Leserbriefe

"Unbegreifliche Tragödie"

| Lesedauer: 4 Minuten

Eine Tragödie von unbegreiflichem Ausmaß. Was in unruhigen und instabilen Regionen beinahe zur Tagesordnung gehört, rüttelt in unseren eher friedlicheren Breitengraden ganz anders auf. Und führt uns wieder in tragischer Weise vor Augen, wohin Extremismus letztlich führt und wie schnell das Pflänzchen der Stabilität verletzt werden kann. Dies gilt sowohl für rechts-, links- wie auch religiös motivierten Extremismus. Es kann zahlreiche Gründe haben, warum Menschen so radikalisiert werden. Im Falle von Norwegen scheint die radikale Gesinnung Richtung rechts und gegen Fremde und Ausländer zu gehen. Es liegt mir fern, die Politik als Alibi für diese nicht zu rechtfertigende Tat verantwortlich zu machen. Trotzdem ist es heute wieder salonfähig, alles Fremde in populistischer Weise für die drückenden Probleme der Menschen als Sündenbock zu diskreditieren. Dazu gehört auch die relativ vorschnelle Vorverurteilung von islamischen Drahtziehern für den Terror in Oslo. Auch die vermehrte persönlich gefärbte politische Auseinandersetzung auf Kosten der sachorientierten Debatten ist nicht förderlich für die demokratische Stabilität.

Pascal Merz, per E-Mail

Der Amoklauf offenbart die Auswüchse unserer Gesellschaft auf das Abscheulichste. Auch bei uns sind gesellschaftliche Auswüchse vorhanden, es fängt im Kleinen an, hier etwas Gewalt und dort etwas Gewalt. Wenn die Politik hier nicht gegensteuert, ist noch Schlimmeres zu befürchten.

Christian Lukner, per E-Mail

Was soll das denn heißen, ob bei der Gefahrenbekämpfung Fehler gemacht wurden? Der Täter erschießt 90 Minuten lang nahezu ungestört und ungehindert Jugendliche, während ein Spezialeinsatzkommando 45 Kilometer mit einem Auto und einem Boot zurücklegt. Bei dieser Dringlichkeit hätte sich jeder normal denkende Leiter einer solchen Spezialeinheit einfach den nächstbesten Helikopter geschnappt, um so schnell wie möglich wenigstens einige Einsatzkräfte auf die Insel zu bringen. Vermutlich wären so 30 Minuten weniger tödliche Zeit verstrichen, und es hätte weniger Opfer gegeben.

Alexander Bohl, per E-Mail

Was für eine Bestrafung des Täters für einen derartigen Massenmord wäre angemessen? Wie berichtet, erwartet den Täter nach norwegischem Recht eine maximale Freiheitsstrafe von 21 Jahren, was bedeutet, dass er mit 53 Jahren wieder auf freiem Fuß lebt, was nicht nur für die Angehörigen der Opfer unerträglich sein wird.

Frank Künzel, Kladow

Schade, dass dieses Monster nun in den Medien derart viel Aufmerksamkeit bekommt. Er würde viel mehr gestraft werden, wenn man ihm diese Plattform nicht geben würde. Es sollte doch nicht Sinn einer Berichterstattung sein, potenzielle Nachahmer dadurch zu motivieren und die Sensationslust zu befriedigen.

A. Badelt, per Mail

Offensichtlich Probleme vor allem struktureller Natur

Zum Artikel: "Sexy aber arbeitslos: Kein echter Aufschwung in Berlin" vom 26. Juli

Die Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sollte der Politik als Weckruf dienen, die bisherige Arbeitsmarktpolitik zu hinterfragen und nach besseren Alternativen zu suchen, wobei sich die Bundesregierung und der Senat gleichermaßen angesprochen fühlen sollten. Schließlich scheinen die Probleme vor allem struktureller Natur zu sein, was auch am immer noch viel zu behördlichen Charakter der Bundesagentur für Arbeit liegen dürfte. Deren Auftrag erstreckt sich primär darauf, staatliche Vorgaben bürokratisch eins zu eins umzusetzen, anstatt sich auf eine kreative Art und Weise darüber Gedanken zu machen, womit man am besten die Menschen erreicht. Etwa durch Jobcenter nach skandinavischem Vorbild, die wie moderne Geschäfte direkt in den Fußgängerzonen angesiedelt sind.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Schaden für den deutschen Luftverkehrsstandort

Zum Artikel: "Schäubles ungeliebte Flugticket-Steuer" vom 25. Juli

Die Koalition will die eingeführte Luftverkehrsabgabe überdenken beziehungsweise evaluieren. Der Schaden für den deutschen Luftverkehrsstandort ist doch bereits eingetreten und das Ziel der Haushaltskonsolidierung wurde verfehlt. Auch die Argumente mehr Umweltschutz sowie Einbeziehung in die Mobilitätsbesteuerung sind nicht zutreffend. Die Luftverkehrsindustrie peilt für 2020 ein CO2-neutrales Wachstum an und finanziert als einziger Verkehrsträger seine Infrastruktur selbst. In Sachen Steuern und Gebühren steht für den Luftverkehr ohnehin noch ein weiteres Ärgernis bevor, nämlich die geplante Luftfrachtsicherungsgebühr.

Holger Voss, Spandau