Leserbriefe

"Keine objektiven Kriterien"

Es wäre naiv zu glauben, dass die neuen Flugrouten nach objektiven Kriterien von den Experten der Deutschen Flugsicherung vorgeschlagen wurden. Diese Frage ist in Berlin und Brandenburg längst Chefsache. Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ging es darum, den Südwesten zu entlasten und die Proteste dort zu beenden. Das bedeutet aber: mehr Flüge über Brandenburg. Für Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) ist dies nur akzeptabel, wenn im Gegenzug an anderer Stelle eine Belastungsverschiebung von Brandenburg nach Berlin erfolgt. Die Müggelsee-Route ist das Ergebnis dieser politischen Arithmetik. Sie ist der Preis, den Wowereit für die Entlastung im Westen bezahlt hat.

Joachim Nick-Leptin, per E-Mail

Ich möchte als Bewohnerin von Friedrichshagen meinen Unmut über die Streckenführung der Flugrouten kundtun. Es ist Wahnsinn, ein Naherholungsgebiet derart mit Fluglärm und Abgasen zu belasten. Es ist ein unwiederbringlich verlorenes Stück Natur. Der Müggelsee, Berlins größter See, wird zur Einflugschneise für den neuen Flughafen - eine absurde Vorstellung. Ein derartig dicht besiedeltes Wohngebiet so tief und so hochfrequent zu überfliegen ist nicht zumutbar, und wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen wehren. Stuttgart 21 hat gezeigt, dass über die Köpfe der Menschen hinweg keine Entscheidungen mehr so einfach durchzusetzen sind, auch wenn die Bekanntgabe der Flugroute geschickt zu Ferienbeginn gemacht wurde. Wir werden mobil machen gegen solche Entscheidungen.

Ruth Wilhelmy, Friedrichshagen

Wenn für den künftigen Großflughafen in Schönefeld ein Nachtflugverbot für die Zeit von 22 bis 6 Uhr durchgesetzt werden sollte, wie es vom Umweltbundesamt gefordert wird, kann man den Airport gleich in einen Freizeitpark für die Bewohner im Süden Berlins umwandeln. Wo sollen Maschinen landen, wenn diese am Abflugort Verspätung haben und erst nach 22 Uhr Berlin erreichen würden? Dann wäre Hannover oder Leipzig als Ausweichflughafen die einzige Alternative. Berlin braucht unbedingt ein internationales Drehkreuz, wie jede andere Hauptstadt in der Welt es bereits hat, am besten ohne Nachtflugverbot. Wir haben jahrelang in Spandau, am Falkenhager Feld, gewohnt. An den Lärm startender Flugzeuge können wir uns nur bis in die 80er-Jahre zurück erinnern, wo noch alte und laute Triebwerke verwendet wurden. Ansonsten bekommt man da heute nichts mehr mit. Vor 15 Jahren hat man bereits über diesen Standort Schönefeld entschieden. Ich kann mich doch nicht über den Flughafen aufregen, wenn ich mir dort in der "Idylle" nach der Standortfestlegung ein Domizil angeschafft habe. Oder wussten die Betroffenen nicht, dass ein Airport neben neuen Arbeitsplätzen auch startende Flugzeuge mit sich bringt? Wir haben 1994 wohl wissend um Schönefeld unser Haus nördlich von Berlin gebaut und sind über diese Entscheidung sehr froh.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Seit Langem verfolge ich die Debatten um die Flugrouten mit einem gewissen Unverständnis. Ich wohne in Spandau in der Einflugschneise des Flughafens Tegel. Bei der Landung wird unser Wohnhaus in etwa 200 Meter Höhe überflogen, beim Start in etwa 300 bis 400 Meter Höhe. Mir kam es bisher nicht in den Sinn, gegen Tegel zu protestieren, da ich die Notwendigkeit des Flughafens akzeptiere und ihn auch nutze. In einer gelebten Demokratie sind Proteste gegen den Bau eines Flughafens und den daraus resultierenden Flugrouten legitim. Aber zur Demokratie gehört auch die Akzeptanz unpopulärer Entscheidungen, von denen man selbst von betroffen ist.

Achim Sahr, per E-Mail

Strikter Nichtraucherschutz hilft Leben retten

Zum Artikel: "Neuseeland will den Tabak verbieten" vom 16. Juli

Auch in Deutschland müssen Tabakprodukte verboten werden. Jede Zigarette ist eine Waffe gegen die Gesundheit der Menschen - und zwar gegen jeden, der aktiv oder passiv mit ihr in Kontakt kommt. Einem Kontakt mit dem krebserregenden und erbgutschädigenden Luftschadstoff Tabakrauch, der durch seine Summationswirkung so extrem gefährlich ist, kann sich in Deutschland niemand entziehen, da viele Politiker sich weigern, den Nichtraucher wirksam zu schützen. An den Folgen des Tabakkonsums sterben jeden Tag im Tabakparadies Deutschland so viele Menschen, wie in einem voll besetzten Jumbo. Das Freisetzen der hochtoxischen, giftigen Gase, die beim Abbrennen der Tabakpflanze entstehen, erfüllt den Straftatbestand der schweren Körperverletzung. Die deutschen Staatsanwälte weigern sich aber beharrlich, geltendes Recht umzusetzen. Deshalb werden auch weiterhin in Deutschland unzählige Menschen diese Untätigkeit mit dem Leben bezahlen.

Doris-Kristina Barnekow, Charlottenburg