Leserbriefe

"Nicht das, was versprochen wurde"

Die Bürgerinitiativen hatten eine Rückkehr zu den alten Flugrouten gefordert. Das ist jetzt geschehen. Darüber hinaus sind weitere Entlastungen für die Bürger erreicht worden. Ich hoffe, dass die nörgelnden Wutbürger, die keinesfalls repräsentativ für eine Region mit fast vier Millionen Einwohnern sind, jetzt endlich Ruhe geben. Ist denen eigentlich bewusst, dass schon heute Flugzeuge etwa über Potsdam oder Wannsee fliegen? Mehrere Zehntausende Menschen waren am vergangenen Wochenende auf dem Flughafenfest, mehrere Hunderttausend Menschen haben bisher den Infotower am BER besucht. Dies zeigt, dass die Menschen zu dem Projekt stehen.

Peter Neumann, per E-Mail

Lärm stellt eine Gefahr für die Gesundheit dar. Bei Ruhestörung kann man problemlos seinen Nachbarn auf Unterlassung verklagen. Hilflos und entsetzt muss man jedoch ertragen, dass einem die Deutsche Flugsicherung künftig Lärm der allerschlimmsten Güte bei Tag und Nacht über dem eigenen Grundstück bescheren möchte. Die Betroffenen werden die Worte unserer Bundeskanzlerin noch in den Ohren haben, die zum Thema Flugrouten sagte: "Die Verantwortlichen - bei der Flugsicherung oder wo auch immer - haben die Verpflichtung, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird auf der Basis dessen, was versprochen wurde. Da darf es kein Wenn und kein Aber geben." An diesen Worten wird sich die abschließende Entscheidung eines demokratisch legitimierten Regierungsorgans messen lassen müssen. Die vorgelegten Flugrouten sind davon meilenweit entfernt.

O. Berger, per E-Mail

Alle, die heute gegen die vorgeschlagenen Flugrouten protestieren, sollten sich auch einmal fragen, was denn die Menschen im Einflugsgebiet von Tegel bisher ertragen mussten und noch müssen. Wir Deutschen entwickeln uns mehr und mehr zu einer Gesellschaft der Neinsager, die nur aus Egoisten besteht.

Hans Rexing, Lankwitz

Vor nur fünf Monaten sind wir als junge Familie nach Friedrichshagen am Rande des Müggelsees gezogen, ganz bewusst, weil wir hier eine intakte Umwelt für unsere beiden Kinder (anderthalb Jahre beziehungsweise zwei Monate alt) vorgefunden haben. Mit Entsetzen haben wir aus der Zeitung erfahren, dass unser Gebiet durch den neuen Flughafen nun großflächig und intensiv verlärmt werden soll. Wir haben auf die Aussagen der Politik vertraut und fordern Verlässlichkeit, wie Tausende anderer junger Familien, die in den letzten Jahren in diese Gegend gezogen sind.

Lydia Bothe und Sören Sonnenburg, per E-Mail

Mit Kopfschütteln habe ich die neuesten Flugroutenvorschläge zur Kenntnis genommen. Alles ist wie immer: Wer Glück gehabt hat, hält nunmehr den sonst so weit aufgerissenen Mund, wer Pech hatte, lamentiert weiter und droht mit neuen Klagen. Deutschland schafft sich ab - dieses Motto lässt sich wohl auch in Berlin und vielen anderen Orten in Deutschland feststellen, dieses Mal aber im Sinne des technischen Fortschritts.

Jeder will in den Urlaub fliegen, aber nicht vom Flughafen vor der eigenen Haustür. Übrigens wohne ich in Altglienicke, in Flughafennähe.

Jürgen Golombek, Altglienicke

Meine Frau und ich wussten, wir würden uns in unserem Leben nur ein Mal für eine Immobilie verschulden können. Daher haben wir nichts dem Zufall überlassen. Wir fuhren im Sommer 2000 zum Flughafen Schönefeld, studierten Karten, auf denen die Bürger über die künftigen Flugrouten informiert wurden, sprachen mit Fachleuten, recherchierten viel. Schließlich machten wir in dem von uns favorisierten Gebiet südlich von Berlin nur wenige Orte aus, die vom Fluglärm nicht betroffen werden würden. Ragow gehörte dazu. Dies wäre zwar deutlich weiter weg von Berlin, als wir es uns als Berliner eigentlich zumuten wollten, aber das war es uns schließlich wert, dem künftigen Fluglärm zu entgehen. 2001 kauften wir ein Reihenhaus in Ragow. Wir wurden in letzter Zeit durch die Flugroutendiskussion etwas unruhig, hatten aber immer die Aussage von Frau Merkel vom Februar zu diesem Thema im Hinterkopf: "Wenn das passiert, was jetzt beim BBI im Raum steht, nämlich dass man den Menschen bestimmte Flugrouten in Aussicht gestellt hat, und anschließend macht man einfach etwas ganz anderes und sagt plötzlich: Nein, nein, April, April, das wird ganz anders, sage ich: So etwas ist mit der CDU nicht zu machen ..." Völlig unmöglich, dass man in Deutschland so von Wirtschaft und/oder Politik hintergangen werden könnte. Doch was wir gerade erleben, lässt daran zweifeln. Es wird im wahrsten Sinne des Wortes über unsere Köpfe hinweg entschieden. Mehr als 1800 Einwohner in Ragow und viele Tausende in anderen betroffenen Orten sind nun die großen Verlierer. Die Routen so zu belassen, wie sie ursprünglich publiziert wurden, ist doch der einzige Weg, über den sich niemand beschweren kann.

Thomas Wuscher, Ragow