Leserbriefe

"Gutes Image wurde beschädigt"

Viele hierzulande hatten auf ein Sommermärchen gehofft. Glaubte man den Medien, dann war von vorneherein klar, dass wir einen dritten WM-Titel in Folge holen werden. Nur wie hoch die Siege ausfallen und wie oft wir zu null spielen, das interessierte noch. Aber aus Märchen ist bekannt, dass die Guten belohnt und alle anderen bestraft werden. Die Spielerinnen haben nun mit ihrer Niederlage gegen Japan dafür gesorgt, dass sich die Euphorie in Grenzen hält und Fahnen sowie Wimpel vorzeitig eingerollt werden. Allerdings passt das Bild vom Abschied unter Tränen so gar nicht zu den markigen Sprüchen, die noch vor wenigen Tagen zu hören waren. Theo Zwanziger hat völlig recht: "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich." Nur deutsch ist sie vorerst nicht. Olympia ade!

Lutz Berger, per E-Mail

Ich verstehe nicht, wieso man nach der Niederlage der deutschen Frauenfußballmannschaft teilweise so verletzend über Spielerinnen und Verantwortliche herziehen muss. Wettbewerbe bergen immer das Risiko von Niederlagen. Ich habe die Spiele sehr genossen, sie haben mich erkennen lassen, dass Fußball anders, leichter und gefälliger gespielt werden kann als von den Männern her gewohnt. Dafür vielen Dank.

T. Werner, per E-Mail

Was hat man denn bei dieser Spieleinstellung und Spielweise erwartet, wenn Kampfgeist und Siegeswille fehlen? Mal abgesehen von massivem Mangel an der Beherrschung der Technik. Hübsch anzusehen reicht nicht aus, um in einer harten Sportart bestehen zu können. Man muss sich gegen den Gegner durchsetzen, entweder mit exzellenter Technik oder mit Kraft und Siegeswille. Ich hatte das Gefühl, das deutsche Team war geistig immer noch beim Absolvieren von Testspielen. Die japanischen Frauen haben das gezeigt, was ich von den deutschen Frauen erwartet hatte. Siegeswille bis zur letzten Minute, Kraft und Entschlossenheit.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Es ist schon tragisch, bei der WM im eigenen Land so blamabel auszuscheiden. Wenn man von vier Spielen nur eins (gegen Frankreich) einigermaßen passabel über die Runden bringt, kann man keinen Anspruch auf den Weltmeistertitel stellen. Aber man kann nicht alles den Spielerinnen anlasten. In erster Linie muss der Vorwurf an die Trainerin wegen der teilweise merkwürdigen Spielerpolitik gehen. Sie hat Deutschland damit einen Bärendienst erwiesen und die gute Arbeit ihrer Vorgängerin zunichtegemacht.

Dieter H. J. Foerster, per E-Mail

Bei diesem schlechten Kick vermisste man fast alles, was diese Mannschaft bisher ausgezeichnet hat. Ich hatte bei einigen Spielerinnen, vor allem bei den sogenannten Leistungsträgerinnen, das Gefühl, dass sie in vielen Situationen Angst vor dem großen Einsatz der Japanerinnen hatten. Dazu kamen viele Abspielfehler und ungenaue Pässe. Dieser Auftritt hat dem guten Image des deutschen Frauenfußballs erheblich geschadet.

Wolfgang Schmidt, per E-Mail

Hochmut kommt immer vor dem Fall. Ein dritter Platz ist nur was für Männer, aber immer noch besser, als im Viertelfinale auszuscheiden. Warum hat die Trainerin die Mannschaft nicht in der Aufstellung spielen lassen, die uns gegen Frankreich ein schönes Fußballspiel geboten hat?

Andre Günther, per E-Mail

Dem Bericht über die Bundestrainerin und die Stellungnahme von Trainer Bernd Schröder kann ich nur zustimmen. Das Ergebnis gegen Frankreich war völlig unbedeutend, ob England oder Japan, wer Weltmeister werden will, muss alle besiegen. Als die Verlängerung gegen Japan bevorstand, war die beste Möglichkeit, Birgit Prinz zu bringen. Schwächer als alle anderen wäre sie auch nicht gewesen. Ob sie das Siegestor erzielt hätte, steht in den Sternen, aber sie hätte einen verdienten und würdigen Abgang erhalten.

Heinz Meier, Siemensstadt

Unsere Nationalelfen haben zwar hingebungsvoll gekämpft, aber uns nicht verzaubert, weil sie jene leidenschaftliche Spielbesessenheit vermissen ließen, die unweigerlich zum euphorischen Torjubel führen muss. Dafür haben sie schlecht gespielt und hinten einen zu viel reingelassen.

Roland Klose, per E-Mail

Es war beeindruckend, wie der ZDF-Moderator mit Arroganz und Hochmut die Leistungsstärke der beiden Teams zu Beginn der Partie beschrieb: Weltmeister gegen kickende Zwerge.

Karl-Heinz Keilholz, Grunewald

Das Schönste am Frauenfußball ist, dass Mann schon mitfiebern kann, aber wenn es dann doch nicht reicht wie gegen Japan, tut es einfach nicht so weh. Kopf hoch, Fußballfans, männlich wie weiblich, bis zur Männer-EM ist es nur noch ein knappes Jahr. Neue Chance, neues Glück.

Klaus Kemmler, per E-Mail