Leserbriefe

"Schwer zu ertragendes Urteil"

Der Frankfurter Polizeivizepräsident hat alles getan, dass Leben des Kindes zu retten. Lange zu überlegen war keine Zeit. Es war mutig und menschlich, in der Situation so zu handeln und die Prüfung, ob diese Rechtsverletzung im Interesse des zu schützenden Lebens noch zu rechtfertigen war, später - wenn genug Zeit ist - anderen zu überlassen. Das Gericht hat nun zu Recht darauf erkannt, dass unsere höchsten Verfassungsgrundsätze absolut geschützt werden müssen. Auch abscheulichste Verbrecher schaffen es so nicht, durch ihre Taten und ihr widerliches Verhalten danach unsere Verfassung auszuhöhlen. Es ist für jeden normal empfindenden Menschen sicher nur schwer zu ertragen, wenn ein aus edlen Motiven heraus Handelnder für den Rettungsversuch verurteilt wird, der bestialisch handelnde Mörder aber in seinen Grundrechten geschützt bleibt. Wir müssen es aushalten, wollen wir nicht die Tür ein Stück weit für Willkür öffnen, die dann irgendwann auch aus nichtigem Grund jeden treffen kann, wie unsere jüngere Geschichte gezeigt hat.

Hans-Georg Kielau, Wandlitz

Natürlich bin ich auch gegen Folter. Dass aber schon die Androhung der Folter bei einem Kindesmörder eine Entschädigung rechtfertigt, werde und will ich nicht begreifen. Eine schnelle Lösung zur Lebensrettung war nötig, also kann man nicht höflich sein und auf Mitgefühl hoffen, um die nötigen Informationen zu erhalten. Die ermittelnden Behörden haben nach meinem Empfinden korrekt gehandelt.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Das Urteil des Landgerichts Frankfurt, dem Kindesmörder eine Entschädigung zu zahlen, ist unverständlich und eine Schande. Auch die Tatsache, dass es einen Anwalt gab, der diese Entschädigung erstritten hat, ist bestürzend. Die Begründung, "er habe durch die Gewaltandrohung durch den Polizisten psychische Schäden erlitten", und auch der Kommentar des Anwalts, "wichtiges Signal für die Menschenrechte", lassen Zweifel aufkommen, ob die Justiz weiß, was Menschenrechte sind?

Jai Menon, Steglitz

Sicher erscheint es fragwürdig, wenn ein rechtskräftig verurteilter Straftäter solche Ansprüche erhebt. Aber das eben auch hier Recht gesprochen wurde, unterscheidet uns glücklicherweise von einer Bananenrepublik. Abgesehen davon ist das hier vorliegende rechtswidrige Verhalten von Polizisten ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig die Kennzeichnungspflicht für die Polizei ist. Denn nur so können die schwarzen Schafe erkannt und aussortiert werden.

Christian Hahn, Schöneberg

Ein Mörder erhält eine finanzielle Entschädigung vom Staat. Eine derartige Verhandlung hätte gar nicht erst zugelassen werden dürfen.

Jochen Kauerauf, per E-Mail

Einen Mörder, der für die Eltern des Kindes unermesslichen und nicht wieder gutzumachenden Schaden angerichtet hat, im Namen des Volkes zu entschädigen, weil angeblich seine Menschenwürde verletzt wurde, pervertiert unsere Rechtsprechung.

Roger Morell, per E-Mail

Wie viel Schmerzensgeld steht den Angehörigen und den Findern des ermordeten Kindes zu?

Klaus-Michael Bartels, per E-Mail

Wie viel "kostet" denn der echte Schmerz des Opfers, wie viel der Schmerz seiner Eltern? Soll das Recht sein? Ein Kindesmörder hat keine Menschenwürde, er hat sich bewusst aus dem Menschsein entfernt. Noch dazu als Wissender, als Jurastudent. Der Mann ist pervers genug, weiterhin Spielchen zu spielen.

Hans-Joachim Förster, per E-Mail

Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht aller Opfer. Die vernehmenden Beamten haben in einer emotionalen Ausnahmesituation unter extremen Zeitdruck versucht, ein Menschenleben zu retten. Der Täter wurde bedroht. Nur er allein wusste, dass das Opfer tot war. Hätte er sich dazu in der Vernehmung geäußert, hätten die Beamten nicht zu diesem allerletzten Mittel greifen müssen.

Max T., per E-Mail

Die Frage nach der Gerechtigkeit bleibt offen. Auch wenn in unserem Rechtstaat die Androhung von Folter nicht erlaubt ist, billigt es doch die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Der Beamte hat unter enormen Zeitdruck versucht, das Leben eines Kindes zu retten.

Ingrid Treche, per E-Mail

Die Berichterstattung in der Morgenpost war ausgewogen, insbesondere das Interview mit Professor Bongardt hat die Dinge ins richtige Licht gerückt. Allerdings hätte sich nicht Kasupke auf Seite 1 zu diesem heiklen Thema mit unterirdischen Sprüchen zu Wort melden müssen.

Rainer Gottlieb, Lankwitz