Leserbriefe

"Münchens Pleite war absehbar"

Ich freue mich über die Entscheidung des Olympischen Komitees und wünsche Südkorea alles Gute für gelungene Winterspiele im Jahr 2018. Nach Berchtesgaden, Berlin und Leipzig hat nun auch München eine Abfuhr erhalten. Es waren ohnehin umstrittene und mangelhafte Vorbereitungen in Bayern getroffen worden für eine derartig groß angelegte Veranstaltung, wobei die ökologischen Gesichtspunkte völlig außen vor gelassen wurden. So war es auch schon damals in Berlin, was seinerzeit in vielen Demonstrationen artikuliert wurde. Ich glaube, wir sind besser beraten, wenn sich der Staat mehr um preisgünstige Freizeitangebote für die normale Bevölkerung kümmert und den Schul- und Jugendsport mehr fördert, als hochtrabende Arenen und Hallen zu bauen, die letztlich nur scheinbar der Infrastruktur eines Veranstaltungsortes zugutekommen.

Thomas Henschke, Waidmannslust

Wir sollten jetzt nicht jammern, dass das südkoreanische Pyeongchang den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018 bekommen hat. Ohnehin sind die Kriterien, nach denen der Austragungsort bestimmt wird, alles andere als transparent. Letztlich geht es überall nur ums Geld.

Christian Lukner, per E-Mail

Spürbare Auswirkungen des radikalen Sparkurses

Zum Artikel: "Bürgerämter vor dem Kollaps" vom 7. Juli

Endlich mal ein Politiker, der Wort hält. Nach seinem Amtsantritt vor mehr als einem Jahrzehnt hat uns Klaus Wowereit ein "Sparen, bis es quietscht" versprochen. Diese Drohung hat seit Jahren die Bürgerämter erreicht, jetzt sind wir am unrühmlichen Höhepunkt. Permanent wurde in den vergangenen Jahren Humankapital (qualifiziertes Personal) in diesen Bereichen nicht ersetzt oder anderweitig eingespart. Ich finde es nur bedauerlich, dass sich Wowereit und sein Finanzsenator Ulrich Nußbaum und sein Innensenator Ehrhard Körting nicht jeden Tag für Stunden in einem Wartebereich der Bürgerämter tummeln. Bestimmt würden sie auch nach kurzer Zeit vor Freude quietschen, so, wie es die Bürger dieser Stadt tun, ganz zu schweigen von den dort Beschäftigten. Diese darf man übrigens nicht mit den Abgeordneten verwechseln, die sich vor einem Jahr ihre Diäten selbst um etwa zehn Prozent erhöht haben. Die Beschäftigten der Bürgerämter - ebenso wie alle andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes - werden seit Jahren unterbezahlt und über ihre körperliche Belastungsgrenze hinaus ausgebeutet. Das müsste eigentlich der Albtraum jedes sozialdemokratischen Politikers sein.

Andreas Kreitz, Spandau

Auftritt wird zu einer Personality-Show

Zum Artikel: "Bettina Wulff, Rana und das Bildungspaket" vom 5. Juli

"Das ist sozusagen meine Welt hier." Dieses Zitat von Bettina Wulff, Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, bei ihrem Termin in der Neuköllner Richard-Grundschule spricht für sich. Frau Wulff zeigt sich bemüht, die Autorin beobachtet und berichtet neutral und dokumentiert damit sehr gut, dass das gut gemeinte Vorhaben der Stiftung und des Bildungspaketes an der Wirklichkeit total vorbeigehen. Das Bildungsprogramm sieht Hilfspakete vor. 97 Prozent der Kinder der Richard-Grundschule sind antragsberechtigt, aber höchstens 25 Prozent nehmen die Leistungen in Anspruch. Als ein Erfolg an der Schule mit mehr als 90 Prozent Kindern mit Migrations-, Sprach- und Milieuproblemen gilt etwa, wenn eine Mutter nach einem halben Jahr ihrem Kind zum ersten Mal ein Pausenbrot schmiert. Wie soll diese Mutter ein sechsseitiges Antragsformular für das Bildungspaket ausfüllen? Im Begriffsfeld der "Welten" von Frau Wulff zu bleiben; es gibt verschiedene "Welten" (hier), und Frau Wulff (da) und die meisten Bildungspolitiker wollen die Realitätswelten nicht sehen. Die sehr engagierte Lehrerschaft und die Schulleiterin der Richard-Grundschule sind weltgewandt, sie wissen sich zurechtzufinden in diesem, ihrem Umfeld.

Ich spreche für die engagierte Gruppe der bildungsnahen Eltern, unter ihnen bildungsnahe türkische und arabische Eltern, die schon lange in Neukölln wohnen und eine "normale" Einzugsschule für ihre Kinder suchen. Diese ziehen nun weg oder fahren ihre Kinder in andere Stadtteile. Prof. Häußermann, Fachmann für Segregation, sagte in einem Gespräch, dass dies verständlich sei, da sich die Probleme so massiv darstellen, und dies nicht nur wegen der Sprachproblematik, sondern wegen des Milieuproblems auf dem Schulhof. Sein Rat war, die Richardschule zu einer der besten zu machen, mit doppelt so viel Lehrern und viel Geld auszustatten. Die Berliner Politiker greifen das Konzept gerne auf, aber sie tun nichts dafür, es passiert nichts. Bettina Wulffs Auftritt wird da zu einer Personality-Show.

B. Klompmaker, Neukölln