Leserbriefe

"Zurück zu solider Finanzpolitik"

Ein Krisenland nach dem anderen, jetzt Italien. So langsam kann man daran zweifeln, ob unsere Politiker überhaupt den Sachverstand haben, eine solche Finanzkrise zu meistern. Da jagt eine Sitzung in Berlin und Brüssel die andere, eine Lösung des Problems rückt in immer weitere Ferne. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wenn sich Euro-Staaten bis über den Kopf verschulden, dann haben diese Länder in der Euro-Zone nichts zu suchen. Wir müssen wieder zu einer soliden Finanz- und Wirtschaftspolitik zurückkehren. So geht das mit dem Schuldenmachen nicht mehr weiter.

Christian Lukner, per E-Mail

Merkel mahnt die Griechen, Merkel mahnt die Italiener und die Portugiesen. Wer um alles in der Welt mahnt endlich Merkel, dass sie mit unseren Steuern nicht so um sich wirft? Wenn schon Italien als drittgrößte Volkswirtschaft in der EU massive Probleme hat, wer hilft dann uns, nachdem Merkel uns hoffnungslos verschuldet hat?

Stefan Roth, per E-Mail

Mit dem Vertrauen von Frau Merkel kann was nicht stimmen. Erst vertraute sie darauf, dass der Rettungsschirm nicht erhöht werden muss, dann darauf, dass Griechenland nicht gerettet werden muss, und nun, dass Italien vertrauenswürdig sei.

Reiner Tiroch, per E-Mail

In Zeiten globaler Finanzspekulationen und drohender Staatsbankrotte sind die drei großen Rating-Agenturen zu mächtigen Meinungsführern geworden. Ihr Urteil hat - obwohl ihre Verflechtungen undurchsichtig und sehr fragwürdig sind - absolutes Gewicht und kann das finanzielle Ende eines Staates bedeuten. Es ist jedoch zu einfach und populistisch, wenn Politiker weltweit die Rating-Agenturen verteufeln. Vorher haben Politiker und Staaten ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Staaten, die heute am finanziellen Abgrund stehen, haben entweder über ihre Verhältnisse gelebt oder mussten in anderen Fällen ihre ungezügelten Finanzinstitute vor dem Ende retten. Die globale Spekulation hätte die Politik schon lange eindämmen können. Doch statt eine griffige globale Finanztraktionsteuer einzuführen, bleibt es bei jeder Krise nur bei der Diskussion darüber. Die Rating-Agenturen sind dann am Schluss noch das zusätzliche Öl ins Feuer, aber nicht die Ursache für den Brand.

Pascal Merz, per E-Mail

Das Oligopol der großen drei Rating-Agenturen beansprucht die Meinungs- und Deutungshoheit in allen Wirtschafts-, Finanz- und Politikfragen der EU-Mitgliedsstaaten. Hierbei haben sich einigen Rating-Agenturen verrannt. Das kann und darf man nicht einfach ignorieren. Der zweitgrößte Goldbestand in Europa befindet sich in italienischen Tresoren, Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in Europa, gekennzeichnet von einem starken Mittelstand, und auch im Exportgeschäft ist Italien gut aufgestellt und konkurrenzfähig. Die Institutionalisierung einer europäischen Rating-Agentur ist ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung der Finanzmärkte in der Euro-Wirtschaftszone, der von Politik, Wirtschaft und Verbänden gleichermaßen gefordert wird.

Sandro Valecchi, Mitte

Die vielfältige Kritik an den großzügigen Darlehen für Griechenland ist zwar gerechtfertigt, doch unerträglich, weil keine einzige konstruktive Kritik geäußert wird. Diese könnte so lauten, dass die EU mit Griechenland ein Doppelsteuerabkommen beschließt, wie es etwa mit der Schweiz der Fall ist, sodass die in der EU zu zahlende Abgeltungsteuer der vielen griechischen Millionäre, die in ihrer Heimat keine Steuern bezahlen, weil sie ihr Kapital vor allem nach Deutschland gebracht haben, nicht unserem Staat zugute käme, sondern endlich anonym an Griechenland ausgezahlt würde. Dann würden nicht nur die kleinen Leute in Griechenland zur Kasse gebeten, und es bestünde eine Chance, das Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen könnte.

Prof. Dr. Ludger Schiffler, Grunewald

Fehlende Ehrlichkeit über die Mängel ihrer Amtszeit

Zum Artikel: "Die Krise ist überwunden, die Chefin geht" vom 9. Juli

Es ist etwas befremdlich, wenn Christoph Stölzl Frau Harms dafür lobt, Sohn Philipp Stölzl engagiert zu haben. So interessant dessen "Rienzi" war, wäre doch etwas mehr Dezenz am Platz. Ohne der scheidenden Intendantin Übles zu wollen, wäre es doch angebracht, sich nicht ganz von der blütenweißen Erscheinung blenden zu lassen. Das Engagement von Renato Palumbo war ein eklatanter Fehlgriff und sein "Freischütz"-Debakel mehr als peinlich. Und der "Chefregisseur" Alexander von Pfeil war, was auch Frau Harms einsehen musste, unhaltbar. Ehre, wem Ehre gebührt: Frau Harms hat viel für das Haus getan. Dafür verdient sie Anerkennung, aber auch Ehrlichkeit den Mängeln ihrer Amtszeit gegenüber.

Frank Mainberg, per E-Mail