Leserbriefe

"Alles im Rahmen der Gesetze"

Der Inhalt des Artikels betrifft sehr einschneidend die älteren Patienten. Als alter, multimorbider Patient und ganz im Bilde über die Kosten meiner Therapie muss ich eine solche Festsetzung der für mich aufzuwendenden Arzneimittelkosten als Angriff auf mein Leben betrachten. Gewiss wird man mir entgegenhalten, bei den Budgetfestlegungen handelt es sich um Durchschnittswerte pro Patient in der entsprechenden Praxis und Fachrichtung, aber trotzdem muss ich antworten, das geht so nicht, es muss sichergestellt werden, dass jeder Kranke die Therapie erhält, die er braucht, ohne dass der behandelnde Arzt einen Regress befürchten muss. Ich empfehle, diese Meldung zum Anlass zu nehmen, ein ständiges Forum des Kampfes gegen diese Maßnahme zu eröffnen, bis diese falsche Budgetierung, die die Gesundheit von Millionen Menschen bedroht, zurückgenommen und in vernünftiger Weise geregelt wird.

Dr. H. Schnorr, per E-Mail

Im Sozialgesetzbuch, fünftes Buch, steht in Paragraf 1, Satz 2: "Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich; sie sollen durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an Vorsorgemaßnahmen sowie durch ihre aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderungen zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden." Das wird etwa durch Raucher, übermäßig Dicke, Alkoholmissbrauch, durch risikovolle Extremsportarten ignoriert, etwaige Gesundheitskosten werden aber der Allgemeinheit auferlegt. Der Paragraf 11, Wirtschaftlichkeitsgebot, besagt: "Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten." Damit ist alles gesagt. Lediglich davon machen die gesetzlichen Krankenkassen Gebrauch.

Kurt Hauer, Steglitz

Schadet der Vision vom grenzenlosen Europa

Zum Artikel: "Guben will Grenzkontrollen zurück" vom 14. Juli

Mein Bedarf an Grenzkontrolle wurde in den Jahren bis 1989 ausreichend gedeckt. Es ist tragisch, dass ausgerechnet ein ostdeutscher Bürgermeister wie der aus Guben auf die Idee kommt, Polizisten an den Grenzstreifen zu stellen. Worin besteht denn die Kriminalität in der Grenzregion? Da kommen ein paar Fahrräder weg. Das passiert in Berlin an jedem Bahnhof. Da gibt es vermutlich Wäschediebstähle von der Leine, und in Geschäften wird auch geklaut. Viele dieser Probleme löst anschließend die Hausratsversicherung. Es ist schade, dass der Bürgermeister von Guben die Vision vom grenzenlosen Europa wegen solcher Kleinigkeiten beenden will. Oder es ist der Versuch, Stimmen am rechten Rand und von DDR-Nostalgikern einzusammeln.

Ralf Drescher, per E-Mail

DFB setzt mit Festhalten an Silvia Neid auf Nachhaltigkeit

Zum Artikel: "Neid-Debatte: Woran die Fußball-Frauen scheiterten" vom 11. Juli

Der DFB-Präsident setzt auf Nachhaltigkeit und stellt die Bundestrainerin nicht nach ihrer ersten WM-Spiel-Niederlage infrage. Richtig. Der öffentliche Aufschrei bleibt aus, wenn das DFB-Team ein Viertelfinal-Spiel vergurkt und nach Verlängerung 0:1 gegen Japan verliert. Wir wissen alle: Der Fußball lebt davon, dass Kleine auch mal den Großen ein Bein stellen. Die Bundestrainerin spricht in der Spielanalyse Fehler an, die sie während des Spiels gesehen hat, und sie sieht keinen Fehler bei sich, denn selbst spielte sie nicht mit und hat nach eigenem Empfinden die Mannschaft optimal eingestellt. Kein Nachhaken im ZDF, als Frau Neid einen Fehler der Torfrau andeutete. Den haben wir auch so alle gesehen. Die "Bild"-Zeitung hat 1994 dem Fußball-Bundestrainer der Männer, Berti Vogts, eine Rücktrittserklärung geschickt, die er nicht unterschrieb. 1996 wurden wir mit ihm Europameister. Was soll die Hetzjagd auf Silvia Neid?

Ulrich Brietzke, per E-Mail

Ehrliche Gastfreundschaft, Fairness und Sportlichkeit gebieten es, unseren Spielerinnen der Frauen-Nationalmannschaft trotz all der Enttäuschung dringend zu empfehlen, zumindest das Endspiel in Frankfurt zu erleben und anschließend den Siegern und auch den Verlierern zu gratulieren. So können die unerfreulichen Begleiterscheinungen infolge deren ungeplanten Ausscheidens bereits im Viertelfinale und zugleich auch bei Olympia wieder ins rechte Licht gerückt werden. Hier kann die Bundestrainerin Silvia Neid ihre wahren Qualitäten unter Beweis stellen. Die bisherige sehr gute fußballerische Entwicklung unserer Frauen, denen letztlich nur die auf dem Niveau gebotene Kampfkraft und sichtbar unbeugsamer Siegeswille fehlte, wäre ein Signal in die Zukunft.

Norbert Gewies, Berlin-Konradshöhe