Leserbriefe

"Hilf- und kopflose Aktionen"

Angesichts der prekären Weltwirtschaftslage wirken die Aktionen aller Politiker, aber insbesondere die unserer CDU/FDP-Regierung, hilf- und kopflos. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Zukunft und befürchte in naher Zukunft große soziale Unruhen mit Gewaltexzessen in ganz Europa. Unser System der Finanzmärkte steht kurz vor dem Kollaps, Vergleiche mit dem Ende der DDR drängen sich auf. Das Schlimme daran ist: Es war voraussehbar! Einer unserer wenigen Politiker, die mit wirtschaftspolitischem Sachverstand ausgestattet sind, ist Oskar Lafontaine. Sein Rücktritt als Finanzminister der Schröder-Regierung war keine Fahnenflucht, wie immer wieder diffamierend behauptet wird, sondern einzig und allein der Erkenntnis geschuldet, dass unkontrolliert agierende Finanzmärkte bald in eine schlimme Weltwirtschaftskrise führen werden. Vielleicht wacht man jetzt endlich einmal auf.

Roman Hensel, Lichtenrade

Angesichts der Unruhe an den Aktienmärkten macht sich Morgenpost-Autor Thomas Exner Sorgen, weil angeblich alle Anleger ärmer geworden sind, denn der Zins liegt unter der Inflationsrate. Mich erschüttert vielmehr, dass die neoliberale Scheinphilosophie des Herbeisehnens von Nachtwächterstaaten, einer unvernünftigen Wettbewerbsideologie und der Befeuerung versessener Profitgier Wohlstand und Armut immer weiter auseinanderdriften lässt. Für Exner hat sich die Politik durch die letzte Weltwirtschaftskrise eher durchgewurschtelt. Diese Einschätzung kann ich nicht teilen, sieht man von der jetzigen Regierung ab. Die große Koalition hat jedenfalls ein zweites 1929 zunächst einmal verhindert. Desgleichen gilt für Barack Obama, auch wenn er von der Opposition gezwungen wird, auf eine gerechtere Beteiligung der Konzerne und Superreichen zu verzichten. Richtig ist, dass die Gefahr von künftigen Crashs auf den Finanzmärkten keinesfalls gebannt ist. Nun ist es die Aufgabe der Politik, auf globaler Ebene die überbordende Spekulation mit einer Umsatzsteuer für Finanztransaktionen zu zähmen und einen Kapitalismus zu kreieren, dessen oberste Priorität Nachhaltigkeit und nicht die kurzfristige Renditeoptimierung ist. Und das kann nur gelingen, wenn die absolut überwiegende Mehrheit der Nutznießer des wohlen Konsums nicht auf die Hetze und die Lügen einer Tea Party hereinfällt. Denn wir alle brauchen mehr Investitionen zur Sicherung des Fortbestehens der Zivilisation. Heftige Konjunkturschwankungen sind da nur hinderlich.

Wolf Niese, per E-Mail

Nicht nur die USA, Griechenland, Spanien oder Italien befinden sich in der Schuldenfalle, sondern auch Deutschland. Unser Land hat etwa zwei Billionen Euro Schulden, eine unvorstellbare Summe. CSU-Finanzminister Franz Josef Strauß sprach vor etwa 40 Jahren vom "süßen Gift der Schulden". Recht hatte er. Nach Jahrzehnten des Lebens auf Pump scheint es so, dass die Philosophie der Schuldenmacherei gescheitert ist. Es geht nicht mehr. Die Staatsfinanzen müssen rigoros in Ordnung gebracht, die öffentlichen Haushalte ohne Schulden ausgeglichen werden. Daher müssen umgehend Steuern erhöht, eine Pkw-Maut für unsere Autobahnen eingeführt und sämtliche Ausgaben überprüft werden. Es geht nicht, dass für alle Wechselfälle des Lebens der Staat aufkommt. Nur wenn der Grundsatz, nur so viel ausgeben wie auch eingenommen wird, befolgt wird, kann die Krise bewältigt werden.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

40 Prozent der Neugeborenen mit Migrationshintergrund

Zum Artikel: "Nachwuchs - Deutschland bleibt EU-Schlusslicht bei Geburten" vom 29. Juli

Seit Jahren geht die Geburtenzahl in Deutschland kontinuierlich nach unten. Laut aktuellen Berechnungen liegt sie nun nur noch bei 1,36 Kindern pro Familie. Familien mit hohen Einkommen halten sich bewusst zurück, und ein großer Teil der Familien, die sich eigentlich keine Kinder leisten können, schaffen sich oft mehrere an. Diese Kinder haben es dann in unserer Gesellschaft schwer. Ein wenig mulmig wird einem schon, wenn man an die Zukunft denkt, da von den geborenen Kindern mehr als 40 Prozent einen Migrationshintergrund haben und sich dieser Anteil in Zukunft sicherlich noch erhöhen wird. Die Politik ist gefordert, die Stellschrauben zugunsten einer höheren Geburtenrate neu zu justieren.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Fatale Entwicklung wird zu weiteren Missständen führen

Zum Artikel: "Berlin verliert die Hälfte aller Sozialwohnungen" vom 8. August

Diese fatale Entwicklung wird immer dramatischer, große Missstände sind programmiert. Und was tut der Senat? Die zuständige Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will von allem nichts wissen. Man fragt sich, was die Sozialpolitik in diesem Land eigentlich noch wert ist.

Chris Lauber, Zehlendorf