keinen Respekt vor dem Leben, der Gesundheit und dem Eigentum ihrer britischen Landsleute zu haben scheinen, Kriminelle. Diese jungen Menschen besitzen in der Tat keine Werte, es sei denn, man würde die Gier als einen Wert definieren. Gierig sind diese Leute, gierig darauf, im Rampenlicht zu stehen, gierig darauf, etwas zu erleben, gierig darauf zu konsumieren - und sei es durch Diebstahl. Und - ja natürlich - gierig darauf, Macht und Gewalt auszuüben. Die Gier nach Macht und Gewalt verbindet diese britische Jugend mit der - wohl überwiegend männlichen - Jugend in anderen europäischen Staaten, auch in Deutschland. Die Lust, sich auszutoben, hat auch hier eine erschreckende Dimension erreicht. Die brutale Rücksichtslosigkeit, die uns alltäglich begegnet, ist unfassbar. Werte aber kann man nicht kaufen oder verkaufen, Werte müssen Kindern und Jugendlichen durch Erziehung und durch Vorbilder vermittelt werden. Kindern und Jugendlichen muss daher unter anderem vermittelt werden, dass die Gier nach Konsum, dass der Egoismus keine Werte sind - weder für Arme noch für Reiche.

G. Bluhm, per E-Mail

England zeigt, dass Multikulti und nicht mehr beherrschbare zu hohe Zuwanderung von Nichteuropäern nicht funktionieren. Das Verhalten der deutschen Linksextremisten zeigt die Notwendigkeit absoluter Nulltoleranz auch gegenüber diesen Feinden unserer Demokratie.

Uwe Marquardt, Mitte

Tausende Jugendliche zeigen mit Gewalt und Brandstiftung in London, Liverpool und anderen Städten in Großbritannien, dass sie nicht länger die Verlierer einer verfehlten Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik sein wollen. Wer Geschäfte plündert und Autos in den Straßen anzündet, hat nichts mehr zu verlieren. Ob in Spanien, Italien oder Frankreich: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene zählen sich zu einer verlorenen Generation ohne Zukunft, die im Hass auf die Politiker und Geldeliten ihr Ventil gefunden hat. In Deutschland hingegen bleibt die Generation Praktikum ruhig und ist froh, wenn Leiharbeit, Zeitarbeitsverträge und unterbezahlte Minijobs sie kurzfristig vor dem Hartz-IV-Absturz bewahren.

Albert Alten, per E-Mail

Man kann nur hoffen, dass diese Welle von Gewalt nicht noch nach Deutschland überschwappt. Soziale Not bei den mittleren und ärmeren Bevölkerungsschichten tragen bestimmt nicht zum sozialen Frieden bei. Im Zusammenhang mit England von einer Neiddebatte zu sprechen ist fehl am Platz. Maßgeblich wird die Sparwut der Regierung bei sozialen Projekten sein, bei gleichzeitigen Mieterhöhungen, die Wohnungen in den Städten schlicht unbezahlbar machen. In Berlin zeichnet sich Ähnliches ab, angestammte beziehungsweise langjährige Mieter werden aus ihrem Kiez vertrieben, und Otto Normalverbraucher weiß schon lange nicht mehr, wie er über die Runden kommt.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Ich kann die Einschätzung von Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky nicht nachvollziehen, wenn er meint, dass es eines Nährbodens für derartige Ausschreitungen bedarf und es in England regelrechte Elendsviertel gibt, wo Menschen auch das Gefühl haben, gesellschaftlich ausgegrenzt zu sein. Dies haben wir doch alles auch in Berlin. Diese soziale Kluft ist doch in einigen Bezirken schon lange präsent. Wenn Europa die Euro-Krise nicht in den Griff bekommt, werden auch wir in Deutschland sehr bald Einsparungen im Staatshaushalt bekommen, da wir für einen Großteil der Schulden anderer Länder haften müssen. Diese Kürzungen potenzieren die jetzigen Probleme, und das hat dann schwerwiegende Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Also sollte die Politik nicht immer mit dem Finger auf andere Länder zeigen, sondern in Deutschland ihre Schulaufgaben machen. Dass die unterbesetzte, überforderte Berliner Polizei in der Lage wäre, einer ,,blindwütigen Konsumtruppe" etwas entgegenzusetzen, muss stark bezweifelt werden.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Wirtschaft setzt nach XXL-Aufschwung zur Landung an

Zum Thema: "Angst vor Chaos auf den Märkten wächst" vom 8. August

Der Aktienmarkt ist das Fieberthermometer der Volkswirtschaft. Er zeigt Überhitzung an und Abkühlung, und das in der Regel recht zuverlässig und etliche Monate im Voraus. Der jüngste Kurssturz beim Aktienindex Dax ist deshalb ernst zu nehmen. Das Signal ist klar: Die Wirtschaft setzt nach ihrem XXL-Aufschwung zur Landung an. Offen ist nur, ob sie sanft oder hart fällt. Deutschland, das die meisten seiner Hausaufgaben gemacht hat, dürfte besser durch die sich abzeichnende holprige Wegstrecke kommen als andere.

Hanskarl Hindenberg, Zehlendorf