Leserbriefe

"Zu Recht Missstände angeprangert"

Hut ab vor der Altenpflegerin Brigitte Heinisch! Sie kämpft für die Hilflosen oder die, die es werden - also für alle. Ihr Beruf ist schwierig und dennoch schlecht bezahlt. Wenn menschenverachtende Bedingungen dazukommen, ist das kaum noch tragbar. Es ist eine Schande für alle Verantwortlichen und grauenvoll für die, die solche Sparmaßnahmen erleiden müssen. Ein Heimschicksal kann jeden treffen. Erschreckend, wenn nicht einmal die Gesundheitssenatorin zu einem Gespräch bereit ist und Vivantes vor dem Landgericht recht bekommt. Was muss noch geschehen, damit alte und hilflose Menschen gut betreut werden? Für den Wahlkampf ist das Thema leider unattraktiv.

Klaus Zilm, per E-Mail

Hochachtung vor der Zivilcourage und dem Durchhaltevermögen dieser Berlinerin! Nicht viele Menschen haben diesen Mut. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einer Frau nach jahrelangem Klagemarathon ihre Würde und ihr Ansehen zurückgegeben. Rehabilitation für einen Menschen, der mit all seinem Mut den eklatanten Pflegenotstand angeprangert hat und dafür ins Abseits gedrängt wurde und schwerwiegende Nachteile für sich in Kauf nahm.

Ingrid Treche, per E-Mail

Die Einrichtung, in der Frau Heinisch gearbeitet hat, ist mir seit Jahren bekannt. Bisher machte sie einen guten Eindruck. Umso überraschter war ich nun, von den dortigen Mängeln zu erfahren. Der Vivantes-Konzern ist die private Nachfolgeorganisation der städtischen Berliner Krankenhäuser. Im Zuge der Privatisierung hatten damals zahlreiche Beschäftigte dem Betriebsübergang widersprochen, unter anderem fast die gesamte Belegschaft des Urban-Krankenhauses. Die politischen Initiativen im Gesundheitsbereich sind vielfältig, leider aber oftmals von Populismus statt von Sachkompetenz geprägt. Zwar ist die Einführung von Qualitätskriterien und deren Veröffentlichung löblich, jedoch sind diese intransparent und wenig aussagekräftig. Zudem können diese durch die Betreiber manipuliert werden. Wenn Frau Heinisch nun vorgeworfen wird, leichtfertig und illoyal gehandelt zu haben, so ist dies sachlich falsch. Wie im Urteil eindeutig ausgeführt, hat sie den Konzern mehrfach auf Mängel hingewiesen und die Anzeige durch ihren Rechtsanwalt eingereicht. Die Mängel wurden zuvor vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen festgestellt. Hier ist insbesondere zu beachten, dass Frau Heinisch auch ihre staatsbürgerlichen Pflichten ausgeübt hat, indem sie Straftatbestände zur Anzeige gebracht hat. Welchen Stellenwert hat in unserer Gesellschaft die Gesundheit? Wir reden hier über die Versorgung der Generation, die dieses Land und damit den Wohlstand aufgebaut hat. Rabindranath Tagore sagte: "Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit ihren Alten und Kranken umgeht."

Lutz Kortmann, per E-Mail

Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher sollte dieses Urteil bewusst zur Kenntnis nehmen und ihre Arroganz und die ihrer Behörde endlich beenden. Das Land Berlin wäre gut beraten, hier den Tatsachen ins Auge zu sehen und Vivantes in die Schranken zu weisen.

Thomas Hansen, per E-Mail

Herzlichen Glückwunsch an Frau Heinisch, endlich hat die Gerechtigkeit gesiegt! Als betroffene Mutter einer schwerst mehrfachbehinderten Tochter, die in einer WG für behinderte Menschen lebt, habe ich ihren Fall verfolgt, denn auch ich darf keine berechtigte Kritik äußern. Man drängt mich ständig, meine Tochter doch aus der Einrichtung zu nehmen. Das Geld wird gerne genommen, doch der wehrlose Mensch bleibt auf der Strecke. Es ist unbedingt wichtig, immer wieder Ross und Reiter zu benennen. Frau Heinisch, Sie haben Rückgrat gezeigt, bleiben Sie stark, Sie geben uns Mut!

Geertje Siewert, per E-Mail

Meinungsfreiheit? Meinungspflicht. Ruhigstellung bei der geringsten Kleinigkeit, Anmache, wenn hilflose Patienten zur Toilette wollen, kaltes Essen im Schnellverfahren reingestopft und natürlich zu wenig zum Trinken sowie ewig Zimmerverdunklung, weil man vergisst, die Jalousien nach dem Mittagsschlaf wieder hochzuziehen. Die Liste ist lang, nicht nur bei Vivantes. Die Fremdkontrolle ist ein Witz, weil ja das Personal sieht, wer gefragt wird von den Kontrolleuren. Also haben Patienten Angst, offen zu sprechen.

Annemarie Wachsmann, per E-Mail

Frau Heinisch prangert zu Recht Missstände an, denn bei der Pflege geht es nur noch ums Geld und nicht mehr um den alten Menschen, die werden oft kalt und herzlos behandelt. Nicht von allen Pflegekräften, aber es sind doch einige darunter, die den Beruf verfehlt haben. Ich bin selbst Altenpflegerin und weiß, wovon ich rede. Ich habe mehrere Arbeitsstellen aufgegeben, weil da keine Änderungen zu erreichen waren und Chefs Missstände geduldet haben.

Gabriele Jahn, per E-Mail